, das schwör' ich zu Gott. Ich schlug Lärm, rief den Schmied, seinen Gesellen. Ich will den Schrein sehen! Die Leute waren halb verschlafen, hatten kaum gewusst, was sie abluden. Sie hatten nur auf mein Jammern und das Winseln meines Hundes gehört ...
Wo ist Bello? rief Katrine, jetzt erst fühlend, was ihr gefehlt hatte.
Bello ... Bello hat bei dem Sturz ein Bein gebrochen, sagte der Fuhrmann ächzend.
Bello ist tot! jammerte sein Weib.
Wenn ihn der Schmied nicht heilt, vielleicht! sagte Peters und fuhr mühsam fort:
Das Schreien und Winseln des Tieres weckte den Schmied, ich lag in Ohnmacht. Bello blieb beim Wagen und winselte. Ich hörte ihn in meinem Zustand, als man mir die Umschläge machte. Ich fragte ihn, den Bello, ja den Hund, als ich erwachte, nach dem Schrein. Das Tier verstand mich und heulte und winselte und hörte nicht auf zu bellen. Aber es hatte den Dieb nicht festalten, mich nicht wecken können. Da lag ich elend, da lag mein treues Tier, zerstreut meine Fracht und ein Räuber umschlich uns, der, ich schwör's – uns bestohlen hat!
Sich aussprechen und sein Unglück erzählen können, schien den Fuhrmann etwas zu erleichtern. Nach einer Weile fuhr er, während Dankmar starr brütend zuhörte, fort:
Das Dorf Plessen liegt am fuss des Schlosses Hohenberg. Mit meinem hinkenden Beine schleppte ich mich an alle Türen und rief den ganzen Ort wach. Es war vier Uhr. Oben auf dem schloss erloschen allmälig die Lichter. Einzelne Wagen fuhren herunter. Man hatte ein fest gefeiert, das nun zu Ende war. Jeden Wagen hielt ich an und fragte nach meinem verlorenen Gute. Die geputzten Gäste lachten mich aus und antworteten, ich sollte sie schlafen lassen. Den Ortsvorstand holt' ich aus dem Bett. Ich verlangte, dass der Schmied und sein Gesell festgenommen würden, und doch kannt' ich Beide als ehrliche Leute seit Jahren, und ich schämte mich, sie für Diebe zu halten. Auch liess ich sie frei und bei meinem Rade. Der Schmied ist blind, sein Sohn taub. Die sind ehrlich. Aber das ganze Dorf bot ich auf und gesucht wurde überall, hinter jedem Strauch, in jedem Graben; aber der Schrein blieb verloren. Gott weiss es, in welches Teufels Hand er gekommen! Was sollt' ich tun? Das Rad war hergestellt, der Wagen fertig, mein Hund blieb beim Schmied, der ihn heilen will. O Gott! Was sollt' ich tun? Der Ortsvorstand versprach mir auf Ehr' und Seligkeit, Alles anzustellen, um den Gaunerstreich zu entdecken. Meine Lieferungszeit für die Güter ist auf Tag und Stunde berechnet. Ich musste fort. Die Tiere zogen den Wagen und mich. Gehen könnt' ich wenig, ich hinkte. Da bin ich nun, Herr! Machen Sie mit mir, was Sie wollen. Der Schrein ist gestohlen.
Nach einigem Bedenken sah Dankmar nach seiner Taschenuhr. Es war halb Zehn.
Wie weit ist's bis Hohenberg und Plessen? fragte er rasch.
Wir rechnen vierzehn Meilen. Es sind dreizehn ein halb, sagte Peters.
Bin ich mit einem Einspänner morgen Mittag da? fragte Dankmar weiter.
Bis morgen Abend, wenn's ein guter Gaul ist und Sie ihm dann und wann einige Ruhe gönnen.
Herr Wirt, sagte Dankmar, ich sah in Ihrer Remise einen Einspänner stehen. Pferde haben Sie im Stall. Wollen Sie für mich einspannen lassen? In zwei, drei Tagen bin ich wieder da.
Bruder, fiel Siegbert erschrocken ein, ist dir der Verlust denn wirklich soviel wert, dass es dir an einem Aufruf in den Zeitungen und einer Anzeige an die dortige Behörde nicht genügt?
Ich bitte dich! erwiderte Dankmar mit grosser Bestimmteit. Mache gegen ein Unternehmen keine Einwendung, das mit meinen künftig wichtigsten Lebensplanen in zu naher Verbindung steht. Es ist ja nicht um diesen Schrein; es ist nicht um diesen zeitlichen Gewinn; es ist um etwas Höheres, das in mein und dein ganzes Leben eingreifen soll ...
Damit trat er näher und flüsterte dem Bruder halblaut zu:
Siegbert, hast du Geld bei dir, so gib! Oder meinst du, dass der Wirt uns zwanzig Taler vorschiesst? Du schickst sie ihm morgen wieder.
Siegbert schien der Säckelmeister der Brüder zu sein. Er verwaltete das höchst schwierige Amt, zwei jungen Männern, die noch keine sichere Lebensstellung hatten, soviel Hülfsmittel durch weise Ökonomie beisammen zu halten, dass sie immer mit leidlichem Anstand in der Welt bestehen konnten.
Er murmelte einige sonderbare Worte, die wie ein keineswegs günstiger Kassenüberschlag klangen.
Die Reise nach Angerode hat Geld gekostet, sagte Dankmar ungeduldig ...
Und mein Bild ist noch nicht verkauft, fiel Siegbert in jenem murmelnden bedenklichen Tone ein, der auf eine augenblickliche finanzielle Ebbe zu deuten schien.
Aber was machen wir uns denn für sorge! fuhr Dankmar plötzlich auf. Du hast ja hundert Taler bei dir.
Ich – hundert Taler? Was fällt dir ein?
Wozu die Bedenklichkeiten! Der Rotkopf ist ein Capitalist, der mit unsern Zinsen zufrieden ist. Sahst du denn nicht, dass er uns ein Zwangsdarlehen aufdrängte? Gieb nur her! Zwanzig Taler genügen. Für das Übrige wird unser Schutzgeist sorgen.
Siegbert, fast voll Entrüstung, zögerte ... Es ist Unrecht von dir