in der Familie. Er hat Recht, der alte Mann, der's in seiner Kinderei oft noch trifft. Eine herrschaft, die ein gutes Herz hat, behandelt ihre Angehörigen, als gehörten sie in ihre eigene Familie. Uns hier vom amt kann's am Ende gleich sein, denn die Gerichtsbarkeit kommt doch wohl nunmehr an die Regierung. Aber – so ist's und so wird's kommen – für die Andern ist von dem Prinzen Egon nichts zu erwarten.
Warum nicht? fragte Dankmar.
Der verkauft das Ganze, bezahlt die Schulden, nimmt den Rest und geht damit nach Frankreich, wo er ja – es ist 'ne Schande! – mit einem ganz gewöhnlichen Frauenzimmer so gut wie verheiratet sein soll und überhaupt ein curioser Hanns geworden ist ...
Verheiratet? sagte Dankmar und blickte dabei mit ungläubiger Ironie auf Egon.
Wie ich Ihnen sage! fuhr Pfannenstiel fort. Der Prinz ist hier wie aus der Welt. Sonst wusste man doch, dass er in der Schweiz auf schulen und am Rhein auf Universitäten war; und man konnte sich bei der Frau Fürstin recht insinuiren, wenn man ihr begegnete und ihr sagte: Nun Durchlaucht, lange nicht geschrieben Prinz Egon Durchlaucht? Früher nämlich, als wirklich Briefe von ihm kamen, hatte sie's gern. Dann aber soll er drei Jahre lang nicht geschrieben haben, drei Jahre lang vor ihrem tod; da hat sie's nicht gern gehört, wenn Einer sagte: Nun Durchlaucht, lange nicht geschrieben Prinz Egon Durchlaucht? Wer Das sagte, musste entweder dumm oder ein rechter Spitzbube sein. Denn Alle wussten, dass er in Frankreich war, sich mit gemeinen Leuten herumtrieb und die Tochter von einem Tischler gerade nicht geheiratet hatte, aber, verlassen Sie sich darauf ... mit ihr lebte ... und Kinder hat ... und ... wie gesagt, ganz verwilderte Geschichten.
Die Träne unter dem Kronenleuchter, Freund – warf Egon Dankmarn anblickend, mit schmerzlichem Lächeln hinein – verstehen Sie?
Pfannenstiel sah auf seinen Gefangenen, dessen Bemerkung ihm wunderlich vorkam.
Wie meinen – Wie meint Er – Träne unterm Kronenleuchter? ... fragte er, stockend und in dem Glauben, es wäre wohl mit dem Gefangenen nicht recht richtig.
Herr Pfannenstiel, sagte Egon, um diese ihm peinlichen Mitteilungen abzubrechen; Sie sehen, wir sind gesättigt. Nehmen Sie den Rest und lassen Sie den Herrn noch bei mir. Sie wissen, dass es der Justizdirektor ja gestattet hat.
Pfannenstiel packte die Reste ein und sagte währenddem mit einiger Ironie:
Lassen Sie sich nicht durch den Justizdirektor und seinen Doctor irremachen, der schläft auch ohne den Doctor bis vier Uhr; wenn's Ihnen sonst hier gefällt, bleiben Sie in Gottes Namen. Kühler ist's als unten in der Krone; es ist wahr. Aber – Wetter, da hab' ich ganz vergessen ... Ich soll Ihnen sagen ...
Der Büttel wandte sich an Dankmar.
Mir? Was ist noch?
Es hat Einer inständigst nach Ihnen in der Krone verlangt ....
Ich sehe, ich bin der Vielgesuchte, sagte Dankmar. Wahrscheinlich der Amerikaner mit dem freundlichen Knaben?
Nein, erwiderte der Schliesser, der Herr Ackermann, der prächtige Sachen von Amerika erzählte, ist abgereist, gerade wie ich das Essen holte. Vielleicht kommt er wieder. Er lobte unsern Boden. Der Knabe lässt Sie noch grüssen und hat eine solche Angst um Sie gehabt, dass Sie hier im Turme wären, dass ich meine Not hatte, ihm zu erklären, Sie sitzen hier nur zum Spass ....
Welcher Amerikaner? fragte der Fürst.
Dankmar erzählte ihm in einigen Worten die Bekanntschaft, die er gemacht und setzte hinzu, dass er einige Zeit geglaubt hätte, dieser Fremde könnte vielleicht an eine Ansiedelung, an einen Güterkauf denken ....
Nein, fuhr der Schliesser, der sich inzwischen besonnen hatte, fort, ein Anderer wollte Sie dringend sprechen und wenn ich richtig gehört habe, es soll just kein feiner Herr gewesen sein und wenn mir recht ist, der Wirt sagte, er hätte ... rote Haare.
Hackert! sagte Dankmar. Wahrscheinlich mein davongelaufener Kutscher, bemerkte er zu Egon hingewandt.
Mit dem Bescheide, dass dessen Nachfrage nicht viel auf sich hätte, entfernte sich endlich Pfannenstiel und liess die beiden Freunde allein, die ihm bei der betroffenen Art, wie sie bei Erwähnung des Rotaarigen sich anblickten und gleichsam verstohlene Zeichen gaben, doch wieder etwas zweifelhaft vorkommen mussten. Er schien mit gutem Gewissen die Tür zuzuschliessen. So kräftig klangen die Schlüssel, als wollte er sagen: Es ist doch besser, dass ihr Beide da festsitzt!
Da sehen Sie nun, begann Egon, als die Schlüssel des Wärters nicht mehr hörbar waren, da sehen Sie, wofür ich hier gelte. Und doch weiss ich nicht, ob ich mich nicht freuen soll, wie schon alle Bande der anhänglichkeit, die mich bestimmen könnten, die Besitzungen zu behalten, gelöst sind. Jener Amerikaner – Ackermann nannten Sie ihn? – lobte den Boden. Nun wohl! Mir ist er nicht günstig und trägt keine Früchte. Man spottet meiner Mutter. Man sehnt sich neuen Zuständen entgegen. Man gibt mich auf. Kann mich Etwas bestimmen, mich hier zu entdecken? Kann ich wünschen, hier erkannt zu sein? Ein unendlich schönes poetisches verhältnis, das mich in