lieblichen Wesen, das mich selbst bezauberte, wie in der Eile der Angst zugeworfen, die Vorhänge fielen zurück, der abenteuerliche Mensch lachte grell auf, polterte, lärmte, als wollte er sich hörbar machen, und sprang pfeifend und singend wie besessen davon. Ich eilte ihm nach. Er hüpfte den grossen Fahrweg hinunter. Ich folgte ihm zuletzt mit Mühe. Zuweilen stand er ganz still und sprach laut lachend, sah sich um und wiederholte mit kindischen Gebehrden seinen eigenen Namen. Unten aber wandte er sich dem wald zu, wohin ich ihm nicht folgen mochte, da ich plötzlich im dorf lautes Sprechen hörte. Ich folgte diesem Lärm. Man schien im Pfarrhause laut zu peroriren. Kinder schrieen. Als ich näher kam, war es still. Da gab ich denn für diese Nacht mein Vorhaben auf, blieb auf dem Kirchhof und warf mich unter dem Vordache des Mausoleums meiner Mutter zum Schlafe nieder. Erstaunen Sie darüber nicht! Es ist nicht das erste mal, dass ich unter freiem Himmel schlafe ....
Ich wünsche, sagte Dankmar gerührt, dass in der heiligen Nähe Ihrer Mutter Sie ein Traum beseligt haben möge, worin sie Ihnen die Palme des Friedens und der Versöhnung reichte ....
Dieses Glück wurde mir nicht zuteil! sagte Egon. Ich träumte auf dem harten Boden nur von jenem Bilde, das mich nicht mit der Zärtlichkeit einer Mutter, sondern erst tot und kalt, dann immer hässlicher, zuletzt in wilden Fratzen anblickte, bald von Schlangen umringelt war, die es bewachten, bald sich in einen derartig gewöhnlichen Gegenstand verwandelte, dass ich im Traume gelacht haben muss. Ein mal war es ein zinnerner Teller, den die alte Brigitte in der Hand hielt! Darauf war ich so ermüdet, dass ich ziemlich fest und lange schlief. Als ich erwachte, fiel mein Auge auf den marmornen Sarg, der hinter dem Gitter von einem Engel gehütet, in nicht übel ersonnener Architektur, vor mir stand. An der Hinterwand las man die mit Gold eingegrabenen Worte: "kommt zu mir Alle, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!" Erst sah ich neben dem Kirchhof in einem freundlichen Garten, wo ich in der Nacht das laute, heftige Sprechen vernommen hatte, den Pfarrer, Guido Stromer wahrscheinlich, den ich nicht kenne, von Blumenstrauch zu Blumenstrauch gehen und mit sinnender Überlegung ein Bouquet zusammensetzen, das er wahrscheinlich nach einer häuslichen Scene zur Versöhnung seiner Frau auf den Frühstücksteller legen wollte .... Frühstück! Ich gedachte dabei meiner eigenen Nahrung und besann mich, dass ich ganz prosaischen Hunger hatte. Ich erquickte mich, die Ulla entlang wandernd, in entlegenen Bauernhäusern an frischer Milch. Da sah ich plötzlich gegen neun Uhr einen grossen Transportwagen zum schloss hinauffahren. Der Gedanke: Noch ist es Zeit! elektrisirte mich. Ich fasste wegen des vielleicht noch zu rettenden Bildes einen letzten Entschluss. Entweder, dachte' ich, kannst du dir noch glücklich durch Gewandteit dein Eigentum erobern oder du entdeckst dich dem Geheimrat von Harder und machst diesem Maskenspiel ein Ende, selbst mit Gefahr, seiner Gattin gerade das Bild zu verraten, an dessen Besitz, wenn sie das geheimnis kannte, ihr soviel gelegen schien wie mir. Ich komme aufs Schloss, das Durcheinander und Lärmen der Diener begünstigt mein Vorhaben. Man trägt einen Tisch nach dem andern, Sessel, Fauteuils, ja selbst das geschmackvolle, gotisch geformte, auseinandergenommene Bett der Mutter in jenen grossen Wagen, bei dem der Geheimrat Wache zu stehen schien, wenn ich anders eine hagere, mit Orden geschmückte Figur dafür halten muss. Bei einer solchen Demütigung meines Namens mich zu entdecken – ich hätt' es nicht vermocht. Ich betrat das Schloss, erstieg die Treppe ... man sah soviel Menschen durcheinander, dass ich nicht auffiel. Ich gelange in die Zimmer meiner Mutter. Welche Verwüstung! Welche Zerstörung! Alles durcheinandergewühlt, Fetzen Papier auf der Erde, die Wände halb zerschlagen, die Kamine, wahrscheinlich vom Verbrennen der Papiere, mit Russ und Rauch überzogen. Das war ein Chaos! Ich sehe Leute, die packen und tragen ... ich schreite weiter, als gehört' ich zu ihnen. Im Schlafzimmer der Mutter hängen noch Bilder, mein eigenes Bild als Knabe. Das Bild des Vaters, das Bild der Grossmutter und über dem platz, wo das Bett stand, über einem Crucifix, das unberührt hing, sehr hoch, still und schweigsam, ja gespenstisch, das bezeichnete runde Pastellgemälde! Ich suchte nach einem Sessel. Ich ergreife den ersten besten, steige in die Höhe, reiche nach dem Portrait, hab' es in der einen Hand und fahre schon mit der andern über die Glasfläche, als ich mich an den Füssen gepackt fühle. Der Bediente, den Sie hier sahen, reisst mich hinunter, schleudert das Bild aus meiner Hand, glücklicherweise auf nebenanliegende Betten, ruft hülfe! Man umringt mich, der Intendant mit grossen dummen Schafsaugen misst mich auf zehn Schritte Entfernung, weil er meine zornfunkelnde Miene fürchtete, und befiehlt zitternd und bebend meine Verhaftnahme .... Man packt, hält mich, führt mich den Weg hinunter in diesen Turm, und nun sagen Sie, was ich anders tun kann ....
Als sich eine Weile ergeben, Prinz! erhob sich Dankmar jetzt mit sorgloser froher Bewegung, und von Ihrem Freunde Alles erwarten, was nur in seinen Kräften steht! Wie Sie ungekannt von hier