das Haupt in den Arm stützend und hinaufschauend in den mondscheinumflossenen Flügel des Schlosses, den Melanie bewohnte.
Endlich kam sie.
Unter den Blumen, den Sternen, dem Mondglanz hier in der Stille der Nacht, von keinem Zeugen gestört, als dem plätschernd herabhüpfenden Wasserfall, wollte Dankmar sie gleich mit dem Entzücken der rasch aufgeloderten Liebe begrüssen.
So dachte' er's sich, als er sie die Gartenstufen herniederschweben sah, in eine Mantille von purpurrotem mit weissem Schwan besetzten Sammt gehüllt und auf dem vollen schweren Geflecht des Haares ein weisses Schleiergewebe tragend, das hinten herabfiel fast bis in den Nacken ... Doch sprach sie ihn schon aus der Ferne an, redete schon im Herabsteigen fast gleichgültig mit ihm und schnitt durch Vermeidung einer Pause und aller Feierlichkeit die förmliche Begrüssung ihres schnellgewonnenen Freundes ab, dessen Aufmerksamkeit nun sogleich von der Galanterie abgezogen und von ihrem Plane gefesselt wurde.
Endlich ein freier Augenblick! sagte sie schon auf mindestens zwölf Schritte entfernt; ein Augenblick, wo ich Ihr Vertrauen erwidern darf! Aber nur ein kurzer! Die Zeit drängt. Sie sollen sehen, dass Sie sich in dem Mute eines närrischen Mädchens nicht irrten. Sie erhalten das Ihnen so teure Bild zurück, irgendwo auf der Reise, wo wir den Train des Herrn von Harder einholen werden. Aber die Mittel, die ich anwenden werde, es zu erobern, dürfen Sie mir nie, nie anrechnen. Versprechen Sie mir Das?
Wie Das so klang in der stillen Nacht! Wie die Büsche dabei so flüsterten! Wie so milchweisse, bläuliche Lichter über die Sprecherin glitten und Alles so magischumflossen, so bebend, so fast ohnmächtig und wie schattenhaft war!
Melanie! rief Dankmar, Sie sind ein Engel! Wenn ich nicht annehmen müsste, dass nur der Reiz des Abenteuers Ihren Geist in dieser Angelegenheit beseelt und Ihnen die Flügel des erfindenden Genius an den ebenso schönen wie schelmischen Nacken setzt ... (er wollte ihn küssen; sie wehrte es) ich würde es wagen, mich Ihnen zu Füssen zu werfen und von Liebe zu sprechen ...
O Sie Böser! sagte Melanie. Wenn die Gräfin d'Azimont Das hörte ...
Was soll mir diese Frau! war Dankmar im Begriff auszurufen und einzugestehen, dass er selbst ja nimmermehr der Prinz wäre. Aber die Vorliebe, mit der Melanie auf diese erträumte Rivalin zurückkam, war ihm wie ein Nebel, den er zu verwehen fürchtete. Dennoch sagte er:
Melanie, ich bin nicht der Prinz, aber ich bin sein bester Freund auf der Welt. Was Sie tun, tun Sie für ihn! Sie tun es für mich; denn Niemanden kann Egon's Glück mehr am Herzen liegen als mir! Kann Egon hier Egon sein? Kann er den Mut, die Selbstüberwindung haben, sich da zu verraten, wo man sein und seiner Mutter Andenken mit Füssen tritt? Ich bin der teil des Prinzen, der noch Vertrauen zu den Menschen hat, der teil, der nicht verzweifeln will, wenn er noch Geschöpfen begegnet, die in Körpern der Engel auch eine überirdische Seele tragen ...
Melanie schlug ihre mächtigen braunen Augen zu ihm empor, dass das volle Licht des Mondes in sie fiel und ihre Schimmer in jenem feuchten Glanze zitterten, der ihnen etwas Verklärtes gibt ...
Sie sah ihn fragend und mit zärtlicher Innigkeit an. Melanie hatte Das erreicht, wohin vielleicht ihr Ehrgeiz dunkel tastete, vielleicht war es Zufall, dass ein Mann, der ihr ein Fürst schien, auch zugleich der erste sein musste, dem gegenüber sie sich klein, ja demütig vorkam – es war ihr, als wenn sie, ein bunter, flatternder, leichtsinniger Schmetterling, die Flamme gefunden hätte, die ihr gewisser Tod werden sollte, ihr Tod wenigstens für dies leichtsinnige Schmetterlingsdasein ....
Melanie wehrte Dankmar's verlangenden Arm zurück, aber nur um ihn aus einiger Ferne inniger betrachten zu können. Eine Locke seines Haares, die ihm im Sturme seiner aufgeregten Sinne auf die Stirne fiel, streifte sie ruhig zurück, als hinderte sie ihr die Aussicht in sein Auge und seine Seele.
Lassen Sie! sagte sie sanft.
Melanie! rief Dankmar noch einmal mit gesteigerter Glut der Empfindung und wollte sie ansichziehen ...
Seiner männlichen Kraft gelang es; aber sie wandte, in seinen Armen liegend, rücklings das Haupt und verweigerte ihm die zärtliche Berührung der Wangen, nach der er schmachtete. Sie tat Dies so entschieden, dass er es liess und sich an einem Bilde begnügte, das den Meissel des Bildhauers herausfoderte ...
Gute Nacht! sagte sie, losgewunden, mit lächelnder Lieblichkeit, und auf Wiedersehen für Morgen!
Damit war sie für Dankmar fast einem Traume gleich entschwunden.
Wie er sich nun anschickte, hinunter zu wandern und durch das erste beste Seitenheck auf den grossen Weg zu springen, fühlte er eine so herausfodernde, ihn riesig durchströmende Kraft in sich, dass er fast laut zu jubeln begann. Alles lachte ja in ihm. Jeder Gefahr, jedem drückenden Gedanken wurde die Volte geschlagen, jeder Bedenklichkeit die Anlehnung aus seinem inneren wegescamotirt. Ja, er hätte sich mit dem Arm gegen die Bäume stemmen und sie niederbeugen mögen! Es war ihm, wie dem biblischen Erzvater gewesen sein mochte, als er auf der Heide mit einem unsichtbaren Engel rang. Er hätte den Dämon niedergeworfen, so titanisch fühlte sich seine Muskelkraft. Er lachte über sein Abenteuer selbst. Selbst des Gefangenen