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dass ich öfter hierher gehe als an das Kreuz.

Warum nicht? Hier findet Ihr Trost und Labung.

Nein Herr, sagte Heunisch, oft werf' ich mir's wirklich vor, dass ich lieber hierher gehe und mich gewöhnt habe, fast alle drei Tage bei Drossel's zu sein, als auf die Sägemühle zu, wo ich selten hinkomme und doch weiss ich nicht, wessen Tod mich mehr geschmerzt hat ... Nantchen's oder Riekchen's. Nantchen war schelmisch und behend wie ein Reh; sonst hätte sie mich Riekchen nicht vergessen lassen, die so freundlich hier die Gäste empfing und gleich wenn sie bedient hatte, sich wieder zum arbeiten hinsetzte, da hinter die Blumen am Fenster. Lieber Gott, ich rede von damals! Damals lag das Fenster hier unten rechts und Blumen waren dahinter gezogen wie eine Laube. Ich sehe sie noch mit ihrem Kamm von Schildpatt und Elfenbein hinterm Goldlack .... Jetzt ist der Flügel ganz abgebrannt und neu angebaut, die Scheune ist neu und der Stall. Der Wind trieb den Brand nach Scheune und Stall und im haus verbrannte Die nur, die verbrennen sollte.

Verbrennen sollte? fragte Dankmar verwundert. Wer wollte denn, dass sie verbrannte?

Ist's denn nicht Gottes Ratschluss, so wie so, und was uns bestimmt ist, wer kann ihm entgehen! antwortete Heunisch nachdenklich.

Er kam dann auf die Schwester seiner Braut, die er wohl erkannt, aber nicht gegrüsst hatte ... die Frau Wirtschaftsrätin. Überhaupt war er erschrocken, da unter dem Apfelbaum so die ganze "Bescherung" vom schloss anzutreffen ....

Was sie wohl mögen herausgebracht haben über unser Aller Schicksal, fragte er; dennnehmen Sie mir's nicht übel, Herr ... Sie gehören doch wohl auch ...

Zu den Gläubigern? sagte Dankmar kopfschüttelnd und gab ihm den Trost, dass sich der Prinz ohne Zweifel noch entschliessen würde, die herrschaft beizubehalten, worüber Heunisch grosse Freude bezeugte. Dann aber fuhr Dankmar fort:

Aber Heunisch, Sie sind mir ja noch Eins schuldig ... wissen Sie denn nicht mehr? ...

Ich wollt' Ihnen was erzählen? Von der Fränz in der Stadt? Nicht wahr?

Nein! Nein!

Von den Kugeln unterm Ebereschenbaum?

Erfuhr ich schon ... Nein, nein! ... Ob die Ursula Marzahn ... gestanden hat, dass ihr der Amerikaner ...

Ah Das, Herr! Ja offen und ehrlich hat sie's! sagte Heunisch lachend. Alles hat sie gestanden, das Geld hergezählt und mir übergeben, freilich in ihrer Art, accurat so, dass Einer, der sie nicht kennt, lieber nichts davon hätte wissen mögen ...

Wie denn? fragte Dankmar, mehr wegen Ackermann's und des Knaben, als wegen der Ursula gespannt.

Wie ich hinüber kam in mein Haus, erzählte Heunisch, da begegnete mir schon an der Wiese der fremde stattliche Herr mit dem lieben Jungen. Allerliebstes Kind Das! Nach seinem Geschäft, wenn es doch ein geheimes sein sollte, mochte ich ihn nicht fragen und er sagte selbst weiter nichts davon und grüsste bloss. Da er denn aber doch in meinem haus war, so blieb ich stehen und er fing an recht freundlich zu werden und meinte, dass ihm die Alte nicht gefalle. Ei, Herr, sagt' ich, die hat schon Manchem nicht gefallen, kommen Sie aber nur wieder mit zurück; es hat eben Jeder seine Art. Nein, nein, sagte er und der kleine Bursch schmiegte sich ihm ordentlich furchtsam an, sie hat den tauben Schmied da behalten, mit dem sie sich so wahnwitzig curios verständlich macht, dass Leute, die hören können, besser die Ohren zuhalten und davongehen. Hätte mein Junge Drüsen am Hals oder sonst ein Kinderübel, so käm' ich schon wieder; denn die Alte scheint mir zu den Wahrsagerinnen, Kartenlegerinnen, und ums gerade herauszusagen, zu den Hexen zu gehören!

Das war rundweg gesprochen, Heunisch!

Da ich mich dagegen im grund nicht sträuben konnte und es geschehen lassen muss, wenn man die Ursula so nimmt, wie sie sich eben gibt, so musst' ich ihn wohl ziehen lassen. Nun aber hielt der Amerikaner mich selber auf und fragte die Kreuz und Quer, nach Feld, Wald und Wiese in Hohenberg und wollte Tausenderlei von unserer Ökonomie wissen. Endlich kam ich in mein Haus, wo ich denn richtig die Ursula mit der goldenen Bescherung antraf. Sie hatte all ihr Gold, es waren hundert doppelte Friedrichsdore, in der Schürze und rief mich gleich an: Schnappauf, Junge!

Schnappauf Junge? wiederholte Dankmar. Das klingt ja ganz kindlich!

Ich musste gleich die Mütze hinhalten und in die Mütze, die ich hinhielt, schüttete sie's mir, Alles baar und blank und tanzte dabei wie närrisch ....

Tanzte?

Sie hielt's für Katzengold, sagte sie.

Katzengold? Heunisch, dann müsst Ihr's doch wohl wiegen lassen.

Wie so?

Sie kann's ja gleich verhext haben.

Ach Spass! Ich sah schon, dass die Friedrichsdore echte Landsvaterwaare sind und über Nacht nicht wieder Kohlen werden. nächsten Sonntag sollen die Zeck's bei uns zu Mittag speisen und da wollen sie denn zusammen abmachen, was sie mit dem vielen Gelde beginnen.

Seht! Seht! sagte