, mein Vorschlag wäre ein Act der Versöhnung, sprach darüber in den kleinen Cirkeln in meinem Interesse und der alte, freilich kindische Graf Franken nahm meine Partie und rühmte schon damals, wie ich von meiner frühern Art ganz abgelassen hätte ... Und doch ... doch! Da schon keine Antwort aus dem mund der Königin! Nicht ein Wort, nichts, nichts, als ein gnädiges Urteil über Nadasdi, den sie nicht so schlimm fände, als die Welt sagte. dafür dann ein freundlicher, die Milde ihres königlichen Herzens rühmender blick der Altenwyl – es ist mir Alles erzählt worden – und dabei blieb's und weiter sind wir nicht, weiter kommen wir nicht.
Sind das auch alles Berichte, auf die man sich verlassen kann? sagte die kältere Ludmer kopfschüttelnd.
Der alte Graf erzählte ja den Vorfall bei der Werdeck ... Wie kannst du auf die Urteile dieser wilden Frau hören!
wild? Weil Sie eine Polin ist, weil sie ein Vaterland hat, das sie liebt, weil sie den Fürsten, alle Könige der Erde hasst ...
Pauline!
Ha, ich fühle die Süssigkeit des Hasses! Ich hasse die Menschen, die sich einbilden unentbehrlich zu sein! Wer gibt Euch denn das Recht, Euch für so unendlich sicher zu halten, Ihr ...
Pauline! Pauline!
Die alte Gefährtin und Freundin schalt ernstlich diesen Ausbruch einer sich sogar den höchsten Personen jetzt feindselig zeigenden Gesinnung. Sie tadelte, dass Pauline von Harder den Major von Werdeck in ihren Cirkeln duldete, einen Offizier der Garde, der für liberal galt, weil seine Gattin, eine geborene Polin, ihn in andern Anschauungen erhielt, als die hier zu land in militairischen Kreisen üblich waren ...
Pauline hörte auf nichts mehr. Sie hatte mit ihrem Dolche alle Polster des Mobiliars von Hohenberg durchstochen, alle Schränke, alle Schubläden untersucht und nichts von den Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda, die diese ihr für ihren Tod als Antwort auf "Amaranta" angedroht hatte und obgleich, wie man allgemein sagte, wirklich vorhanden, seit zwei Jahren nicht erschienen waren, gefunden ... sie war unglücklich. Ein Schmerz weckt den andern. Die Last ihrer ganzen Stellung fiel ihr aufs Herz und mit einem Jammer, den die Ludmer nicht mehr trösten konnte, stiess sie Klagen aus, die Derjenige kaum verstehen wird, der so glücklich ist, nicht in der Sphäre der Hofgunst zu leben.
In diesem Augenblicke trat der Bediente Ernst ein.
Es ist dies derselbe kecke Bursch, dessen Art und Weise wir schon vom Turme in Plessen her kennen.
Er wollte nur einfach berichten, dass endlich Franz mit dem Landau angekommen wäre und sich sogleich melden würde ...
Als er rasch gehen wollte, hielt ihn die Ludmer zurück.
Dageblieben! sagte die Alte schnarrend und mit giftigem blick. Wir haben nun noch miteinander zu reden.
Ja, sagte die Geheimrätin, aus ihrem Unmut sich gleichfalls zornig aufraffend; Das haben wir! Warum kommt Franz verspätet?
Warum kommt der Landau nach dem Geheimrat? Was ist das Alles? Was sind gestern Nacht auf der Reise für Dinge vorgefallen? rief die Ludmer schnaubend.
O weh! Jetzt kommt das Examen über den Heidekrug! dachte Ernst und biss die Lippen zusammen.
Ende des zweiten Buches.
Drittes Buch
Erstes Capitel
Das Examen
Die Geheimrätin Pauline von Harder winkte ...
Ernst, der Bediente, der an der Tür des Gartensalons verlegen harrte, verstand das Zeichen seiner strengen Gebieterin, trat an's Fenster, öffnete – da ihn die bunten Malereien der Scheiben ungesehen machten – und rief hinaus in den Hof ...
Nach einigen Secunden trat noch der Bediente Franz ein ...
Franz sah verstört und überwacht aus ...
Die Ludmer fixirte ihn mit Habichtsaugen und griff zur Erhöhung ihrer geistigen Kraft und zur Unterstützung ihrer Würde in die Horndose diesmal mit einer gewissen Feierlichkeit.
Ernst hat uns von einem Bilde gesprochen, begann die Geheimrätin zu Franz gewendet, von einem Bilde, das der verdächtige Gefangene, von dessen Haft im Turme zu Plessen ich Bericht erhalten habe, hätte von der Wand nehmen wollen. Er entsinnt sich nicht, was es darstellte?
Eine schöne junge Frau ... sagte Franz.
Schön? wiederholte die Geheimrätin mit einem eigenen spöttischen Tone.
Ganz blass gemalt, sagte Franz und beschrieb ausführlich das uns bekannte Gemälde, indem er von seiner Verlegenheit sich allmälig sammelte.
Die Geheimrätin betrachtete die Ludmer mit den ihr gleichfalls eigenen grossen stechenden Raubvogelaugen. Entsinnst du dich ein solches Bild in der Remise gesehen zu haben? fragte sie erstaunt.
Es sind im Ganzen vierzehn Bilder, sagte die Ludmer. Ja, ja und auch runde sind darunter und Pastellbilder ....
Im Verzeichniss steht Alles genau angegeben, meinte Ernst, und auch dies muss darunter sein.
Die Ludmer sah nach dem Verzeichnisse, das auf einem der kleinen Marmortische lag.
Die Geheimrätin zählte die angegebenen Bilder und fand zu ihrem Erstaunen ... eins durchstrichen.
Wie kommt der Strich durch diese Nummer? fragte sie mit grosser Strenge.
Die Bedienten sahen auf das Verzeichniss und zuckten die Achseln ...
Sie wussten nichts, als dass Excellenz selbst die Liste bei sich getragen hätte ...
In der Geheimrätin stieg ein Verdacht auf, ein immer lebhafterer, ohne dass sie recht wusste, wo sie ihre Vermutungen anknüpfen sollte.
Hier las sie von einem runden Bilde, in Medaillonform ...