hätte?
Ich habe, sagte Melanie ernster gestimmt, ich habe diesem Fremden, ob es nun der Prinz oder nicht der Prinz ist, einen Dienst zu leisten versprochen, dessen Ausführung mir viel Überwindung kostet. Ich leugne nicht, dass er sogleich mein Herz gewann und zum Zeichen, dass ich beim Anblick dieses liebenswürdigen Mannes mehr empfinde, als ich bisher für irgend Jemand in der Welt empfunden habe, wollen wir morgen in aller Frühe, gegen sein Wissen, vom Heidekrug weiter reisen, damit wir ... doch wohl nicht zu weit gehen. Hab' ich dem Drange genug getan, ihm mich so weit zu widmen, als ich sehe, dass er Liebe, Hingebung und die Aufopferung eines treuen Herzens nötig hat, so hört mein Spiel auf und es ist dann an ihm, zu zeigen, was er für soviel Freundschaft mir Ernstes erwidern will ...
Kind, rief die Mutter, denkst du so hoch?
Ich denke gar nicht, liebe Mutter, sagte Melanie ruhig.
Denn wenn ich dächte, würde Das, was ich heute noch Alles ausführen soll, kaum möglich werden. Ich fühle nur. Nur ein Instinct, ein wunderbarer Reiz ist es, der mich seit dem Augenblicke leitet, dass ich diesen Fremden sah –
Nein, verbesserte die Mutter, seit der Vater schrieb, der Prinz wäre im Incognito am fuss des Schlosses, und wir annahmen, die von ihm gegebene Beschreibung passe auf jenen Fremden, der uns vielleicht Alle täuscht –
Er täuscht uns nicht, sagte Melanie, er nennt sich Dankmar Wildungen. Ist es der Prinz nicht ... so werden wir ihn um so leichter vergessen können.
Ich dagegen hoffe, sagte die Mutter, dass es wirklich der Bruder des blonden Malers ist, den du bei uns eingeführt hast. Denn ein Roman mit einem mann, der zu hoch steht, als dass er dich heiraten könnte, wäre bei den mancherlei Sorgen, die so schon unsere Brust drücken, vollends eine Qual ....
Denke nicht an die Zukunft, Mama! sagte Melanie. Das Nächste ist, dass ich bitte, mich auf dem Heidekrug rumoren zu lassen, wie ich will. Morgen früh mit Sonnenaufgang bin ich vielleicht vor Euch Allen schon auf dem Wege nach haus und spreche den Fremden nicht mehr ... vielleicht nie mehr.
Was hast du denn nur vor? fragte die Mutter, die jetzt erst die Andeutungen eines Planes verstand, mit gesteigerter Besorgniss.
Einer Antwort ward Melanie dadurch überhoben, dass Dankmar und Lasally jetzt dicht bei den Schlägen des Wagens ritten, Einer rechts, der Andere links.
Melanie knüpfte rasch ein unverfängliches Gespräch an und verlangte zu wissen, was Das für Fremde wären, denen Dankmar so freudig zugewinkt hätte?
Der Befragte teilte so viel von Beiden mit, als sie interessiren konnte, ohne Dinge zu erwähnen, die vielleicht unbekannt bleiben sollten.
Der Knabe, sagte Melanie nach einigem Nachdenken und stockte ...
Nicht wahr? Ein liebes Kind? fiel Dankmar ein.
Ja, ja, der Knabe schien mir ein verkleidetes Mädchen ... sagte Melanie.
Melanie! rief Dankmar sich vergessend und begriff nicht, wie ihn diese Äusserung so erregen, so in allen Adern durchbeben konnte.
Sie erschrecken? Was? Eine neue Rivalin? Eine Rivalin der Gräfin d'Azimont wollt' ich sagen. kommt das Alles von Paris?
Dankmar musste lächeln, weil ihm die Misverständnisse des gestrigen Abends einfielen. Doch wünschte er sie abzubrechen und sagte:
Wer die Gräfin d'Azimont ist, wissen wir; lieber möchte' ich Herrn Lasally veranlassen uns zu erzählen, welches die schönsten und gewandtesten Amazonen der Residenz sind ....
Man blickte zu Lasally hinüber, der nachdenklich schien.
hören Sie denn nicht, Lasally, sagte Melanie, wer reitet von den Damen besser als Melanie mit dem abscheulichen Namen Schlurck?
Die Frau Major von Werdeck reitet besser! sagte Dieser kurz und bestimmt.
Man lachte über seine Offenheit.
Sie sind kurz angebunden! Wie können Sie eine Polin mit mir vergleichen ... eine wilde Demokratin!
Demokratin? fragte Dankmar.
Eine Sarmatin, die auf einem Pferde zur Welt gekommen scheint ... sagte Lasally, um sich zu entschuldigen.
Stille! Stille! Es wird immer besser! rief Melanie und wollte von der Frau Major von Werdeck nichts mehr wissen.
Auch die Damen von Wachendorf, die Baronin Spitz und Frau von Landskrona sind in der Zügelführung anzuerkennen, sagte Lasally.
Die Erwähnung so vieler Damen führte auf die Chronik der grossen Welt. Man zeigte sich über alle hervorragenden Persönlichkeiten derselben ziemlich unterrichtet. Dankmar hörte Namen, die er mit Siegbert in Verbindung wusste, andere, die ihm ganz fremd waren. Er hörte, da sich auch Reichmeier's in diese Erörterungen mischten, kaum zu und verlor sich in Erinnerungen an Egon und die so schnell gewonnene Freundschaft jenes Gefangenen im Turm, der nur der junge Fürst sein konnte. Als er von seinen Grübeleien erwachte und man noch von den Damen der Residenz sprach, benutzte er die gelegenheit, sich über Egon's Vorsicht in Betreff der Harder'schen Familie zu unterrichten und fragte:
Wir haben Herrn von Harder kennen gelernt. Nicht wahr? Es gibt mehre Damen von Harder ... was weiss man von ihnen?
Melanie begann sogleich:
Mit den Harder's bitte' ich vorsichtig umzugehen. Jede Äusserung, die einen Verwandten meiner Excellenz betrifft