wie seine Mutter? fragte Dankmar erstaunt. Wessen Mutter meinte sie?
Das kann ich nicht sagen, Herr, sprach Heunisch; man muss auch Nichts drin suchen. Die halb Verrückten und Geisterseher haben's immer mit zweierlei Menschen zu tun, mit Kindern und mit Müttern. Bei ihrem gespenstischen Bruder kommt sie immer gleich auf Kinder, die er wohl kann hinterlassen haben, und beim Tischler kam sie gleich auf seine Mutter. Der frühere Pfarrer in Plessen – wie hiess er doch –
Rudhard, ergänzte Dankmar.
Ei sieh, woher wissen Sie Das? fragte Heunisch erstaunt, Rudhard ... Richtig! Ganz richtig! Das war ein anderer als der jetzige, der erst ein Augenzwinkerer war und nun ein Schwätzer ist. Der Rudhard sagte einmal: Im Menschen wäre Alles, was auf eine Mutter und auf ein Kind ginge, ein göttliches geheimnis. Ich hab's deutlich behalten, weil's die erste Predigt war, die ich in Plessen hörte, und ich kann Ihnen wohl im Vertrauen sagen, die letzte seit meiner Confirmationszeit. Der Mann sagte auch: Dass ein Kind Kind sein könne und eine Mutter Mutter sein könne, Das wäre so schwer zu begreifen, wie Gottes Wesen selbst und drum haben's auch, wie ich an der Urschel sehe, die Hexen und die Teufel immer mit Kindern und mit Müttern. Das muss wohl der Eingang in die Hölle sein.
Oder der in den Himmel, Heunisch! sagte Dankmar und schüttelte ihm nun wie zum Abschied die Hand. Ja, ja! In den Himmel! setzte er hinzu. Haltet noch eine Weile unter diesen Menschen aus, die Eurer nicht würdig sind, bis die Fränz kommt, die besser, tugendhafter sein wird, als sie der Hallunk, von dem Ihr mir leider zu wenig erzählt habt, Euch darstellte.
Heunisch hielt Dankmarn und sah ihn treuherzig mit seinen männlichen Zügen ohne Falsch und einem guten sorglosen Auge an.
Nicht wahr? Das meinen Sie auch? sagte er bewegt; und nun, bester Herr, wir sind uns immer so angenehm begegnet; wenn ich einmal in die grosse Stadt dahinunter komme und Sie mir erlauben wollen, wieder mit Ihnen ein Bischen zu plaudern ...
Er zögerte, sein Anliegen auszusprechen.
Offenbar wollt' er Dankmar's Namen wissen und Dieser, nach der ihm einwohnenden offenen Weise, unbekümmert über die möglichen Folgen, hielt es für seine Pflicht, dem Ehrlichen gegenüber ehrlich zu sein und sagte:
Ich heisse Dankmar Wildungen, bin ein Referendar beim Gericht. Wenn Sie den Namen behalten, finden Sie mich wohl auf oder fragen Sie nur bei dem Gericht. Dankmar ...
Dankmar Wildungen! wiederholte Heunisch langsam und nachdenkend, als wollt' er sich den Namen des ihm so liebgewordenen jungen Mannes recht einprägen.
Dabei hielt er aber noch immer Dankmar's Hand fest ....
Und als dieser die Wagen vorfahren hörte und sich ihm nun langsam entziehen wollte, brach Heunisch gerade mit Etwas hervor, was er noch auf dem Herzen gehabt hatte und was auch vielleicht die Ursache seiner grossen Offenherzigkeit gewesen war ....
Und wenn nun, sagte er fast schlau lächelnd, wenn nun die Zeck's nächsten Sonntag bei mir zu Hirsebrei in Milch und einem Rehbock oder was sonst die Urschel und meine Flinte bescheren wird, kommen und Rat schlagen, wo sie mit den vierhundert Friedrichsdoren – denn so viel sind's – hin sollen und Heunisch auch ein Wort mitsprechen möchte: Was raten Sie mir da wohl? Wo legt man nun solch Geld jetzt am besten an?
Aha! dachte Dankmar bei sich. Nun kommt der Schlüssel zu all den offenbarten Geheimnissen ... Wie schlau ist mein Waldsohn!
Nur nicht in Staatspapieren! war seine rasche Antwort.
Sagte mit heute der Amerikaner auch, meinte Heunisch.
Der Amerikaner? Heute? Haben Sie ihn denn wiedergesehen?
Vor einer Stunde! Er muss des Weges kommen.
Hierher?
Dankmar war ergriffen von Freude und fast musste er sich sagen, von Schreck. Dieser Fremde und sein holder Sohn hatten sich ihm eingeprägt wie eine Mahnung immer nur an sein edelstes Selbst. Sie waren sein Gewissen geworden. Und so erschrak er fast über die Möglichkeit, dass dieser Fremde, mit dem schlichten Namen Ackermann, plötzlich von den Abenteuern Einsicht bekommen könnte, in die er sich hier verwikkelt hatte ...
Der Jäger erzählte ihm, dass er auf seinem kürzern Wege, den er von Plessen eingeschlagen hätte, Ackermann mit seinem Sohne begegnet wäre und wenn ihm Recht wäre, sähe er sie dort – damit zeigte er auf einen Weg, der sich hinter dem Gastause heraufzog – in dem kleinen Wägelchen schon herkommen –
Dankmar blickte hinüber.
Ackermann und Selmar sassen in einem leichten Wagen und grüssten ihn schon von ferne ... Da aber stand auch schon Lasally mit dem Rosse neben ihm, das er besteigen sollte. Die ganze Gesellschaft drängte, die Wagen fuhren durcheinander, die Pferde stampften, die Bedienten riefen, Heunisch trat zurück und lüftete die Mütze und Dankmar, der nicht mehr wusste, wohin er hören und was Alles sehen sollte, verlor fast die Besinnung ...
Euer Geschäft, sagte er zu Heunisch, indem er fast mechanisch auf sein Ross stieg, also Euer Geschäft, bester Freund ... Ich will Euch sagen, rief er ganz laut, kommt in die Residenz und fragt beim Prinzen Egon, Euerm Herrn. Oder