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eine der hässlichen und magern Töchter dieses alten Gönners unserer Familie dein Madonnenideal ist!

gönner unsrer Familie, sagst du? Er war der ärgste Feind meines Molay.

Es ist ein Schulkamerad des Vaters noch von Schulpforte her ...

Und gerade deshalb sein eifrigster Feind und auch uns misgünstig und hämisch gesinnt! Die Schulkameradschaften! Von einem mislungenen Wettkampf bei einem Exercitium spinnt sich oft ein Faden des Neides und der Misgunst an, der durch das ganze Leben geht! Wie kann ich gute Bilder malen, da er unsern Vater kannte, der neben ihm in ein und dasselbe Tintenfass die Feder tauchte!

Bitter, Siegbert, aber wahr!

Ich bin bitter, weil ich wirklich sagen muss, dass erst Frau von Trompetta den Ankauf meines Bildes durchsetzte! Nicht, damit ich erst etwas für ihr Getsemane male, sondern weil ich ihr schon etwas malte, deshalb musst' ich erst durch Ankauf meines Bildes ein geachteter, guter Maler werden!

Ärgre dich darüber nicht! Die Mysterien des Ruhmes haben schlimmere Dinge zu berichten. Was wollte Gelbsattel bei dem Franzosen?

Gelbsattel kaufte Rahmen zu einigen Bildern, die vom Kunstverein verloost werden sollen. Er war ungemein freundlich, fast kriechend und erkundigte sich nach dir mit einer Umständlichkeit, die mir fast auffiel.

Nach mir? sagte Dankmar, halb befremdet, halb teilnahmlos.

Fast wie im Verhör musst' ich ihm hunderterlei fragen beantworten, fuhr Siegbert fort, die ich selbst kaum wusste, und was das Auffallendste war, er schien über deine Anwesenheit in Angerode auf's Genaueste unterrichtet und geriet über die Mutter in Ekstase, die ich seit dem schlimmen Tage, wo er einst in Taldüren uns besucht hatte, nicht vermutete.

Die Lection, sagte Dankmar, die ihm der gute Vater damals gab, wirkte. Er drohte ihm für Alles, was ihm der Vater sagte, die furchtbarste Rache und doch wurde er gleich darauf nach Angerode versetzt. Diesen Menschen muss man nur die Zähne weisen und sie werden zahm.

Nach Angerode, sagte Siegbert traurig, wo der Vater starb! Die Rache gelang!

Nun? erinnerte Dankmar, diese Erinnerungen vermeidend, an die Fortsetzung der Erzählung ...

Du hättest Leidenfrost sehen sollen, fuhr Siegbert fort, wie der den Probst sogleich hechelte, den Kunstverein geisselte! Der kolossale Herr wurde zornrot und warf mit Frivolität der Genrebilder, satirischen Bambocciaden und ähnlichem Schwulst um sich, während er die Rahmen behandelte und von dem Franzosen immer kurz und treffend, mit Würde und einem gewissen Stolz bedient wurde. Leidenfrost bestellte zwölf Ellen von der vorzüglichsten Arbeit, die Monsieur Armand in Proben ausgestellt hatte, und als ich lachte und sagte: Sind Sie toll? Was soll ich denn da hineinmalen? Nun was denn sonst, rief er mit einem Seitenblick auf Gelbsattel, was denn sonst als die idee, die Sie mir eben so vortrefflich geschildert haben, eine Sitzung der Akademie della Crusca! Gelbsattel horchte hoch auf über ein Bild, an das ich gar nicht gedacht hatte. Sehen Sie, sagte Leidenfrost, zu Ihrem dicken Prälaten, der bei dieser gelegenheit die Regeln des guten Geschmackes definiren will, brauchen Sie allein drei Quadratellen Leinwand. Der Kerl muss sich in seinem Lehnstuhle hinflegeln, wie eine in Schweinsleder gebundene Ausgabe sämmtlicher Werke des Aristoteles! Bis hierher ... Bitte um Entschuldigung, Herr Oberconsistorialrat! ... bis hierher müssen wenigstens seine Beine reichen, bis dahin seine arme, hier oben streckt er die Hand auf den grünen Tisch und legt sie mit plumper Vollsaftigkeit auf einen grünen Lorbeerkranz, der für ein Reihe herumgehendes Gedicht von den versammelten Kunstrichtern als Preis bestimmt ist. Der Eine rümpft die Nase, der kratzt sich hinterm Ohr, der rechnet an den Fingern nach, dass in der siebzehnten Stanze Vers drei ein Fuss zu wenig ist, der schlägt schon im Lexikon nach, aber der dicke Prälat, der sich bläht wie ein verdauender Kalekut, der gibt sich das Air, als grübelte er nur dem geist des zur Prüfung vorgelegten Gedichtes nach, und die Lorbeerblätter müssen unter seiner schweissigen Hand schon anfangen gelb zu werden. Würde der Kunstverein, schloss Leidenfrost, wohl einen solchen Gegenstand ankaufen, Herr Probst? ... Gelbsattel stutzte, fasste sich aber. Der schöne Rahmen, sagte er salbungsvoll und sich wohl getroffen fühlend, der schöne Rahmen, mein Bester, den Sie da bestellen, ist vorläufig eine sehr gute Empfehlung dieser Sitzung der Academia della Crusca, die ich mir sehr treffend und sogar witzig denken kann, vorausgesetzt, dass der Pinsel des Künstlers edel bleibt und durch Portraitähnlichkeit nicht zum Pasquillanten wird!

Aha! rief Dankmar. Siehst du, wie du die Unbesonnenheit dieses unverbesserlichen Leidenfrost büssen musst?

Lieber Dankmar, sagte Siegbert mit grosser Milde, ich fühle Das wirklich weniger, als du und als es Leidenfrost fühlte. Der Probst ging und unser Spötter warf sich voll Unmut in einen Sessel. Der Franzose, der auffallenderweise recht geläufig deutsch sprach, fragte, ob dieser Herr der Vorstand hiesiger Katoliken wäre? Als wir ihm diesen Irrtum benahmen, sagte er, er hätte Dies geglaubt, weil ein Jesuit, der mit ihm von Paris gereist wäre, viel von dem Probst Gelbsattel gesprochen hätte. Ein Jesuit? fragt' ich zweifelnd; gibt sich, namentlich in jetziger Zeit, ein Jesuit so offen? Der Franzose lächelte und erwiderte: Er wäre von Brüssel bis Hannover mit ihm fast immer in einem Waggon gefahren, aber schon in Aachen wäre ihm kein Zweifel