stumm und ergeben, merkte gleich, dass der Justizrat nicht in bester Stimmung war und unterliess alles fragen, pünktlich sich merkend, was ihm geheissen war. Sein Überblick war so kundig, dass es eigentlich keiner Worte bedurfte, wie es mit den Papieren gehalten werden sollte.. Mit fast stummem Nicken und kopfschüttelnd flüsterte er dann aber doch:
Unsere Hohenberg'sche Verwaltung hört also auf?
Die Administration hört auf, sagte Schlurck tonlos.
Werden sich wohl nun wählen lassen? setzte Bartusch noch leiser hinzu.
Dass ich ein Tor wäre! antwortete Schlurck. Meinen Ruin mit eigener Hand bereiten? Jetzt gilt es arbeiten, fleissig sein! Die Zeit der Allotria ist vorüber. Sind die polnischen Pupillengelder eingezahlt?
Auf heller und Pfennig ... Die beste Aufklärung über Max Leidenfrost gab Frau von Werdeck ... Die Familienlegate der Kaminski ...
Genug! Wir müssen Revisionen halten, Bartusch! Uns rütteln, tummeln. Viele Adelige mahnen um Erledigung ihrer Angelegenheiten. Die Familienhäuser in der Brandgasse zahlen zu wenig – der Magistrat wirft uns Saumseligkeit vor ...
Zuviel Armut, Justizrat!
Das sollen die Staatsökonomen und Philantropen ausmachen! Die Commune will Geld, Geld, Geld, Bartusch!
Ich lasse pfänden Tag und Nacht!
Setzen Sie Daumenschrauben an! Ich kann die Lage der Menschheit nicht ändern. Das ist Gottes Sache. Seine Welt ist ein Chaos. Man tastet im Dunkeln, greift und würgt. Ich weiss kein Mittel. Die Politiker sollen es ändern. Geld! Geld, Bartusch! Die Commune ist in Verzweiflung über die Johannitererbschaft und die Hartnäckigkeit des Ministeriums ... Wenn wir diese Branche meiner Geschäfte auch noch verlören ...
Justizrat!
Ich sehe heute schwarz.. gehen Sie Bartusch! Setzen Sie die Legitimation für den Generalpächter auf!
Aber der Prinz ....
Ist krank ....
Hört' es schon.. bedenklich?
Adieu, Bartusch! Lassen Sie mir etwas Ruhe!
Ich wollte auch nur noch ein Wort fallen lassen über eine sonderbare Äusserung des Prinzen in Betreff ....
Bartuseh wollte an den Schrein erinnern ....
Schlurck, obgleich er Vieles von ihm aufgeklärt wünschte, liess ihn doch nicht zu Worte kommen, sondern seufzte so laut, dass Bartusch vorzog, abzubrechen und ihn sich selbst zu überlassen.
Es waren die unmutigsten Gedanken, die Schlurck bestürmten, als er allein war und so das Haupt auf die Lehne seines Voltaire-Sessels stützte. Er rieb die hohe Stirn, um gefälligere zu wecken. Er lüftete die Kleider, putzte an den Brillengläsern, es half nichts; er sah, wenn der Prinz genas, eine bedeutende Clientel, die ihm viel Geld eingetragen hatte, völlig genommen und, was ihm noch störender sein musste, die Vergangenheit derselben einer scharfen Prüfung ausgesetzt. Auch die Verhandlung mit Paulinen hatte ihn aufgeregt. Dass der Prinz sein Feind war, ahnte er. Er sah trotz der Rückreise mit seiner Familie deutlich die Spuren davon. Wird er wieder hergestellt, sagte er sich, wär' es nicht besser, mich mit seiner Feindin zu verbinden und sie mir zu verpflichten?.. Die Frage nach dem Bilde, die er doch an Herrn von Harder richten musste, war er fast geneigt, schon ganz fallen zu lassen.
In diesen Betrachtungen fiel sein blick auf den Schrein, der auf der Seite seines Schreibtisches an der Erde stand..
Er erschrak, dass ihm hier eine neue Demütigung erwachsen konnte, wenn sich Derjenige meldete, dem er gehören mochte.
Heftig zog er jetzt die Klingel.
Einer seiner Diener erschien und hastig ihm anbefehlend, dass er warten solle, ergriff er die Feder und schrieb:
"Da die vielfach angestellten Bemühungen, ein auf der Landstrasse zwischen Angerode und der Residenz bei dem dorf Plessen gefundenes Frachtstück an den rechtmässigen Eigentümer gelangen zu lassen, vergebens gewesen sind, so wird derselbe hierdurch öffentlich aufgefordert, sich beim Justizrat Schlurck in der alten Johanniter-Comturei parterre links in den Frühstunden bis neun Uhr zu melden."
Nachdem er diese Zeilen mit Goldsand bestreut hatte, übergab er sie dem Diener und erteilte den Befehl, sie sofort in die beiden Hauptzeitungen der Stadt einrücken zu lassen. Schliesslich rief er ihm nach, jenes Ersuchen an seine Tochter auszurichten, das wir in Betreff des heutigen Abends und einer Vorstellung bei Frau von Harder schon gehört haben.
unwillig stiess darauf Schlurck den Deckel von dem Schrein, den er mit seinem blanken Firnissstiefel erreichen konnte ...
Der Deckel flog auf.
Die alten vergilbten Papiere lagen noch wohlgeordnet, wie er sie bei der eigenmächtigen und unverantwortlichen Öffnung eines fremden Eigentums vorgefunden hatte.
Er bückte sich nieder und fing an, in ihnen zu blättern.
Wer weiss, dachte er, welche neue Entwickelungen sich aus diesen wurmstichigen Akten ergeben werden! Ist es nicht, als stiegen Geister aus der Erde und schüttelten sich noch einmal, um den Kampf mit den Lebenden zu beginnen? Wer wird der Kämpfer sein, der diese Waffen führt? Wo sind sie gefunden worden, unter welchem alten Hünengrabe? Fast glaube' ich, dem Schilde da fehlt doch wohl ein Arm, der ihn führt, dem Rosse da der Reiter:
es sind vielleicht nur alte Manuscripte Dem, der sie entdeckte; nichts Anderes! Dass er dann nie ihre Bedeutung erkennen möge! Ich verlöre den zweiten Arm, der mir arbeiten hilft, nachdem ich den ersten gelähmt schon an diesen Ackermann hingeben musste!
Im