Windungen wirklich nach der Form der menschlichen Knochen bestimmte, wie Hogart für den Geschmack seiner Zeit in seiner barocken Ästetik ausführt. Die hohen Fenster waren mit jenen bekannten Knaufen und Rundungen versehen, die in Sandstein den knöchernen menschlichen Schlüsselbeinen und Gelenkpfannen nachgemeisselt schienen. Dazwischen ein Helm oder der Kopf eines sterbenden Kriegers oder ein Medusenhaupt. Im Einzelnen zergliedert mochten diese Ausschmückungen der Portale, Fenster, Vorsprünge und Friese schwerlich vor der Kritik einer geläuterten Geschmackslehre Stand halten; allein der Totaleffect, das Ensemble war auch hier, wie beim hohenberger schloss, der einer gewissen Würde und vornehmen Stattlichkeit. Auch dies Palais hatte zwei jedoch nur sehr kurz vorgeschobene Seitenflügel mit verschlossenen hohen Eingängen. Der grasbewachsene und etwas verwilderte Vorhof, der durch die Flügel vor der langen Fronte gebildet wurde, war durch Ketten von der Strasse abgesondert. In der mittlern Tür war die grosse Einfahrt eine Façade von sechs dünnen Säulchen, von denen je drei dicht beieinander standen und in der Mitte ein grosses eisernes Becken zur Pechbeleuchtung bei feierlichen Gelegenheiten einschlossen. Das Schwärzen der Säulen hatte man dabei nicht zu fürchten, da das ganze Gebäude durch die allmälige Verwitterung des Sandsteins und die in der Stadt neuerdings stark betriebene Steinkohlenfeuerung ein dunkelgraues Ansehen hatte; nur die weissen Vorhänge an den grossen Fenstern der ersten Etage und im Parterre einige Blumenstöcke gaben ihm den Charakter einer gewissen Wohnlichkeit.
Hatte Fürst Waldemar auch die äussere Erscheinung seines Palais nach vorn so gelassen, wie er es damals, als ihm vor etwa dreissig Jahren die grosse Erbschaft zufiel, von einem Seitenverwandten des regierenden Hauses erstand, so hatte er doch im inneren und nach hinten zu auch äusserlich bedeutende Verschönerungen im neuern Stile angebracht. Auf eine harmonische Verbindung dieser Anbauten mit dem Vorgebäude war dabei nicht gesehen worden. Man stellte einen Pavillon dicht hinter das Hauptgebäude und verband ihn mit diesem nur durch einen bedeckten Glasgang. dicht an diesen Pavillon reihten sich, jedoch ohne Verbindung, die Gewächshäuser. Die eine Seite des von einer hohen Mauer eingefriedigten Gartens war hell und freundlich, die andere der hohen Bäume des kleinen Parkes wegen etwas düster und bei heftigem Sturme, wenn die Gipfel schwankten und krachten, gar unheimlich. Den Park hatte der alte Fürst, dem die schöne natur sehr gleichgültig war, vernachlässigt, und dem Garten würde es ebenso gegangen sein, wenn ihm sein Pavillon nicht sehr am Herzen gelegen hätte, in dem er kleine Diners und vertraute Soupers gab. Die Jalousieen dieses von ihm mit besonderer Vorliebe gepflegten Gartenhauses waren zwar immer herabgelassen ... doch zeigte er wohl einmal seinen Gästen die Aussicht in's Freie, Grund genug, sie dem Pavillon entsprechend zu erhalten. Denn wir können annehmen, dass dieser eine ebenso reiche Einrichtung entielt wie die grossen Gemächer des Hauptgebäudes.
Sogleich, wenn man das Innere des Portals betreten und links an der Loge des Portiers, rechts an der wohnung des Hauptverwalters des Schlosses und sozusagen Haushofmeisters, Herrn Wandstabler, vorüber war, verwandelte sich der ganze Stil des Hauses. Der Treppenaufgang entsprach vielleicht noch dem Charakter des ursprünglichen Baues. Es waren zwei Aufgänge, die links oder rechts zu demselben Ziele führten. Aber die kostbaren Teppiche, über die man schritt, die Marmorstatuen, die auf dem Absatz der Treppen aufgestellt waren, die Form der das Gitter unterbrechenden Karyatiden, die über den Häuptern grosse vergoldete Laternen trugen, die Frescomalerei der Decke und die getäfelten Corridore, die man, oben angelangt, rechts und links sich ausbreiten sah, alle diese Verschönerungen gehörten der neuern Zeit an. Ebenso kostbar war die innere Einrichtung. Die altertümliche Form der grossen Zimmer war ganz verschwunden unter den Tapeten, Malereien und Stukkaturen im neuern Geschmack. Grosse Gemälde bedeckten die Wände, Tische mit Marmorplatten und vergoldeten oder bronzirten Füssen von Bildhauerarbeit, Consolen mit Statuen aller möglichen Auffassungen der Venus und Amor's und Psyche's, Gemälde, von denen viele ihrer allzusinnlichen Sujets wegen mit grünen Vorhängen bedeckt waren, grosse Kronenleuchter von Krystall, Teppiche, kostbare Ofenschirme, Das waren die Liebhabereien des alten Herrn, der hier über fünfzehn Jahre allein hauste und diese Pracht sich bei Denen, die er schalten und walten liess, blindlings bestellte, ohne Rücksicht auf seine Mittel und ohne Rücksicht auf sein eigenes Verständniss. Es war ein wilder Krieger, der gleichsam im feld gute Beute gemacht hatte und ein Halsgeschmeide fortgab, um, wie jener Kroat in Wallenstein's Lager, eine hübsche Mütze dafür zu erhandeln oder der um ein Halsgeschmeide, das gerade so und nicht anders sein sollte, soviel ausgab, als drei, viel wertvollere gekostet hätten. Was er irgend sah, musste er kaufen. Er glaubte, sein Stand brächte Das mit sich und gerade, weil seine Fürstenschaft neu war, tat er Alles, um an Glanz zu ersetzen, was ihr an Alter fehlte. In's Gelag hinein bestellte er bei Künstlern, die er bei hof hatte rühmen hören, arbeiten, und wenn sie in seinen Sälen aufgestellt wurden zur Besichtigung der Kunstfreunde und der eleganten Welt, so machte er in dem Falle, dass schöne Damen kamen, selbst die Honneurs und war immer bei der Hand, Denen, die ihm besonders gefielen, Aufmerksamkeiten und kostbare Andenken auf eine, oft nicht feine, aber keineswegs verletzende Art aufzuzwingen. Ohne Bildung und geringen Verstandes, war er im höchsten Grade gutmütig und gefällig. Dieser tapfre alte Herr brachte seine ganze mit Lorbeern geschmückte Veteranenzeit damit zu, kleine Galanterien zu treiben, von Boudoir zu Boudoir zu fahren, mit seiner Husarenuniform zu