ich hätte ihm aufrichtig gestehen müssen, dass wir es angegriffen haben. Doch die Schievelbein erzählte mir schon, dass sie dir den Verkauf meines Bildes mitgeteilt hat. Ja es ist verkauft, Dankmar, und damit ein Stein vom Herzen!
Dreihundert Taler, sagte Dankmar, ich hörte es mit Ingrimm gegen diese Kunstvereinsknauserei! Die Beleuchtung ist allein soviel wert. Bildchen von zwanzig Talern wollen sie kaufen, damit in ihrer Lotterie viel Gewinne fallen.
Und ist es nicht traurig, sagte Siegbert, dass ich kaum durch mich selbst und meine Arbeit zu diesem Resultate würde gekommen sein, wenn ich nicht für das Getsemane der Frau von Trompetta ein Blatt malte? Und noch schrecklicher! Diese Frau machte von meinem Bilde nicht etwa darum ein so grosses aufsehen, dass man es seines Wertes wegen ankaufen müsse, sondern weil ein Albumsblatt von mir ihr dann erst wichtig werden konnte, wenn ich eine öffentliche Anerkennung erhielt und unter die gesuchten Maler versetzt wurde!
Das muss ich sagen, fiel Dankmar ein und zerklopfte ein Ei, das nenn' ich das Gelbe von der Sache! O, o! Welche Lügen! Welche Schändlichkeiten! Frau von Trompetta heisst die Posaune deines Ruhms? Was machst du ihr denn in ihr Getsemane? Hoffentlich etwas vom Schweisse des Heilands, der sich auf dem Tuche der heiligen Veronika abdruckt! Darunter würde' ich schreiben: Aus der ewigen Leidensgeschichte des Genius!
Genug! sagte Siegbert. Das Bild ist nun fort und die dreihundert Taler werden uns Mut geben, so lange zu warten, bis du deine Million gewinnst. Ich hoffe, diese Million wird uns doch recht bald ausgezahlt werden..
Spottest du? sagte Dankmar und schnitt an dem Schinken, der trotz allen guten Willens, trotz symmetrischer Anordnung, trotz der grünen Petersilie etwas zäh war. Spottest du und machst Witze, so ledern wie dein Schinken? Mache dich würdig, meine Abenteuer zu vernehmen, sonst hüll' ich mich in ein undurchdringliches Dunkel.
Siegbert suchte aus dem Schinkenteller für den Bruder weichere Stücke und geriet durch die sorge für Dankmar's leibliches Wohl ganz von Dem ab, was doch seine Neugier reizte. Er riet ihm ein schärferes Messer zu nehmen, die Stücke kleiner zu schneiden; er hätte doch der Schievelbein gesagt, sie solle ...
Beruhige dich! Beruhige dich! rief Dankmar. Meine Zähne tun das Übrige und die Eier sind vortrefflich, wenn auch ein Bischen klein. Ich hoffe sie kommen nicht aus der Schievelbein'schen Kanarienhecke. Iss Bruder! Jetzt sehe' ich erst, dass du etwas schmal ausschaust! Wie blass! Wie schmachtend! Was ist denn auch Das, bis zwölf Uhr Nachts zu schwärmen? Hat's dir der Mond angetan? Verliebte Kater und verliebte Maler, die an den Häusern hinstreichen! Lernst Mandoline spielen?
Siegbert nahm diesen Scherz nicht auf, sondern blickte ernst.
Viel wichtiger, sagte er darauf mit unbefangener Miene, viel wichtiger als deine Kritik über meine blassen Wangen ist die Mitteilung, was denn nun aus deinem Wunderschranke geworden und wer der glückliche Finder ist? Erzähle!
Dankmar hatte noch nicht Lust, sich in diese wichtigen Tatsachen und ihre weitläufige Mitteilung einzulassen. Er sagte:
Lieber Bruder, das sind so umständliche Dinge, dass ich sie nicht beim Frühstück abmachen kann! Was ich dir von meinen seltsamen begebenheiten schrieb, ist wahr; aber sie sind verworren, so unglaublich, dass ich wirklich von vorn anfangen und ganz metodisch erzählen muss. Sage mir vorläufig zur Beruhigung, was hast du von dem Pferde gehört, das uns jener Strauchdieb in die Lasally'sche Reitbahn zurückführen sollte?
Er hat es abgeliefert, sagte Siegbert. Ich war selbst dort noch am selben Abend und habe seitdem nur die sorge gehabt, jene hundert Taler wieder zu vervollständigen – Du nennst den Fremden einen Strauchdieb. Hast du Beweise, dass er diesen Namen verdient?
Ich denke wohl, entgegnete Dankmar, und sehr triftige. Indessen bin ich froh, dass sich das Pferd sicher in Lasally's Händen befindet. Ich wünschte, wir hätten ihm das Pfand zurückgegeben und kämen mit ihm in keine weitere Berührung. Leider fürcht' ich aber, dass ich gerichtlicher Zeuge gegen ihn werden muss. Gerade Lasally ist es, der diesen Hackert verklagen will und sich dabei auf mich zu berufen gedenkt ...
Siegbert war über diese Nachricht sehr erstaunt. Er hatte von Hackert ein gutes Vorurteil gefasst und bedauerte, dass er es nun aufgeben sollte. Um indessen dafür auch gerechte Veranlassung zu haben, fragte er Dankmar nach den Gründen, die Lasally zu einem solchen Verfahren bestimmen konnten.
Dankmar meinte, dass auch diese Gründe in die lange und prächtige Erzählung gehörten, die er ihm noch heute auftischen würde.
Am liebsten, sagte er, heute' Abend, wenn ich noch weitere Ergebnisse gewonnen habe! Denn aufrichtig gestanden, ich schäme mich fast, vor einer genauen autentischen Bestätigung aller meiner Entdeckungen so sicher und bestimmt von ihnen zu reden. Wie ich gestern Abend hier durch die stillen Strassen schlenderte, kam mir Alles wieder wie ein Traum vor, als hätte mich irgend eine Fee nur necken wollen und mich verzaubert. Aber, Himmel ...
In dem Augenblick sprang er auf. Das Bild fiel ihm ein. Er hatte es gestern in der Übermüdung aller seiner Sinne so gedankenlos auf seinem Tische liegen lassen, dies wunderbar gerettete Bindeglied zwischen ihm und so vielen Menschen, die er noch heute sich eilen wollte, als