arme unter den schönen männlichen Kopf und streckte sich auf das harte Holz, auf dem er sass, fast der Länge nach ....
Die Erzählung hatte ihn erschöpft, schon in Dem, was er sagte, und schien ihn noch mehr zu erschüttern in Dem, was er verschwieg.
Dankmar wollte, um den schmerzlichen Eindruck zu verwischen und sich selbst von einer ihn drückenden wehmütigen Stimmung zu befreien, das Wort ergreifen, als sie Schloss und Riegel rasseln hörten. Pfannenstiel, der Wächter des Turms, brachte ihnen das Essen aus der Krone und mochte bei sich denken, dass ein offenbarer, überwiesener Spitzbube – denn als solchen hatte ihn noch immer mehr draussen der Tatbestand festgestellt – wohl noch nie hier so gut und behaglich gespeist hätte. Dem jungen Fürsten waren der speisen fast zu viel. Er ass nur einige Löffel von der Suppe, Dankmar gestand von sich einen lebendigern Appetit ein, worüber Pfannenstiel, der auf die Überbleibsel rechnete, wohl nur wenig Freude empfand. Dennoch schien er dem ganzen und dem halben Gefangenen nicht gerade abgeneigt und liess sich auf mancherlei Plaudereien über das Schloss, seine ehemaligen und auch gegenwärtigen Bewohner ein. Es wurde dabei nur das uns Bekannte wiederholt und bestätigt. Neues aber lag in folgender Bemerkung:
Das Glück ist ungleich verteilt, sagte Pfannenstiel. Das ist schon so und man muss es sich vom lieben Gott gefallen lassen. Aber schlimm ist's, wenn der Hochmut die Menschen noch weiter auseinanderbringt, als es das Gold schon tut. Ich habe da oben auch auf dem Schloss eine Schwägerin. Die ist reich geworden, weil mein Bruder, der des Fürsten Wirtschaftsinspektor war, zu seinem Vorteil rechnen konnte. O liebe Zeit, sie ist eine simple Wirtstochter hier aus der Gegend und hat eine Zeitlang nicht gewusst, soll sie meinen Bruder nehmen oder den Jäger Heunisch dazumal oder mich, der ich Schreiber war im Amt und den Amtsdienerposten nehmen musste, weil ich mir beim grossen Brand auf dem Gelben Hirsch hier da den Daumen verbrannte ... und nun stolzirt sie wie ein kalekutischer Hahn und weiss nicht, ob sie ihren armen Schwager noch kennen und grüssen soll. Eine Gans war sie schon immer. Ich glaube nicht, dass sie jetzt schon ihren Namen schreiben kann ....
Die beiden Freunde erinnerten sich der Erzählung des Försters im Gelben Hirsch. Der junge Fürst wusste aber von diesen Dingen noch mehr, als er auf dem Gelben Hirsch verraten hatte.
War Das bei dem Brande, sagte er, wo das junge Mädchen verunglückte, die Schwester des jetzigen Wirts Drossel?
Vor funfzehn Jahren, ja! sagte der Wächter verwundert; die Tochter auf dem Gelben Hirsch, die Braut vom Jäger Heunisch ... Ei, woher weiss Er ... wissen Sie ... woher weiss Er ....
Als Egon kopfschüttelnd über seine Lage, die einen solchen Mann zweifelhaft machte, wie er ihn anreden sollte, schwieg, sagte Dankmar seinen Appetit unterbrechend:
Mein Freund ist aus hiesiger Gegend. Das sehen Sie doch nun wohl, dass Ihr hier keinen Verbrecher vor Euch habt, sondern einen gebildeten jungen Mann, der sich das Schloss und allenfalls auch die Bilder näher besehen hat, weil sie ihm gefielen.
Das wird wohl auch herauskommen, ja! ja! entgegnete Pfannenstiel, den Essenden zusehend. Die Bedienten des Herrn von Harder sind gerade so grob, wie ihr Herr stolz ist. Den alten Gärtner Winkler hat einer so umgerannt, dass er auf den Tod liegt und als die alte Brigitte darüber klagen wollte – sie weiss warum Einer sein Mundwerk hat – drohte man ihr, sie solle sich vor Schlimmerem in Acht nehmen. Solche Bengel! Ordnung ist oben keine mehr. Die Weiber tanzen und musiciren. Der alte Schleicher, der Bartusch, kriecht herum wie's böse Gewissen und möchte mir die Knöpfe von der Livree abschneiden, weil er denkt, es ist noch Silber darin; so geizig und gierig sind die Menschen, in deren Rachen hinein uns der alte Fürst in Gnaden verkauft und verjubelt hat.
Dankmar fürchtete, diese Mitteilungen würden eine Wendung nehmen, die Egon's Wunden aufrisse und beschleunigte die Befriedigung seines Appetits, um nur den geschwätzigen Büttel loszuwerden.
Egon aber schien an dessen Mitteilungen Gefallen zu finden und sagte, ohne seine Teilnahme verbergen zu können:
Also die alte Brigitte lebt noch und der alte Winkler!
kennen Sie denn Die? fragte Pfannenstiel erstaunt. Freilich, wer hat Die hier in der Gegend nicht gekannt! Sie sind wohl aus –?
Aus Schönau! sagte der Fürst.
Aus Schönau! Ja! Da weiss man's auch. Wenn die selige Fürstin die gemeinen Leute einlud – sie mussten freilich singen und beten und Manchem konnte's gar nicht schaden – teilte die alte Brigitte das Warmbier aus, das immer vor'm letzten Vaterunser den Leuten schon von der Küche herauf in die Nase kribbelte. Ach du liebe Zeit, es waren curiose Geschichten; aber doch noch besser als jetzt, wo kein Mensch weiss, was nun aus Hohenberg und Plessen und den herrlichen Gütern werden wird ....
Was wünschtet Ihr denn am liebsten, dass daraus würde? fragte Dankmar, der Egon's Gedanken erriet.
Das ist schwer zu sagen! Übernimmt der junge Fürst das Ganze und befriedigt die Creditores, so stehen wir uns natürlich Alle hier am besten; denn wir bleiben doch, hat erst neulich der alte Winkler gesagt,