zu stehlen, wurde von dem Justizdirector zwar nicht entschieden bestritten, aber doch auch gegen den unziemlich lärmenden Bedienten in Abrede gestellt.
Er griff erst nach den Bildern herum, sagte dieser; dann hob er sie von der Wand, und während wir auf einen Augenblick uns entfernt hatten, wollte er sie geradezu stehlen. Excellenz verlangen, dass Das streng genommen wird, und er muss doch noch vors Hofgericht in die Stadt!
Herr von Zeisel, den ein Grauen überfiel, als vom Hofgericht die Rede war, äusserte, dass hier vielleicht nur eine leichtverzeihliche Neugier obgewaltet hätte, mindestens könne er nicht begreifen, was ein reisender Handwerksgesell, den der Anblick schön ausgestatteter Zimmer gefesselt hätte, mit einem alten unansehnlichen Bilde anfangen sollte, während doch viel kostbarere, kleine transportable Sachen in der Nähe gestanden hätten, die man mit einem kühnen Griff sich hätte aneignen können. übrigens könne ihm in der Tat nicht zugemutet werden, diesen Gefangenen auf derlei geringfügige Aussagen hin der annoch zu Recht bestehenden Ortsjustiz zu entziehen, es müsste denn von einem hohen Obergerichte ihm ausdrücklich befohlen werden. Weit bedenklicher scheine ihm allerdings des Gefangenen gänzlicher Mangel an Legitimation und sein trotziges, hartnäckiges Ablehnen jeder nähern Erklärung, weshalb er auch durchaus nichts dagegen hätte, dass sich der von ihm mehrfach um Vermittelung ersuchte anwesende Herr zu ihm verfüge und von ihm selbst die Willfährigkeit zu Geständnissen zu gewinnen suche.
Dankmarn fielen hier Hackert's Mitteilungen über die Hohenberg'sche Justizpflege ein. Er verstand vollkommen des mildgesinnten Justizdirektors Absicht, dieser Untersuchung so viel wie möglich überhoben, noch mehr aber vor einer Verschleppung derselben an die Kreisgerichte gesichert zu sein. Der Harder'sche Bediente murmelte Vielerlei gegen diese Erklärung, aber die Versicherung des Amtsboten und Gefangenwärters, der Inculpat sässe ja nun criminalisch, bewirkte denn doch, dass der Justizdirector, der wie Alle auf dem land gegen zwölf Uhr ass, die Sitzung aufhob und Dankmarn bat, ihm um drei Uhr Nachmittag, wo er seinen ärztlich befohlenen Ruheschlaf beendigt hätte, gefälligst mitzuteilen, was er von dem störrischen und trotzigen jungen mann, der sich nur ihm hätte anvertrauen wollen, denken solle. Dem Wärter die strengste Obhut anempfehlend, stieg er mit dem Schreiber, der seinen ziemlich leeren Protokollbogen in eine Mappe legte, die baufällige Treppe behutsam hinunter. Der Bediente, Dankmarn mit mistrauischen Blicken musternd, folgte. Der Wärter aber winkte dem staunenden Dankmar und führte ihn noch eine Treppe höher.
Diese brachte ihn erst zu den eigentlichen Gefängnissen, deren der Zahl der kleinen vergitterten Fenster nach zu schliessen, die Dankmar aussen beobachtet hatte, etwa vier oder fünf hier sein konnten.
Sind sonst noch Gefangene da? fragte Dankmar beim Hinaufsteigen.
Nein, erwiderte der Wächter, es fällt jetzt im Ganzen nicht viel vor, und was Politische sind, die kommen gleich weiter ins Provinziale!
Jetzt stand Dankmar im zweiten Stock vor einer stark verriegelten Tür, die erst zu einem Vorplatze führte. Hier umgab ihn völlige Finsterniss. Der Vorplatz war nur von der aufgehenden Tür erhellt, die der Wächter gleich ansichzog.
Ich muss Sie mit einschliessen ... sagte der Mann zu Dankmarn, und war dabei nicht ohne Höflichkeit.
Tut nichts! erwiderte Dankmar.
Sie brauchen nur aus dem Fenster zu rufen: Pfannenstiel! Dann höre ich's schon und komme.
Gut! gut! sagte Dankmar und hörte mit pochendem Herzen, wie Pfannenstiel, dessen Namen er fast überhörte, in der Dunkelheit den Schlüssel an ein Schloss setzte und öffnete.
Die Tür eines kleinen niedrigen Gemachs ging auf und in der Tat, vom spärlichen Lichte, das durch die Gitterfenster fiel, beleuchtet, sass an einer Pritsche, den Kopf aufgestützt, derselbe Fremde da, der sich Dankmarn allerdings nur durch eine Visitenkarte, aber denn doch auch durch seltene Bildung und die feinste Erziehung als Prinz Egon von Hohenberg zu erkennen gegeben hatte.
Da ist der Herr, den Sie sprechen wollen! sagte Pfannenstiel. Und wie ist's nun mit dem Mittagessen? setzte er hinzu.
Gehen Sie in die Krone! sagte Dankmar nach seiner Gewohnheit rasch entschlossen; bestellen Sie das beste Mittagessen, das der Wirt für zwei anständige Personen nur auftreiben kann. Um ein Uhr muss es hier sein! Auch eine Flasche Wein! Verstehen Sie?
Damit drückte er dem Meister Pfannenstiel ein Trinkgeld in die Hand.
Dieser, schon an die möglichen Überbleibsel der Mahlzeit denkend und von dergleichen freigebigen, luxuriösen Inculpaten und Zeugen, die hier selten vorkamen, überrascht, erbot sich zur pünktlichsten Besorgung, rückte mit aller Beflissenheit einen alten Tisch ans Fenster und fragte, ob wohl noch ein Stuhl nötig sei?
Dankmar, mit Gefängnissen vertraut, ergriff die Pritsche, auf der ein alter verfaulender Strohsack lag, warf diesen herunter, rückte das Holzgestell an den Tisch und sagte:
Das ist gut genug zum Sitzen. Viel Meubel machen's hier zu eng ....
Wie Sie wollen, sagte Pfannenstiel und ganz erstaunt, die beiden jetzt zu Inhaftirenden so curios sicher und vertraut sich begrüssen zu sehen – der Andere war allerdings anfangs kaum aufgestanden – schloss er die Tür wieder ab und polterte draussen so gräulich mit seinen Schlössern und Riegeln, dass nach jener Seite hin an ein Entrinnen nicht zu denken war.
Als man das letzte Eisen vorgeschoben hörte, sprang der Gefangene von einem Schemel, auf dem er während der Verständigung zwischen Dankmar und Pfannenstiel, unbeweglich den Kopf in beiden Händen stützend, gesessen hatte, auf und rief:
O mein