Freundin ... Wie hätte sie auch sonst von Heinrichson's kleinen Aventüren sprechen und oft zur Trompetta, zur Mäuseburg, zur Werdeck, zur Landskrona, zur Spitz sagen können: Ach, ich bin recht verstimmt ... Heinrichson hat so viel Unglück mit einer kleinen Blondine oder einer Brünette, die er liebt! Ich habe das Mädchen besucht, ihr einen Shawl geschenkt ... oder einen Hut ... aber sie liebt ihn nicht und macht mich unglücklich!
Die Ludmer folgte Paulinen in das Zimmer Grün in Grün. Aufmerksam hörte sie ihrer Gebieterin und Freundin zu, als diese auf eine Ottomane sich werfend, nunmehr ausrief:
Welche Entdeckungen! Welche Entüllungen! Henning im Möbelwagen! Prinz Egon auf Hohenberg! Eine junge Kokette, die so liebenswürdig und geistreich sein soll, dass der Geheimrat ganz aus der Façon gekommen sein muss und seine Grandezza und seine pariser Perrücke einmal vergessen hat! Ein Bild, das über dem Wirrwarr verloren geht, vielleicht geraubt wird! Wer bringt Licht in dies Dunkel? Wer entwirrt uns eine Intrigue, die doch an den sichtbarsten Fäden uns umsponnen hält? Und bei dem Allen, mag es sich entwirren wie es will, wer bringt uns das von Harder hier ausgestrichene Bild zurück, das vielleicht grade die Denkwürdigkeiten meiner Feindin, die Rache einer Heuchlerin entält! Denn ich besinne mich! Die Fürstin starb mit dem letzten Ausruf:
das Bild! Und die Familienbilder sollte Prinz Egon behalten ...
Ach! Man verlangt von Hardern, sagte die Ludmer beruhigend, einen genauen und unverhohlenen Bericht.
Was kann uns der helfen? antwortete Pauline, wenn er selbst, wie es scheint, zu Denen gehört, Die irgend eine schlaue Berechnung täuschte. Hat er wohl ein Wort von Prinz Egon's Anwesenheit gesprochen? Er wird uns vielleicht nicht betrügen, gehört aber, wie wir Alle, zu den Betrogenen! Es ist gar zu lächerlich, in einem Möbelwagen verschlossen zu werden und statt im Bett, auf einem Fauteuil in einer ambulanten Remise einzuschlafen. Und gib Acht! Wir werden forschen dürfen, so viel wir wollen, wir werden nichts von ihm erfahren, als dass er hätte "gewissenhaft" sein wollen.
Es kommt auf eine Prüfung an, sagte die Ludmer, die sich mit Recht von der Furcht Henning von Harder's vor seiner Gattin viel versprechen durfte.
Und Schlurck, fuhr Pauline fort, der sonst so aufmerksame Schlurck, der mir nie etwas verschwieg, was sich auf Egon bezog, er verschweigt mir diese Reise nach Hohenberg! Auch Zeisel hat mich vergessen, weil ich es nicht möglich machen konnte, ihm eine seinem alten Range angemessene Versetzung zu verschaffen. Er soll die Arrestation des neugierigen, sicher verkappten Handwerksburschen ganz oberflächlich betrieben haben. Kurz, ich bin nicht mehr Die, die ich war ... ich existire nicht ... man ignorirt mich, man durchkreuzt mir die besonnensten Pläne.. man operirt, dass sie scheitern müssen!
Du unternimmst zuviel, antwortete die Ludmer, und war erfreut beim ruhiger ausströmenden Schmerz der Gebieterin mit Anstand wieder eine Prise nehmen zu dürfen. Du wagst dich an die schwierigsten Dinge, ohne dafür eine Anerkennung zu finden. Ich wünschte wohl, du hütetest dich vor Schlurck –
Vor Schlurck? Wie so?
Seine Spässe sind oft bitter! Seine Mienen haben etwas Säuerliches, als wollte er sagen: ....
Nun? Was sagen?
Die Ludmer stockte ...
Foltre mich nicht! fiel die Geheimrätin ein. Verdächtige mir nicht die besten Freunde!
Die dich benutzen und fallen lassen, wenn sie dich auspressten ....
Schlurck mich benutzen? fragte verdriesslich die Geheimrätin, deren Geschmack zugleich an dem Bilde von der ausgepressten ... Citrone kein Gefallen fand.
Schlurck ist mir verdächtig ... sagte die Ludmer. Ein so boshafter kalter Egoist ....
Ah! Bah! antwortete die Geheimrätin. Das verstehst du nicht. Das ist ein Philosoph und nach dem Abenteuer seiner Tochter mit Harder zu schliessen, hat das Mädchen Laune und Geist ... ich muss sie kennen lernen ....
Damit sie dich immermehr umstricken? Immermehr misbrauchen!
Misbrauchen? Wozu? fragte die Geheimrätin ungeduldig.
Der Obercommissair hat mir Alles erklärt und auseinandergesetzt ....
Man muss gestehen, sagte die Geheimrätin bitter, deine Verwandtschaft wirkt sehr ungleichartig auf dich. Deiner Nichte weisest du die Tür ... und deinem sogenannten Neveu, der dich beerben wird, der jetzt schon sogar deine Verwandtschaft erbt, ohne je etwas Anderes gewesen zu sein als ein gewandter Intrigant und dein Liebhaber ....
Pauline! Du bist gereizt! sagte die Alte mit ärgerlichem Tone, aber doch von dem Worte: Liebhaber! angewandt auf ihre alten welken Züge, ein wenig geschmeichelt ....
Was sagte denn Pax? fragte die Geheimrätin.
Als Obercommissair der Polizei kann Pax klar sehen, antwortete die Ludmer. Er warnt vor Schlurck. Wenn Prinz Egon die Verwaltung seiner Güter übernimmt, verliert der Justizrat die Hälfte seiner Einkünfte. Die andere Hälfte kommt von der Administration der alten städtischen Häuser .... Mit der sieht es gleichfalls nicht besser aus.
Er wird sie behalten!
Denkst du? Jetzt, wo das Ministerium Alles daran setzt, diesen Process zu gewinnen?
Der Hof ist für die Ansprüche der Commune.
Dank deinem Einflusse! Wie schlau weiss ihn dieser Schlurck nicht zu benutzen! Wie zerfloss