an sich. Dass dieser Plan auch den jungen Mann, dessen Krankheit hoffentlich Gott wenden wird, um ihm gelegenheit zu geben, noch sehr an Herzensgüte und Sittenreinheit zuzunehmen, mit betrifft, ist ein Zufall, der mir nicht viel sagen will. Jetzt aber genug von ihm! Ich möchte ihn noch ärger schelten, wär' er nicht krank.
Selmar schwieg. Er hatte sich in seiner Verteidigung erschöpft. Das Letzte, was er für den vermeintlichen Prinzen noch anführen konnte, seine bedenkliche Erkrankung, hatte ja der Vater schon vorweggenommen. Er wusste, dass er diesen erzürnen würde, wenn er einen von ihm für erledigt erklärten Gegenstand von freien Stücken wieder aufnahm. Er sah zur Erde und schleuderte mit dem schwanken Stöckchen, das er in der Hand trug, hier und da einen kleinen Stein zur Seite auf die Beete, die nicht gut gehalten waren .... Die Blumen wuchsen fast wild. Die Hecken trugen Beeren, die überreif vertrockneten, weil sie nicht abgelesen wurden. Die Blätter der verwelkten Rosen lagen zerstreut unter den grünen stachlichten Stämmen. Niemand hatte die Rosen gebrochen, bis sie mit auseinanderfallenden Blättern von selbst niederglitten. Tausende verwelkter Blütenkapseln lagen auf den Wegen und mischten sich mit dem Kieselsand. Es war hier weder die Hand der Liebe, noch die der Furcht sichtbar und Ackermann sagte einige Male mit Recht:
So sieht es aus, wo kein Herr ist!
Einige Male trennten sich unsere harrenden Wanderer, die wohl schon zehnmal Park und Garten auf und ab durchmessen hatten. Den Vater fesselte dann ein Baum, den Knaben eine Blume und dadurch gerieten sie zuweilen auseinander. Einmal stand Selmar an dem Pavillon und betrachtete von allen Seiten das geheimnissvolle umfangreiche Gebäude, dessen Fenster mit äussern Jalousieen verdeckt waren. Es waren Marquisen von schiebbaren Holzstäben. An eins dieser Fenster trat Selmar näher heran, hob den hölzernen Vorhang ein wenig in die Höhe, sodass die Bretter sich verschoben und einen blick ins Innere erlaubten.
Ha! Vater, wie schön! rief er plötzlich.
Ackermann kam ruhig näher. Scheinbar ruhig .... Er war es vielleicht nicht. Er sah wenigstens mit ängstlicher Spannung bald zur Gartentür, bald zu den Fenstern des Palais ... Die Krankheit jenes jungen Mannes, in dem er den Prinzen Egon kennen gelernt zu haben glaubte, beschäftigte ihn mehr, als er seinem Sohne verriet, dessen übergrosse Freundschaft für Egon er, wie wir wohl bemerkt haben werden, absichtlich niederhalten wollte.
Wie ihm Selmar, von dem inneren des Pavillons so überrascht, zurief, kam er dem Fenster, wo Selmar lauschte, näher; aber kaum hatte er in der Meinung etwa einen schönen Saal zu sehen, einen blick durch die engen Bretter der Jalousieen geworfen, als er sie voll Entrüstung zuzog und seinen Unmut über Selmar aussprach, den er jetzt neugierig, ja zudringlich nannte .... Es war das Badezimmer des alten Fürsten gewesen, das Selmar gesehen hatte, eine bunte, magisch von oben herab beleuchtete kammer mit Statuen und Gemälden in einem Geschmacke, der das Auge der Sittlichkeit beleidigen musste .... Doch war Selmar so unbefangen, dass er nur an dem Gold und den Farben hing, nur die von einem roten Kuppelfenster angebrachte magische Dämmerung bewunderte und nicht begreifen konnte, wie der Vater so zürnen und schelten konnte ...
In diesem Augenblicke kam ein Bedienter und meldete mit leicht hingeworfener verächtlicher Rede die Ankunft des Justizrates:
Er hat Sie ja wohl bestellt? hiess es.
Gut, gut, mein Freund! sagte Ackermann. Wir kommen schon.
Beide verliessen den Garten; Ackermann mit einem schmerzlichen Rückblick auf den Pavillon, der ihm einen traurigen künstlerischen Irrtum, eine anstekkende und gefährliche Lebensansicht auszudrücken schien.
Fünftes Capitel
Eine Scene
Ackermann und Selmar trafen den eben angekommenen Justizrat in dem untern Zimmer, bei den Demoiselles Wandstabler. Verletzend genug für Ackermann's Gefühl war auch hier die Überraschung, dass sie beim Eintreten Schlurck in dem Versuch einer flüchtig scherzenden Umarmung der jüngern, der Lorette, Lore oder Laura Wandstabler antrafen ....
Ackermann liess die Tür zu und blieb einstweilen draussen auf der Torflur stehen. Der Knabe war vor dem Anblick bewahrt geblieben ...
Schlurck kam schmunzelnd, erhitzt, heraus und winkte, nach höflicher Begrüssung, ihm über die Treppe hinauf zu folgen. Er würde versuchen, sagte er, ob die Ärzte eine mündliche Unterredung zwischen Herrn Ackermann und dem Fürsten über das von ihm gemachte dankenswerte, den Wünschen aller Gläubiger entsprechende Anerbieten erlaubten.
Ich habe nochmals, sagte Schlurck beim Hinaufsteigen mit prüfender und den Amerikaner scharf durchbohrender Miene, nochmals Ihre Offerten durchgelesen und bin vollkommen überzeugt, dass sie Sr. Durchlaucht genehm sein werden. Sie stellen eine Caution von 10.000 Talern und übernehmen die Pachtung sämmtlicher Güter des fürstlichen Hauses Hohenberg. Sie zahlen jährlich dreissigtausend Taler in die Masse, um damit teils die Zinsen der Schuld, teils das Capital derselben allmälig zu tilgen und erbieten sich den Rest Ihrer Einnahme dem Fürsten zur Disposition zu stellen, nachdem Ihnen erstens die Verzinsung des Capitals, das Sie selbst in die Ökonomie stecken werden, gesichert ist und Sie für Ihre eigene Mühewaltung eine Summe von – wie viel war es? Tausend Talern – ergänzte Ackermann.
Bester Freund, sagte Schlurck und blieb auf der Treppe, gerade an einer Statue stehen. Lassen Sie uns erst aufrichtig reden! Tausend Taler! Was ist Das? Ich dachte heute früh, ich hätte Sie misverstanden und nun