wiederholen Sie diese Bagatelle.
Überhaupt bin ich mit manchen Punkten noch nicht einverstanden, fuhr er fort. Wie können Sie bei so geringer Einnahme bestehen? Sie opfern ja Ihr Interesse dem eines Fremden! Sehen Sie hier! Das ist die Statue des Merkur. Ein bedeutsames Wahrzeichen. Es muss Sie an Ihren Vorteil erinnern. Merkur war der Gott des Handels ....
Und der Diebe! sagte Ackermann scharf einfallend.
Schlurck hob den Kopf, zog die Brille etwas in die Höhe und fixirte mit halb unbewaffnetem Auge, mit dem er in der Nähe besser sah, diesen seltsamen Einfall.
Ganz recht! sagte er und machte ein eigentümliches Zeichen, das Ackermann als Freimaurerzeichen erkannte, ohne es jedoch zu erwidern.
Schlurck wollte sich über diesen neuen Generalpächter orientiren, blieb immer noch stehen und wiederholte seine Bemerkung:
Aber – ob des Handels oder der Diebe, gleichviel ... Sie opfern ja Ihr Interesse dem eines Fremden! Tausend Taler!
Das ist meine Sache, sagte Ackermann. Genügen Ihnen meine Zeugnisse, meine Cautionsanerbietungen, meine Vorschläge für die Creditoren, so hab' ich nur die Absicht, mein Vermögen sicher anzulegen und im Übrigen durch diese Verwaltung gelegenheit zu haben, gewisse Grundsätze der Landwirtschaft, die ich auch als Kenner und Teoretiker treibe, praktisch anzuwenden. Die natürliche Beschaffenheit dieser Güter kommt meinen Ideen entgegen. Die Ökonomie auf ihnen ist mehr vernachlässigt als irgendwo und doch sind es wieder meist dieselben Fehler, die überall in Europa gemacht werden. Ich habe mir die gelegenheit angesehen, die ich an Ort und Stelle günstig genug gefunden habe, etwas Tüchtiges zu schaffen und wenn ich fast für gewiss voraussehe, dass Sr. Durchlaucht noch zwanzigtausend Taler reinen Gewinns übrig behalten werden, so können Sie schon getrost eine so vorteilhafte Anerbietung eingehen.
Schlurck blieb, da man inzwischen weiter gegangen war, oben auf dem Corridor stehen und lehnte sich an das Gitter der Treppe.
Hm! hm! sagte er dehnend. Es ist aber doch nötig, dass wir ganz im Reinen sind, ehe wir den Versuch machen, die Meinung des Prinzen zu hören – Die bisherige Verwaltung durch die im Dienste Sr. Durchlaucht Angestellten beträgt etwa sechstausend Taler. Sie war früher viel grösser. Seit zwei Jahren hab' ich sie auf das Nötigste reducirt. Dies Budget werden Sie ... wovon bestreiten?
Von den Einkünften des Bodens, aber auch von den Renten und Gefällen, die an die Gutsherrschaft gezahlt werden.
Bester Freund, sagte Schlurck, Renten, Gefälle.. die sind meist aufgehoben ...
So wurden sie abgekauft, sagte Ackermann. Dies Capital legt man an und erzielt davon eine Rente, die um so angenehmer ist, als nun durch keine böse Verstimmung mehr das verhältnis des Grundherrn zum Bauer getrübt wird ....
Das Capital? sagte Schlurck lachend. Ja, guter Mann, Das, was die Bauern schon eingezahlt haben, ging längst in die Masse!
O! das war höchst ungerecht, das war unverantwortlich! sagte Ackermann.
Wie so? fragte Schlurck und rückte die Brille wieder empor.
Das war unbillig, wiederholte Ackermann. Sie konnten dulden, dass man so die Rechte des Erben verkürzt? Die Laudemien waren eine jährliche Rente. Von dieser Rente, von diesen Zinsen durften die Gläubiger nehmen.
Die Ablösungssummen aber sind ein ganzes Capital, das an den Gütern haftet. Sie konnten sozusagen eine Ernte verkaufen, aber nicht den ganzen Boden.
Als Ackermann so laut und in den gewölbten Räumen widerhallend sprach, öffnete man die Tür.
Ein Frauenzimmer blickte heraus und schien eben in einen Strom von Scheltworten sich ergehen zu wollen, als sie erschrocken den Justizrat erkannte und ihrer Zunge augenblicklich Stillschweigen gebot.
Wie geht es Sr. Durchlaucht? fragte der Justizrat ruhig und bei sich über den Wahrheitsfanatismus dieses imposanten Landwirtes lächelnd.
Die Dame antwortete mit grosser Unterwürfigkeit, dass die Ärzte im Zimmer wären, Niemanden zuliessen und ihre Befehle nur dem französischen Bedienten mitteilten, den Se. Durchlaucht aus Paris mitgebracht hätten.
Wir Alle stehen hier in schmerzlicher Erwartung, sagte sie mit gewähltem, etwas geziertem Tone.
Dabei öffnete sie die Tür und schien Schlurck einladen zu wollen, in den Vorsaal einzutreten ...
Es standen da einige fremde Bediente, andere sassen. Der alte Wandstabler ruhte auf einem Polstersessel und wischte sich die Tränen, die auf seinen grauen, heute nicht sehr gewichsten Schnurrbart rollten ... Es waren dies, da er unten schon oft nach den Schlüsseln gesehen hatte, Tränen sehr zweideutigen Ursprungs.
Die Sprecherin war Demoiselle Florette Wandstabler, seine Tochter. Sie erzählte flüsternd, dass der Prinz drei Zimmer weiter läge, in der hochseligen Durchlaucht Schlafgemächern ... dass er im Fieber phantasire und nur auf Augenblicke bei Besinnung wäre ... Der Unglücksfall errege das allgemeinste Interesse. Alle hohe und höchste Herrschaften schickten stündlich und liessen Nachfrage halten ... Diese beiden Bediente dort gehörten der Gräfin d'Azimont, die jede halbe Stunde einen Rapport haben müsse.. Diese schöne bewunderungswürdige Dame hätte selbst an sein Lager fliehen wollen ... wäre schon auf diesem Vorsaale gewesen.. aber die dringendsten Befehle der Ärzte hätten gerade sie am meisten entfernt gehalten. Der französische Kammerdiener Monsieur Louis hätte sich ihr mit Entschlossenheit entgegen geworfen.. der wäre noch strenger, als die Ärzte.. und Sie kennen Sanitätsrat Drommeldei! schloss sie.
Selmar, der alle diese Mitteilungen anhörte, fasste krampfhaft die Hand seines Vaters, dem sich