Unfreundlichkeit. Excellenz, sagt' ich, ich wäre im stand, Sie an einem Ihrer kleinen Ohrzipfel empfindlich zu kneipen. Wie können Sie mich so abscheulich anfahren? Er sprach ein Kauderwälsch durcheinander von gefährlichen Intriguen und höhern Befehlen und endete dann, um mich auf andere Gedanken zu bringen, damit, dass er sagte, dies Bild der jungen Fürstin Amanda erinnere ihn sehr an die Geliebte des Fürsten Egon, die Gräfin d'Azimont?
Dankmar lächelte, aber bedeutsam ....
Zum Glück, fuhr Melanie wie eifersüchtig fort, zum Glück ist diese schöne Dame verheiratet. Ich bemerkte Das schon Herrn von Harder. Sie lebt in Paris, setzte er plaudernd hinzu, um mich zu zerstreuen und das alte Vertrauen wieder zu gewinnen. Lebe sie wo sie wolle! Sie verderben mir die Freude an diesem Bilde, sagte ich.
Er misverstand meinen Unmut, glaubte, ich neckte ihn und liess mich die Folter ausstehen, dass er mir nach Tisch, er nahm Ihre Stelle ein, in einer Fensternische Dinge sagte, wie sie Prinz Egon der Gräfin d'Azimont nicht feuriger vortragen kann. Alles Das kommt von Ihrer Gräfin, die in Paris vergessen hat, dass sie verheiratet ist! O gehen Sie, Wildungen, mit Ihrer leichtsinnigen Gräfin d'Azimont!
fräulein ...
Ja, ja, Sie .... Schämen Sie sich solcher Verhältnisse ....
Welcher?
Eine verheiratete Diplomatin! Gewiss ist sie sehr schön, aber auch gewiss sehr intriguant! Gewiss sehr coquett! Ich habe das Schlimmste von der Gräfin d'Azimont erfahren .... Und wenn sie nun gar der Fürstin Amanda gleicht, kann ich nur noch viel Schlimmeres von ihr denken.
Ich muss gestehen: Sie haben die Phantasie dafür! sagte Dankmar.
Gleichviel! Sie mögen mich nun tadeln oder den Maler des Bildes oder den gütigen Schöpfer .... Wenn die Gräfin d'Azimont dem Bilde gleicht ... ich tadle sie doch .... Die Nase auf dem Pastellgemälde war nicht schön.
Dankmar musste über diese Wendung lachen. Melanie boudirte künstlich .... Er war entzückt von der Coquette-rie des eifersüchtigen Mädchens.
Mit halb künstlichem, halb natürlichem Ärger und von einer Eifersucht gefoltert, als wenn sie alle die Menschen, die sie doch nur dem Namen nach kannte, leibhaftig schon vor sich sähe, hüpfte Melanie fort.
Dankmar ihr nach ....
Melanie sprang Stufe von Stufe die Terrassen herab bis zu jenem griechischen Tempel hinunter, der einen so stillen Fernblick in das waldige Gebirge und die unterhaltende Nähe der sich hier kreuzenden Wege erlaubte. Melanie war so geeilt, so hastig an der alten, eben von dem kranken Gärtner kommenden und kopfschüttelnd stehenbleibenden Brigitte vorübergeschritten, dass sie auf eine Bank des Pavillons niedersank und Dankmarn das schöne Schauspiel ihrer mächtigsten Erregung bot. Den Überwurf hatte sie im raschen Gehen und dem Herabspringen von den Stufen, eine zweite Atalante, um ihn aufzuhalten, unterwegs fallen lassen. Er musste auch, während sie lachte, innehalten und ihn aufheben; jetzt schlug er den Überwurf über den Nacken und die wogend sich hebende Brust. Auf der Erde suchte er eine grosse goldene Nadel, die gleichfalls ihrem Haar entfallen war und die zurückgesteckten Locken gehalten hatte ...
Lassen Sie nur, sagte sie und strich sich die Haare hinters Ohr, wo sie nicht halten wollten, und von der einen Seite nach vorn fallend, ihr einen schwärmerischen Ausdruck gaben ...
Lassen Sie nur! ... Sie müssen mir jetzt sagen, fuhr sie nach einer Weile, während sie Dankmar glückselig betrachtete, gesammelt fort; Sie müssen mir jetzt sagen, wie die Gräfin d'Azimont das Haar trägt. Ich will gar keine künstliche Frisur mehr tragen, bis ich nicht weiss, wie diese abscheuliche Coquette sie trägt ....
Dankmar war in der Tat von der Liebenswürdigkeit des Mädchens, das sich in den gewagtesten Capricen gefiel, bezaubert ....
Gehen Sie doch, teure Melanie, sagte er unternehmend und sich ihr zur Seite niederlassend; gehen Sie doch mit diesen Erinnerungen. Diese zeiten sind vorüber. Egon hat sich dem Vaterland zurückgegeben. Er wird es lieben, trotzdem dass es ihn so unfreundlich begrüsst. Sie haben Recht, auch der Intendant gehört zu seinen Feinden und wenn Sie versprechen könnten ....
Ich verspreche nichts, sagte Melanie und meinte doch das Gegenteil.
Eben wollte Dankmar sich zu einer Erklärung zusammennehmen, als er aufhorchen musste. Getrappel von Pferden und noch mehr ein Geklirr von Waffen schien an sein Ohr zu dringen. Er stand auf und beugte sich über die Balustrade des Pavillons. Von Randhartingen her sah er die zwei Gendarmen reiten, die wahrscheinlich den Transport des Mobiliars schützend begleiten sollten. Die beiden Schnurrbärte grüssten militairisch und wandten sich dem grossen Aufgang zum schloss zu.
Die gewaltigste Unruhe folterte Dankmarn. Schon sah er alle seine Hoffnungen vernichtet, schon den Preis der Rolle, die er hier, wenn auch ohne Mühe, doch zur Qual seines Wahrheittriebes durchführte, seiner Hand entwunden. Unwillkürlich stand er da wie Jemand, den ein geheimnis presst, zu dessen Entdeckung er gern von einem prüfenden blick in das Auge Dessen, dem er sich zu vertrauen im Begriffe steht, ermutigt werden mochte ....
Was haben Sie? fragte Melanie, diesen Zustand nachfühlend.
Wann reist der Intendant ab? fragte Dankmar entschlossen.
Noch heute Abend!