ja, Dankmar, du spröder, kalter Verächter der Frauen, ich bin auf dem Wege, viel Torheiten zu begehen.
Damit umarmte Siegbert fast den Bruder und verlangte gleichsam durch eine erhöhtere Bezeugung seiner Liebe zu ihm die erlaubnis, sein Herz nun mit Jemand, in dem Dankmar Melanie selbst nicht voraussetzte, teilen zu dürfen ...
Dankmar, der in einer fast gleichen Stimmung war, erwiderte nichts, sondern fühlte stumm die Wonne nach, die seinen Bruder zu erfüllen schien. Wirkte doch auch in ihm die reizende Bestrickung durch eine Armida wie ein Opiumrausch! Er sah nur Himmel, Glück und Seligkeit. Jeder Luftauch, der durch das geöffnete Fenster über die hohen Dächer wehte, war ihm wie ein balsamischer Kuss von Melanie's Lippen. Ein Zauber rieselte durch seine Glieder und gab ihnen das Gefühl einer so äterischen Leichtigkeit, als wenn er in den Lüften schwebte. Er hatte schon den Hut ergriffen, setzte ihn vor dem Spiegel auf, aber er sah sich nicht, er sah nur über seine Schultern sich hinlehnend das schöne Mädchen, das ihn in ihren Netzen gefangen hielt.
Siegbert hielt dies Schweigen für Das, was es wohl auch zum teil war, für das wärmste Mitgefühl und fast eine Bestätigung, dass Dankmar Melanien doch wohl nicht in Hohenberg gesehen hätte, und erregt, wie schon den ganzen Morgen, fuhr er, sich selbst zum Ausgehen völlig fertig rüstend, fort:
Das kleine Gemälde ist viel belacht und bewundert worden und Prinz Ottokar selbst hat es für eine Summe von fünfhundert Talern angekauft. Leidenfrost war aber über dies Glück seines Spottes trostlos. Ich gestehe, dass ich einige Tage lang mit ihm nicht sprach. Er hatte das Bild in seiner Art so rasch hingeworfen, so keck unter meinen eignen Augen vollendet, dass ich denn doch etwas verstimmt war, wie ich den Spott erkannte. Da ich aber das Modell liebe und dir gestehen will, wie ich dazu kam, zu hoffen und was ich hoffe, so ertrug ich den Spott und dachte: Lacht ihr nur! Wer im weib das Schöne und Gute findet, gefällt doch den Menschen, wie ihr auch seiner spottet! Kaum auf der Ausstellung, war das Bild unter dem Titel: "Ein Atelier" schon verkauft. Am Tage nach unserer Scene im Pelikan kam Leidenfrost auf der Strasse zu mir, bot mir die Hand und sagte: Wildungen, ich habe miserabel an Ihnen gehandelt! Ich habe ein Mädchen portraitirt und Sie mit ihr! Ich soll fünfhundert Taler für den Fetzen bekommen, aber ich will ihn zerfetzen unter der Bedingung, dass Sie mein Freund bleiben! Leidenfrost, sagt' ich, was fällt Ihnen ein? Ich finde das Bild wunderschön. Es ist ein Gedicht. Der Gedanke ist gut und die Ausführung, wenn auch flüchtig, doch sicher, bestimmt und ganz graziös. Lassen Sie nur die Menschen lachen und streichen Sie Ihre fünfhundert Taler ein! Leidenfrost war aber wahrhaft unglücklich. Er polterte hundert Dinge heraus. Um sich zu beruhigen, sagte er: Sie müssen nun aber das Mädchen wirklich heiraten, damit Sie Beide uns Alle auslachen! Oder, rief er dann sogleich wieder, Sie sollen mir danken, dass Sie nun erst gar auseinander kommen; es ist eine Melusine! Eine gefährliche Sphinx! Sie passt nicht für Sie! Und so ging es durcheinander fort, bis er endlich mit mir sich so weit geeinigt hatte, dass ich ihm versprach –
Siegbert schloss, da sie inzwischen gingen, die Tür zu. Dankmar zog schon draussen auf der Flur seine Handschuhe an. Frau Schievelbein nahm den Schlüssel ab und wünschte für den Tag gute Verrichtung.
Dass ich ihm versprach, sagte Siegbert, indem die Brüder die Treppen hinunter stiegen ... ihm versprach, wiederholte er, als die Uhr schon neun schlug und er im Gehen seine Uhr aufzog –
Dankmar zog halb nur zuhörend auch seine Uhr auf und richtete sie nach Siegbert's.
Dass ich ihm versprach, sagte Siegbert, ihm jetzt mehr Freund zu sein als sonst, und von den fünfhundert Talern, die er durch mich eigentlich verdient hätte, von der Summe, die er ein wahres Sünden- und Heidengeld nannte, während ich für meinen Molay nur dreihundert hatte, wenigstens die Hälfte als Vorschuss zu einem neuen Bilde anzunehmen. Ich bedankte mich. Aber nein, sagte er, ich muss Ihnen doch irgend ein Opfer bringen, irgend eine Sühne! Wollen wir uns duelliren? fiel er ein. Auf Kanonen? war meine Antwort. Soll ich mit der neuen Hebemaschine, die ich construire, sagte er, mich zur probe so oft in die Luft schleudern lassen, bis ich mich in einen unappetitlichen Brei verwandelt habe? Als ich auch dies grossartige Opfer nicht annehmen wollte, sagte er: Verlangen Sie, dass ich mich zur Strafe in meinen chemischen Tincturen vergreife und eine Portion Äter trinke und mit dem Motto: Leichte Lüfte heben mich! in's Unendliche verschwebe? Kurz ich lehnte alle seine komischen Opfer ab, bis wir auf unserm Schlendergange in der Wallstrasse vor einem haus standen, wo wir einen kleinen Schild ausgehängt fanden, mit der Inschrift: Armand Doreur de Paris. Neben dem Schilde hingen in einem grossen Glaskasten eine Menge sehr feingearbeiteter, bronzirter Goldleisten. Da, Leidenfrost! sagt' ich, zur Strafe sollen Sie zwanzig Taler zahlen und wissen Sie, auf welche Art? Ich weiss es, sagte er: Wir gehen zu Lippi und bestellen zehn