und einigen Obstbäumen vom Pelikanwirte geführt, fragte Siegbert:
Ei der tausend, Herr Wirt? Die Katrine nennt Sie Herr Gevatter?
Das kann sie, antwortete der Dicke schnaufend, sie kann's, weil ich's bin. Die Peters ist sozusagen nicht bloss meine Magd, sondern sie führt mir sozusagen die ganze Wirtschaft. Mein Weib ist tot, und den Spectakel mit den Mägden hatte' ich satt. Da sagt' ich zu meinem alten Freund Peters, der schon seit zwanzig Jahren bei mir einkehrt und mein Gevatter ist von Kindern, die tot sind: wüsst' ich eine brave Frau in gesetzten Jahren, die mir Ordnung im haus hielte, ich heiratete wieder. Tue Das nicht, Alter! meinte Peters. Sieh! Ich mache dir den Vorschlag, ich ziehe von Angerode daher. Die Eisenbahnen machen unsere Fuhren immer leichter; es dauert eine Ewigkeit, bis so ein Wagen jetzt voll geladen ist und abgehen kann. Da lieg' ich denn auf der Bärenhaut und bin mehr hier als in Angerode. So muss ich zwei Wirtschaften führen. Besser ich ziehe hierher und sorge nebenbei für deinen Stall, da du alter Kerl bald so dick wirst, dass du nicht mehr hinein kannst, wenn du dir keine breitere Tür baust. Nun, und Das bin ich eingegangen, und das Ende vom Lied ist, dass der Peters seine Wirtschaft hier herübergeführt hat und die kleine Gevatterin hier jetzt uns Alle im Sack hat. Mir ist's recht. Sie sehen, ich komme nicht dabei zurück.
Der behaglich schmunzelnde Wanst rückte den Brüdern am Ende der Kegelbahn dicht an einem Bach, der den Garten begrenzte, einen Tisch zurecht. Das Plätzchen lag gar angenehm im Grünen. Ein voller Apfelbaum beschattete den Tisch mit seinen zackigen Ästen. Die im Untergehen begriffene Sonne warf ihre letzten rötlichen Strahlen herüber. Käfer summten, Vögel zwitscherten von den Nachbargärten her. Sie konnten für die Mitteilungen, die dem ungeduldigen Dankmar auf der Zunge brannten, keinen stillern Ort finden. Schon kam auch Katrine wieder zurück mit vollen Flaschen, einem Windlichte für die Cigarren und einem Teller voll groben und feinen Brotes zur beliebigen Auswahl.
So! sagte sie; da sitzen Sie ja schon traulich beisammen. So schön wie in Taldüren ist's freilich nicht. Die Aussicht fehlt – aber so ein Plätzchen gab's doch auch im Garten hinterm Pfarrhause. Und der Herr Vater – Gott hab' ihn selig! – wie gern sass der so Abends im Freien, wenn die Sonne unterging, und sprach dann wie ein Buch, trotzdem dass er's schwer auf der Brust hatte. Ich sagt's gleich, als es hiess, er ist Oberpfarrer in Angerode geworden. Ich war dazumal schon über sechs Jahre an den Peters verheiratet. Ich sagt's gleich, als er in das alte steinerne Pfarrhaus von Angerode zog, da hat's keine Luft für den braven Herrn und seine kranke Brust. Alles von Stein da und die hohen Zimmer und keine Wärme, wenn auch die Öfen gross genug waren und das Freiholz nicht gespart wurde. Wie lange hat er's drin gemacht? Zwei Jahre! Du lieber Heiland, der brave Mann! Wohnt denn die Mutter noch ihr Witwenjahr in dem haus? Ich weiss, sie haben's ihr nehmen wollen. Feinde hatte Ihr Herr Vater immer; Das wussten Alle und Keiner begriff's warum? So ein engelguter Herr und doch sollt' er nicht in die Stadt kommen, bis es vor seinem Ende doch sein musste und da war's sein Tod. In dem kalten Ritterhaus!
Frau Peters, der Eierkuchen! rief der Wirt zum Pelikan, der neugierig zugehört hatte, dann aber die träumerische Versunkenheit seiner Gevatterin nun im Interesse der Bedienung vom Vergangenen doch aufstören zu müssen glaubte.
Es ist auch wahr, fiel die ganz weinerlich gewordene Frau ein und lief hurtig wieder davon.
Nun lassen Sie's sich gefallen, sagte der Wirt zu den durch die Erinnerung an den Vater bewegten Brüdern; wie Sie's finden, ist's einmal, und wenn Sie Etwas wünschen, was wir haben, so rufen Sie nur!
Damit setzte er seinen schwerfälligen Mechanismus in Bewegung, wieder dem hof zu, und liess die Brüder endlich allein in behaglicher, stiller Ruhe.
Ein eigenes Zusammentreffen, begann Siegbert und fühlte an die tasche, ob er sein anvertrautes Pfand, die hundert Taler, auch noch bei sich hatte; diese Katrine hier im Pelikan! Wir waren wohl Jungen von etwa zwölf und vierzehn Jahren, als sie einen Fuhrknecht heiratete. Wir selbst kommen uns kahl und schaal, zwecklos und ziemlich unnütz in der Welt vor, und ihr gehen wir auf wie die Engel und Propheten! Der Mensch weiss nicht, was Einer dem Andern ist! Sie hat nach uns geforscht, und beobachtet, ein Wiederbegegnen mit uns für ein grosses Lebensglück gehalten, das sie sich auf einen schönen Sonntag Nachmittag, vielleicht nach der Predigt, aufsparte, und ich wette, sie träumte im selben Augenblick glückselig von uns, während wir über irgend Etwas in Verzweiflung waren und keinem Menschen in der Welt von Wichtigkeit zu sein glaubten, als nur unserer Mutter und allenfalls unsern Gläubigern!
Daraus siehst du, teurer Communist, sagte Dankmar, indem er seine Cigarre an dem von Katrine hingestellten Lichte anzündete, dass die Armen auch nicht so ganz elend sind, wie du dir denkst. Sie haben