ein solches hatte man entwenden wollen ... und nun fehlte es!
Zornig fuhr die Ludmer die Diener an, sie sollten jetzt nur gleich gestehen, wo dies Bild hin wäre und warum überhaupt Franz nun erst mit dem Landau nachkäme ....
Die Diener standen verlegen ....
Sie blieben stumm. Die Frauen wussten, dass Beide gewohnt waren, immer nur den Willen ihrer Herrin zu tun und vom Geheimrat keine Notiz zu nehmen ... sie konnten kaum mistrauen.
Es kam aber doch zu einigen Erörterungen.
Die Diener sollten erzählen, was Alles zuvor auf dem schloss sich Verdächtiges ereignet hätte ....
Wie gross war da freilich Paulinens Bestürzung, als sie die durch Melanie's Mädchen entstandene Plauderei, die Hackert erfahren und Dankmarn gemeldet hatte, nun auch ihrerseits in Erfahrung gebracht zu haben gestanden und der Geheimrätin eröffneten, es wäre später ein verdächtiger Mensch, der mit dem Handwerker im Turme auffallend vertraut gewesen wäre, auf dem schloss erschienen, hätte dort bei den Damen ausserordentliches Glück gemacht, den Geheimrat sogar in seinem Glanze sozusagen ausgestochen und man hätte sich zugeflüstert, dieser junge Mann wäre kein Anderer als der Prinz Egon von Hohenberg ....
Einen heftigern Schlag konnte Pauline nicht fühlen. Der Sohn ihrer Todfeindin, ein junger Mann, der ihr aus vielen Gründen selbst verhasst war, erscheint auf dem schloss halb unerkannt und in dem wichtigen Augenblicke, wo sie sich jedes von seiner Mutter nachgelassenen Schnitzelchens und Spahnes bemächtigen wollte, um ...
gewisse alte Dinge im Keime zu ersticken! Sie wusste, dass der Prinz von Paris hier angekommen, dann plötzlich sogleich verschwunden war, sie hatte durch Rapporte aus dem hohenbergischen Palais eine Ahnung von Dem, was die Diener erzählten und dafür als Jeannettens Quelle einen vom Justizrat Schlurck angekommenen Brief erwähnten .... Sie sah ihre gewagtesten Vermutungen eingetroffen und musste sich auf einem ihrer seidenen Polster erst sammeln, bis sie reden konnte.
Die Ludmer, umsichtiger, weil minder leidenschaftlich als ihre Gebieterin, setzte das Examen fort.
Die Bedienten kamen auf die Vorfälle im Heidekrug ...
Dass dort der Fremde, in dem sie den Prinzen vermuteten, wieder auftauchte, erschien ihnen, sagten sie, auch da im höchsten Grade verdächtig, sie hätten dem Geheimrat es, wie sie sagten, "stechen" wollen, aber ... hier fingen die beiden geschäftigen Livree – Sklaven an zu stocken ... zu erröten, sich gegenseitig verlegen anzublicken.
Den Frauen entging davon nichts.
Was habt Ihr? hiess es.
Nichts! war die zögernde Antwort ...
Aber bald sahen die Frauen, dass ihnen gewisse Dinge verschwiegen geblieben waren und dass sie sehr gut getan hatten, dem später angekommenen Franz zu verbieten, sich erst auf's Hofamt zum Geheimrat zu begeben.
Was wussten sie? Die Bedienten berichteten ...
Sie wussten, der Geheimrat war gestern Nacht mit dem grossen Möbelwagen angekommen, auf dessen Bock er, wie er sagte aus Vorsicht, bis zum Stadttore selbst gesessen hätte. Später nahm er am Tor einen Fiaker ....
Man hatte den Geheimrat Kurt Henning Detlev von Harder zu Harderstein beim Tee, nachdem sich der Maler Heinrichson entfernt hatte, über diese Sorgfalt schon gestern sehr ausgelacht und in der Freude, den möglichen Versteck von Memoiren, die zwei Jahre lang nicht erschienen waren und doch existiren sollten, in der Wagenremise unten ganz sicher zu wissen, ihn sehr anerkannt und gelobt, trotz der lächerlichen Figur, die der ernste Mann auf dem Bock des Möbelwagens gemacht haben musste ...
Jetzt aber erschien seine Aufopferung plötzlich verdächtig.
Man begriff nicht, wie er Franzen hatte, wie dieser sagte, verschweigen können, dass er mit dem Transportwagen fahre und als dieser sich verwirrte und sein späteres Eintreffen keineswegs, wie der Intendant, mit irgend einem Übel der Pferde entschuldigte, musste denn vorläufig schon diese Wahrheit an den Tag, dass auch Ernst gestand, die Excellenz keineswegs gleich beim Ausfahren auf dem Bocke bemerkt zu haben. Man wäre mit dem Transportwagen vorausgefahren, in der festen Meinung, der Landau käme sogleich nach, und als das eine Weile gedauert hätte und man an eine Ecke und sonst sich schlängelnde Wege gekommen wäre und sich dem Glauben hingegeben hätte, der Landau würde schon nachkommen, da ...
Da?
Da ...
Um des Himmelswillen, riefen die Frauen, wo war denn da die Excellenz?
Franz war nun ebenso neugierig wie die Damen und blickte Ernsten an ...
Als Ernst in äusserster Verlegenheit erst schwieg, dann zur Erde blickte und von der Ludmer ein wenig in handgreiflicher Sokratischer Metode an der Schulter gerüttelt worden war, sagte Franz endlich:
Wir suchten Excellenz im ganzen Heidekrug und ich hätte schwören mögen, er wäre uns gemordet worden. Sein Bett war nicht berührt. Wie er am Abend ging und stand, so war er am Morgen verschwunden.
Nun war es an Ernst, zu reden.
Über und über rot, schwieg er aber noch immer ...
Pauline pflegte in jungen Jahren bei ähnlichen Fällen an ihren Leuten durch eine kräftig eingesetzte, mit Geschicklichkeit an die Wange applicirte Ohrfeige deren Trieb nach Wahrheit zu unterstützen. Schon fühlte Ernst etwas von den Vorbereitungen eines Rückfalls in diese freundliche Ermunterungsmetode, als er lieber aus eigenem Anreiz der Wahrheit entgegen kam und seine Bereitwilligkeit, Geständnisse zu machen, durch ein schadenfrohes, boshaftes Lächeln nun schon im Voraus ankündigte.
Aha! Er lacht!