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Kaninchen, Affen, Meerschweinchen, Hunden und Katzen sich durchzuwinden, Tieren, von denen er behauptet, dass sie eine Art Vernunft haben.

Gerade diese Tiervernunft, sagte Melanie, die etwas die heitere Stimmung herzustellen versuchte, ist so peinlich. Ich weiss nicht, ob ich es nicht lieber hätte, in allen diesen Tieren gewöhnliches dummes und böses Vieh zu vermuten, vor welchem man nur einfach sich zu hüten hat, als anzunehmen, das Alles sind gezähmte edle Charaktere, die uns, wenn sie nur sprechen könnten, die wunderbarsten Geheimnisse verraten würden ...

Nein, nein, sagte die Mutter nun auch lachend und die heitere Stimmung festaltend, nein, nein, gesteh' es nur ganz einfach, Melanie! Du hast eine Antipatie gegen Tiere, selbst gegen Hunde und Katzen, fürchtest dich vor Trutähnen und Enten und schreist auf, wenn dich ein grosser Vogel nur von der Seite ansieht. Wie ich von der Viehwirtschaft auf Tempelheide erfuhr, litt ich's nicht mehr, dass du hinausfuhrst, und so haben deine Gesangsstudien ein vernünftiges und völlig begründetes Ende genommen.

Aber erklären Sie mir nur, meine Damen, sagte Lasally, wie verhalten sich denn nur die Katzen zu diesen Concerten?

Frau von Reichmeier verwies ihrem Bruder seine profanirende Zwischenrede.

O, sagte Melanie, die Katzen sind gerade der Grund, warum der Präsident diese Concerte besonders liebt. Er sitzt nebenan, in seinem grossen saal, unter seinen rings in Käfigen aufgestellten Tieren und freut sich der angenehmen wirkung, die auf sie nebenan die Musik hervorbringt. Da ist auch kein Miston, der dieses Concert stört. Er hat es dahin gebracht der alte Herr, dass die geschwätzigen Tiere still sind, wenn sie unsere Akademieen hören, und nur wenn wir gar zu sehr in die Doppelfugen geraten, hört man manchmal einen Papagai aufkreischen, dass es Einem durch die Glieder fährt.

Ich will hoffen, sagte Lasally, dass Sie sich ausserdem jedesmal hinreichend mit Esbouquet versehen hatten

Auch darüber erzählt Melanie wunderbare Dinge, sagte die Mutter; es soll gerade durch die grosse Reinlichkeit der Tiere von dem alten Mann bezweckt werden, dass sie von ihrer gewohnten Art lassen, und Das ist wirklich vernünftig. Die Reinlichkeit veredelt jedes lebende Wesen. Des alten Präsidenten Leute sind angewiesen, in der Haltung der Tiere das Sauberste zu leisten und durch die Sauberkeit bekommt das Vieh etwas Vernünftiges.

Bartusch schüttelte den Kopf und meinte, sie würden morgen Abend an Tempelheide vorbeifahren. Er wünsche doch, sagte er, es liesse sich ein Umweg machen, so sonderbar wär' es Einem, an einen Ort zu denken, wo ein Mensch lebt, der Tiere wie Wesen höherer Art behandelt ....

Der alte Herr, erklärte Dankmar, unbefangen über Egon, der schwerlich in Paris soviel vom Leben dieser Residenz hatte erfahren können; der alte Herr ist ein ausgezeichneter Jurist und wird wohl nie von seinem wichtigen amt zurücktreten. Er arbeitet fleissiger als mancher Jüngere. Man hält ihn für streng und Viele behaupten, er ist es deshalb, weil er keine Religion hätte. Man will ihn noch nie in einer Kirche gesehen haben und doch erzählte man mir, dass er der Chef aller Maurerlogen des Landes ist und für einen tiefen Kenner der maurerischen Geheimnisse gilt ...

Ich sage Ihnen, ergänzte Melanie, dass ich diesen alten Mann liebe und bewundere.

Wie seinen Sohn! fiel Lasally spottend ein und wiederholte die Scherze, die er über die Tierseele des Intendanten in der grossen Welt gehört hatte.

Ich lasse nichts auf meine Excellenz kommen, fiel Melanie ein. Ich gebe Euch allerdings zu, man kann ein sehr geistreicher Vater sein und einen höchst dummen Sohn haben. Beispiele finden sich genug. Es gibt auch Viele, die regelmässig, um diesen Satz zu beweisen, den alten Harder und unsern Intendanten citiren. Ich gebe sogar zu, dass ein Sohn seine eigenen Wege wandelt und von einem Vater aufgegeben wird, wenn er sich in Äusserlichkeiten und Eitelkeiten gefällt. Aber wer sagt Euch denn, dass mein so rasch, so wunderbar gewonnener Freund dumm ist? Im Gegenteil leuchtet aus seinen schwarzen Augen Klugheit und mitunter etwas Pfiffiges. Er geht seinen geraden Weg, weicht nicht rechts, nicht links, tut, was seine Pflicht und Schuldigkeit ist. Ist Das nicht Weisheit? Und hat er nicht vom Vater die Talente geerbt, die den Fürsten bestimmten, ihm alle seine kostbaren Schlösser und herrlichen Gärten anzuvertrauen? Hat er nicht beim Verpacken des Mobiliars eine Umsicht und praktische Kunde verraten, die eines Tapeziers würdig war? Und bei seinen Wanderungen durch den hohenberger Garten bin ich erstaunt gewesen, wie heimisch er in Allem ist, was sich auf Giesskanne und Rechen bezieht. Es ist eine praktische natur, die vom Vater zwar nicht seinen speculativen Geist erbte, aber seinen Adel, sein Geld, seinen hohen, geachteten Namen und eine gewisse Betriebsamkeit, die sich bei Jenem in der Liebhaberei für die Seele der Tiere und bei diesem in der Pflege der toten natur äussert. Berühren Sie bei der jungen Excellenz irgend einen in ihr Fach einschlagenden Gegenstand und Sie werden erstaunen, dass er Ihnen auf heller und Pfennig sagen kann, wieviel ein chinesischer Pavillon in einem königlichen Garten am Rhein oder der Elbe gekostet hat. Ist Das auch nichts? Lasally, Sie schlechter Rechnenmeister! Sehen Sie nur, mit welcher Sorgfalt er seinen Auftrag schon in Hohenberg ausführte. Und hier im Sande glaube' ich nun auch die Spuren seines grossen