Er, der Sie liebt, bewundert, ... trennt sich sobald?
Da ich ihn über Das, was er heute in der Nische zu mir sprach, ausgelacht habe, noch heute Abend ....
Er kann sich trennen? Von Ihnen, Melanie? Von Ihnen, die Sie Alle zu fesseln, Alle zu bezaubern verstehen ....
Er kann's und hofft morgen Abend in der Residenz zu sein ....
Nein, nein, er bleibt! Er bleibt, weil er die Schönheit bewundert, er bleibt, weil er nichts fürchtet, als ...
Er fürchtet Alles. Wie Sie sehen, diese Gendarmen hat er sich vom nächsten Landrat erbeten, weil er fürchtet!
Sie sehen daraus, rief Dankmar, dass die Entführung dieser Angedenken an eine unglückliche Frau, die man noch im tod verfolgt, ein Act der Gewalttat ist! Jenes Bild, das Sie in Händen hatten, das der Gefangene im Turme sich aneignen wollte, ist mir über Alles, über Alles wert und teuer. Es entält das wichtigste geheimnis einer edlen Familie! Wir müssen es besitzen. Sagen Sie ein Mittel, es zurückzuerhalten!
Ich erstaune! erhob sich Melanie mit verklärtem blick, unendlich erfreut und tiefgefesselt. Sie sind also nicht durch Zufall hier? Sie hatten eine Absicht, verlangen Vertrauen zu Ihnen und erwidern es nicht einmal Denen, die nicht zu Ihren Feinden gehören, mag auch die Stellung des Fürsten Waldemar zu meinem Vater noch so schwierig gewesen sein! Warum sagten Sie nicht sogleich offen –
Ich gestehe Ihnen Alles, unterbrach sie Dankmar! Himmlisches, liebenswürdiges Mädchen! Melanie, einer Göttin gleich! Wenn ich Ihnen sagen wollte ...
Schweigen Sie jetzt! rief das hocherglühte Mädchen rasch und zeigte verstohlen nach dem Eingang des Pavillons hinter sich. Ich will Ihr Vertrauen erwidern; flüsterte sie. Nur jetzt nicht, jetzt nicht, Durchlaucht ...! Wir sind nicht allein.
Achtes Capitel
Das geheimnis der drei Kugeln
Lasally, Herr von Reichmeier, der unvermeidliche Guido Stromer, Lasally's Schwester und Madame Pfannenstiel traten hinter dem Gebüsch hervor und wollten, wie sie Melanie und den Fremden allein erblickten, umkehren, als fürchteten sie lästig zu fallen. Sie hatten von ihrer Unterhaltung nichts gehört, wohl aber, nach ihrer Rückkehr von einer Spazierfahrt und im dorf sich vereinigend, das schöne Paar im Auge behalten und beim Lustwandeln im Garten, der auch von unten her dem Kundigen zugänglich war, so getan, als würden sie Denen nur zufällig begegnen, die, wie sie wohl sahen, ungestört zu sein wünschten ....
Man tat nun, als wollte man sich gegenseitig nicht hindern, und verwickelte sich gerade deshalb absichtlich in ein lästiges Gespräch. Um ja nichts zu sprechen, sprach man. Die Gegend, das Wetter, zuletzt sogar die Zeit und ihre Verwirrung musste den Stoff hergeben, Reden zu wechseln, bei denen man die Absicht, sich nur zu schrauben und auszuhorchen, schlecht verdeckte .... Wer war dieser Fremde? Es peinigte Alle.
Lasally schien in eigentümlicher Unruhe. Er hielt sich für einen der bevorzugtesten Verehrer Melanie's der sich Hoffnung machen durfte, sie immerhin nach mancherlei flatterhaften Abirrungen zuletzt doch wohl noch zu gewinnen. Die gelegenheit, seine Schwester hierher zu begleiten, unterstützte seine Bewerbung. Auch Reichmeier wünschte, um Eugen's Finanzen geordnet zu sehen, glücklichen Erfolg .... Lasally schien es Ehrenpflicht, sich jetzt an Melanie zu halten. Er störte absichtlich.
Dazu noch die geldstolze Einfalt der Pfannenstiel und das unruhige Geistaschen des Pfarrers, dem durch Melanie offenbar eine Verzauberung gekommen war, die ihn aus seinem bisherigen Murmeltierschlafe zu einem nochmaligen Lebensversuche – Beides Ausdrücke von ihm selbst – wecken sollte ...
Melanie, aufgeregt durch das Band des Geheimnisses, das sich eben mit dem bedeutendsten mann, der ihr je begegnet war, knüpfen wollte, litt entsetzlich unter der Pein dieser Störung. Diese fragen, die da aufgestellt wurden, wie lästig waren sie nicht! Melanie wurde vor Zorn sogar boshaft, gab schnippische Abfertigungen, hatte aber das Unglück, dadurch die Eitelkeit umsomehr anzustacheln. Froh war sie, als Dankmar wenigstens eine dieser kichernd Zudringlichen mit der Bemerkung abtrumpfte und entfernte, dass er bei dem Namen Pfannenstiel aufhorchte und an den Wächter des Turms und den Amtsboten gleiches Namens erinnerte. Die Tochter des frühern, Schwester des jetzigen Wirts vom Gelben Hirsch gestand diese Verwandtschaft mit Erröten ein, sammelte sich aber doch zu einer Antwort, die Dankmarn ein äusseres Interesse an dieser Frau einflösste, was sie schwerlich ahnte ...
Ich besuche meinen Schwager selten, sagte sie, weil er mich an ein Unglück meiner Familie erinnert.
Sie meinen die unglückliche Katastrophe jenes Brandes, sagte Dankmar, bei welchem er vor vielen Jahren den Gebrauch seiner rechten Hand verlor?
Welch ein Brand? fragte sogleich die Gesellschaft.
Auf dem Gelben Hirsch, erzählte der Pfarrer, der nicht gern lange schwieg, brach aus Ursachen, die noch bisjetzt unentdeckt geblieben sind, vor Jahren ein Feuer aus, bei welchem ein junges blühendes Mädchen, die Braut unsers gegenwärtigen Försters, den Tod in den Flammen fand ....
Es war Dies meine Schwester! sagte die Frau des Wirtschaftsrats.
Dankmar besass nicht seines Bruders Siegbert Weichherzigkeit. Dennoch entging ihm nichts, was nur irgend einer gefühligen Stimmung ähnlich sah. Er bereute in seinem Herzenstakte jetzt die Erwähnung so trauriger Erinnerungen und würde es ganz