und für seinen geliebten Namen ungünstig ausfiele, könnte mein Herz verwunden ...
Melanie! rief die Mutter ...
Lasst mich, sagte sie. Spottet nicht! Sie am wenigsten, Lasally! Ich habe euch eitle und schwankende Männer lange studirt und mir wohl die Fähigkeiten erworben, das Echte vom Unechten zu unterscheiden. Meine Excellenz gehört zu den Bessern ihres Geschlechtes. Ich will nicht in Abrede stellen, dass auch Harder von Harderstein Schwächen besitzt, allein wenn er nun auch eitel wäre, darf er es nicht sein? Hat er nicht die kleinsten Ohren, die ich je am kopf eines Mannes erblickt habe? Ist er nicht schlank gewachsen wie eine Pappel und hält er sich nicht ganz so gerade, wie es seiner Stellung am hof angemessen ist? Nein, nein, ihr Männer wisst nicht, worin eigentlich der Zauber liegt, den gewisse Blüten eures Geschlechtes auf uns ausüben. Scheltet mir meinen Geheimenrat nicht!
Nach der Heiterkeit, die diese mutwilligen Scherzreden hervorbrachten, bemerkte die Mutter, ohne Zweifel hätte die Frage ihres Herrn Begleiters den Damen gegolten, die den Namen von Harder führten.
Von Pauline von Harder, sagte Melanie, rede' ich nicht. Ich hasse sie. Sie ist die Gemahlin meines Ideals. Aber Anna von Harder kenn' ich. Dieser Dame verdanke ich mehr, als man für glaublich halten möchte. Ihr Schwager, der Intendant, lehrte mich fühlen, sie selbst, Anna von Harder, lehrte mich Etwas, was man mir ebenfalls allgemein absprechen will, nämlich ... raten Sie?
Die Mutter sagte lachend:
Singen, mein Kind!
Das ist wirklich das Unmöglichste, was Sie zu leisten gelernt haben, Melanie! fiel Lasally spottend ein.
Sollte Ihnen, mein Herr, wandte sich Melanie zu Dankmar, diese boshafte Äusserung Lasally's unverständlich sein, so müssen Sie nämlich wissen, dass ich, wie man allgemein behauptet, keine stimme habe. Ich spiele Klavier, Harfe und Guitarre. Aber dennoch fand ich immer, dass wirklich zur Musik nur Mittelmässigkeiten Talent haben, was ich Ihnen durch Lasally's Beispiel beweisen könnte, der ein ganz vorzüglicher Bläser auf dem Cornet à piston, dem Postillonshorne ist. Ich selbst strebte immer nach dem Ruhme, in meiner Art das Beste zu leisten und da mir eine gewöhnliche mittelmässige Fähigkeit im Singen nicht genügt, so zog ich es vor, zum Davonlaufen schlecht zu singen. Das hinderte aber doch nicht, dass ich einige Zeitlang die Akademieen der guten Anna von Harder auf Tempelheide unterstützt habe.
Bis sie dich ersuchte, fiel die Mutter lachend ein, lieber deine andern Talente zu pflegen, als die zweifelhafte Gabe des Gesanges, wie sie dir einmal selbst schrieb.
Mit Gänsefüssen! Zweifelhaft mit Gänsefüssen, liebe Mutter! rief Melanie. Die zweifelhafte Gabe des Gesanges waren meine eigenen Worte, mit denen ich mich von Frau von Trompetta und der neuen Jungfrau von Orleans, der Flottwitz, bei ihr einführen liess. Die falschen Noten, die ich sang, waren nicht Schuld, dass ich wegblieb, eher noch die vielen heiligen und langweiligen Sachen, die wir aufführten ...
Heilige, langweilige Sachen? fragte Dankmar, der das Gespräch von den Nachforschungen über seine person und dem Drucke des zunehmenden Misverständnisses ablenken wollte.
Melanie erklärte ihre Äusserung.
Sie wissen vielleicht nicht, sagte sie, dass Anna von Harder während des Winters in der Stadt und im Sommer auf dem Gute des alten Obertribunalpräsidenten in Tempelheide von jungen Dilettanten und Dilettantinnen geistliche Musiken aufführen lässt? Sie ist nicht fromm, Anna von Harder, aber sie liebt alles Das, was zur Frömmigkeit gehört. Diese Akademieen ...
Bitte! bitte! unterbrach Dankmar die Mitteilung des schönen neckenden Mädchens, das sich, wie wir hören, auch nötigenfalls selbst persifliren konnte. Sie sagen da ein Wort, das wiederholt zu werden verdient. Nicht selbst fromm sein, aber Alles lieben, was zur Frömmigkeit gehört?
Ich weiss es kaum anders auszudrücken ...
Sie bezeichnen damit eine Geistesrichtung, die ziemlich allgemein verbreitet ist und mir sehr gefährlich erscheint ...
Es ist die der Schwanenjungfrauen und Diakonissen, sagte Melanie. Allein spotten wir nicht! Anna von Harder ist keine Mäuseburg, keine Trompetta ...
Sie hat in ihrer Jugend die tiefsten Herzensprüfungen bestanden ... ergänzte die Mutter.
Und weiss noch jetzt, was ein Herz ist! fiel Melanie ein, sich vielleicht irgend einer vergangenen Scene mit ihr entsinnend.
Aber die Musiken in Tempelheide sind darum doch lächerlich! meinte Lasally.
Wer sagt Das? fragte Melanie.
Hauptmann Tielo sagt's, Rittmeister Konnewitz ... fragen Sie, wen Sie wollen.
Diese competenten Richter! Sie sind komisch, diese Musiken, aber Tielo und Konnewitz sind die ernstaften Menschen nicht, die sie komisch finden dürfen.
fräulein, Sie überbieten sich in geistreichen Aperçus, fiel Dankmar ein. Sie sagten eben wieder ein Wort, das ich bewundere. Es kann Etwas lächerlich sein, aber nicht Jeder hat das Recht, es lächerlich zu finden. Wie erscheinen denn Ihnen diese Musiken?
Im grund, sagte Melanie mit den Augen blinzelnd und schelmisch, im grund ganz ebenso wie dem Tielo und Konnewitz ... aber ...
Man wollte dies "Aber" nicht hören. Man wollte wissen, warum Melanie diese Musiken komisch fände.
Nun ... Denken Sie sich nur die ewige alte classische Musik, sagte sie. Nie etwas Weltliches!