; doch fügte er sich gern der sonderbaren Bitte, die einen Gegenstand betraf, über welchen er sich jetzt vollkommen beruhigen zu dürfen glaubte.
Auf dem Schlosshofe trafen sie dann den grossen Transportwagen des Intendanten.
Welch ein Ungetüm! rief Dankmar. Das ist ja kein Wagen! Das ist ein wandelnder Salon, in dem man tanzen könnte ....
Bartusch erklärte ihm mit lauerndem Blicke die Bestimmung dieses grossen Behälters.
Doch nicht Alles schon gepackt? fragte Dankmar dringend.
Zum grössten teil, antwortete Bartusch, überrascht von dieser Frage. Noch heute Abend wird Herr von Harder abreisen. Zwei Gendarmen sind ihm vom Landrat als Begleitung zur Verfügung gestellt ...
Dankmar schüttelte ärgerlich den Kopf, blieb stehen und öffnete die Hintertür des Wagens.
Derselbe Bediente, den er im Turm gesehen hatte, sass völlig aufrecht wie ein Wächter auf den sehr geordnet zusammengestellten Möbeln und grinzte ihn boshaft an ...
Lieber Himmel! äusserte sich Dankmar lachend zu Bartusch, zwei Gendarmen? Wie streng wird Das hier genommen! Es scheint, als wenn in Plessen die Justiz viel zu tun hat. Die arme Blouse im Turm leidet darunter.
Ihr hat, wie mir der arme Mensch erzählte, ein Bild gefallen, weil es nicht wie die Andern glänzend, sondern nur wie mit buntem Staub gemalt ist. Er wollte sich diese Art zu malen genauer betrachten und – Gehen denn die Familienbilder auch schon in die Residenz?
Die letzte Äusserung Dankmar's wurde von ihm so hingeworfen, um ihre wirkung zu beobachten.
In der Tat war aber diese wirkung nicht gering. Bartusch riss die Augen auf, richtete sich in die Höhe und zweifelte keinen Augenblick, dass eine solche Äusserung nur von dem Prinzen selbst oder dem intimsten Vertrauten desselben kommen konnte.
Die Vermutung, dass der im Turm Sitzende ein Jäger oder Kammerdiener des Prinzen Egon war, stand längst bei ihm fest.
Leider, sagte Bartusch, hat der Vorfall von heute früh den Geheimrat so alterirt, dass er nun auch sämmtliche Bilder sogleich in den Wagen tragen liess!
Sämmtliche Bilder? sagte Dankmar, unangenehm betroffen.
Allerding's! fuhr Bartusch lächelnd und fein fort. Ich zweifle indessen nicht, dass sich der Monarch ein Vergnügen daraus machen wird, nicht nur, wie ausdrücklich bedungen ist, alle Familienbilder zurückzustellen, sondern auch den jungen Prinzen durch manches andere wertvolle Andenken an seine Mutter zu erfreuen. Was die Administration der Masse tun kann, um alle diese Verwickelungen angenehm zu lösen, alle diese herrlichen Besitzungen beisammen zu lassen und dem jungen Fürsten an ihnen Freude und Gewinn zu sichern, wird gewiss geschehen. Es ist viel von der Vergangenheit gut zu machen, aber bei einigem guten Willen von Seiten Derer, die hier zu fodern haben, und bei Kraft und Ausdauer von Seiten Derer, die wohl für den Augenblick verlieren müssen, lässt sich für die Zukunft mancherlei wiederherstellen.
Dankmar nickte beifällig. Die wohlgesetzten Worte gefielen ihm an und für sich schon. Dann aber an die Bilder sich erinnernd, warf er einen schmerzlichen blick auf den grossen bewachten Wagen, von dem sie sich nun entfernten und unterdrückte den Seufzer nicht, der Bartuschen auszudrücken schien, als wollte er sagen: Sie sprechen gut, aber Ihre Wünsche sind vergebens!
Mag er ihn in diesem Sinne nehmen, sagte sich Dankmar, der trotz der Gendarmen vor der wirklichen Abfahrt des Wagens den Mut nicht verlieren wollte; mag er denken, ich bin der Prinz! Ob ich Dankmar Wildungen oder Egon bin, was tut Das hier!
Still jetzt bei sich überlegend, was sich nun wohl noch wagen und unternehmen liesse, folgte er dem Führer über die grosse steinerne Treppe, die in den ersten Stock ging. Einige hübsche Mädchen betrachteten ihn neugierig und sehr pressirt, einige leichtfertige Bediente mistrauisch. Vom Intendanten entdeckte er nichts, obgleich sein blick in die Reihe der Zimmer fiel, die Se. Excellenz mit so strenger Consequenz ausgeleert hatten. Er hoffte nicht, dass auch der Geheimrat zu den abgewiesenen gehörte. Diesem noch begegnen zu können, schien ihm unerlässlich. Bartusch öffnete eine hohe Saaltür. Dankmar durchschritt einige Gemächer, bis er endlich in dem von Melanie eigens zu seinem Empfang vorbereiteten Flügel- und Eckzimmer eintrat.
Die beiden Damen, die sich ihm heute ganz allein widmen wollten, waren schon zugegen ....
Melanie's seit dem Morgen von Stunde zu Stunde gewachsene, durch die abschlägige Mittagsantwort nur gesteigerte Spannung war denn nun endlich gelöst. Die Erfüllung ihrer sehnsucht stand vor ihr. Sogleich erkannte sie die in der Tat treffende Ähnlichkeit dieses Besuchers mit jenem Siegbert Wildungen, der ihr soviel Aufmerksamkeit, Verehrung und Liebe zollte, und sogleich begann sie von diesem Siegbert und brachte Dankmarn durch ihre Schönheit, ihre reizende Toilette und die in ihm geweckte Voraussetzung, der Bruder hätte ihm doch längst von ihr erzählen sollen, was nicht geschehen war, in eine Verlegenheit, bei der er sich verwickelte und sich nicht sogleich fassen und sammeln konnte. Das traf denn allerdings rasch mit einem schlauen blitzschnell zugespielten Winke Bartusch's zusammen und in glücklichster Überraschung wisperte Melanie bei einer leichten Wendung des Kopfes der Mutter zu:
Es ist der Prinz!
Dankmar gehörte zu denjenigen jungen Männern, die früh unter Frauen und Mädchen sich tummelnd dem Reiz des andern Geschlechts, den es so überwältigend auf unreife Neulinge ausübt, schon abgestumpft haben. Siegbert floh in seiner ersten Jugend aus Schüchternheit die Frauen und erlag deshalb später um so mehr ihrem Reiz und fast jeder vertrautern