Dankmar, da werdet Ihr ja einen feierlichen Sonntag haben ....
Ich mag nicht dabei sein; antwortete der Jäger.
Wo man vielleicht Wein trinkt?
Der Blinde verdirbt mir den Appetit ....
Ihr söhnt Euch aus ...
Mit einem Habgierigen nicht!
Ist Das so ein Währwolf?
Ein Blutsauger, was das Geld anlangt ...
Der blinde Zeck?
Der Mensch ist heimlich, wie ich Ihnen schon gesagt habe ....
Unheimlich ...
Aber man könnte ihn in Ehren grünen und blühen lassen, was die Arbeit, den Fleiss und die gute Aufführung anlangt ....
Und dennoch?
Seine Habgier! Das ist die Plage!
Er scheint doch in leidlichen Umständen ...
Für sich bedarf er nichts, aber sein Junge ... den liebt er, wie ein Affe seine Jungen ...
Macht ihm Ehre ...
Wohl! Das sag' ich auch. Aber Alles in seinen gehörigen Grenzen ....
Da habt Ihr Recht!
Wie quält er seine Schwester!
Seine Schwester? Quälen? Erkennt die Ursula einen Meister?
O Herr, Das ist nicht zu sagen! Ich warf ihn schon oft zur Tür hinaus!
Was, glaube' ich, nicht leicht ist. Er hat arme!
Dass er nicht sehen kann, ist sein einziger Jammer ... aber am Zuschlagen hindert's ihn nicht.
Er sucht wohl, wo es etwas zu fischen gibt?
Für seinen Jungen, für den er sammelt, für den er spart und geizt ... denn es ist wohl ein elender Mensch, der Sohn, wenn der Alte einmal ...
Die Augen zutut, kann man nicht sagen ...
Kann man nicht sagen ... Aber doch sieht er mit den Händen, mit den Füssen, mit der Nase, mit den Ohren. Da ist in unserm Forstause ein Schrank ... Sie hätten uns doch besuchen sollen ...
Das nächste mal, Heunisch!
Den Schrank hab' ich der Ursula gelassen, weil er ihr schon bei Marzahn gehörte. Da hat sie alle ihre Papiere drin und Geldsachen und Quacksalbereien und was weiss ich ...
Ihr seid, bei Gott, nicht neugierig!
Nein, Herr! Vertrauen und Accuratesse! Das war immer mein Wort! Ich lasse die Ursula in ihren Schrank legen, was sie will. Und wenn der Schlüssel auf dem Tisch läge ....
Ihr nähmt ihn nicht?
Ich nähm' ihn nicht ....
Aber Zeck? Der wäre nicht so rücksichtsvoll?
Auf den Schrank hat er's! Den umschnüffelt er! Da wittert er Gold und Silber und Erbschaften und Verschreibungen ....
Alles für seinen Sohn?
Für den Jungen, der einmal blinder als blind ist, wenn der Alte nicht mehr ist.
Doch immer eine väterliche Fürsorge! Etwas Achtbares dabei!
Ei ja! Ich will's gelten lassen. Ich gönn' ihm sein Geld, ich gönn' ihm die Erbschaft, die der feine Herr aus Amerika gebracht hat ... aber ...
Von wem kommt denn die Erbschaft?
Im Vertrauen, glaube' ich – von einem verstorbenen Bruder, der hoffentlich ein seligeres Ende genommen hat als er es verdiente ....
Eine seltsame Familie!
Lassen Sie's gut sein, Herr! Ich hab's nie wissen mögen, warum sie seltsam ist und so weiss ich auch nicht, warum Schwester und Bruder an das Gold nicht glauben wollen ....
Das sie doch mit Händen greifen?
Das sie mit Händen greifen! Katzengold, sagt die Ursula ....
Der Bruder war doch etwa ... kein Falschmünzer?
Stille! Stille! Das ist wieder mein vergrabener Brunnen .... Ich war gestern Abend noch an der Schmiede. Der Blinde sitzt vor seinen Goldstücken und klingt Eines an das Andere an, ob es auch echt ist ....
Das nenn' ich Mistrauen!
Ja, ja, Sie lachen, bester Herr! Ich sitze, weiss Gott, recht unter tollen Geschichten und wenn sie mir denn doch zu bunt werden, geh' ich hier hinauf in den Gelben Hirsch. Hier ist's luftig und frei. Ein gesunder Zug in die Brust hinein stärkt mir die Lungen hier, und hätt' ich nicht Hunde daheim und ein paar alte Eulen und eine ganze stube voll Vögel und freilich auch mein Brot im wald und die Hoffnung, die Fränz kommt einmal aus der Stadt für immer wieder heraus zu mir, ich ginge am liebsten nicht wieder hinein, so schwül wird's mir manchmal, denn die Gespensterseherei der Alten nimmt überhand ....
Dankmar nahm innigen Anteil an dem guten treuen Menschen und erzählte ihm auch seinerseits Einiges von der Verlegenheit, in die er durch die bei einem ihrer Gespenster gefundenen Kugeln käme ...
Das Gespenst da, sagte Heunisch rasch, hab' ich seitdem auf dem Strich und bin ihm schon so nahe beigekommen, dass ich ihm ein Halt da! Steh Canaille! hätte zurufen können.
Wirklich? fragte Dankmar gespannt und fast in der Hoffnung, der Förster möchte ihm nun ja Hackerten als den Verdächtigen bezeichnen, seinen Begleiter, den er von seinen Anzüglichkeiten auf die schöne kleine Franziska schon kannte.
Es kam auch so zum Vorschein. Der Jäger sagte:
Da Sie selbst darauf kommen ...