sehr ... Also ... Können wir auf die Ehre rechnen? war die Antwort Bartusch's, der sich nicht, wie man sieht, ganz an Melanie's Vorschriften hielt und grade in jene Zeichensprache überging, die Hamlet an Rosenkranz und Gyldenstern so sehr tadelte.
Wetter, dachte Dankmar bei sich und wandte sich ab, wenn man dich wohl gar selbst für den Prinzen Egon nähme und den Gefangenen ... für deinen Vertrauten?
Und indem er noch darüber nachsann, welche Vorteile oder Nachteile für ihn oder den wahren Prinzen aus einem solchen Misverständnisse entstehen könnten, sammelte sich seine juristische Geistesgegenwart zu einer bedachteren Erklärung!
Mein Herr, sagte er kurzweg, richten Sie der Frau Justizrätin meine ergebenste Empfehlung und mein Bedauern aus, diesen Mittag auf die Ehre verzichten zu müssen. Ich höre von einem Gefangenen, der sich auf mich beruft, mich sprechen will. Ich bin Dankmar Wildungen, Referendar am königlichen Appellhofe, lernte auf meiner Hierherreise einen jungen Handwerker kennen, den ich aus Rücksicht auf die erst staubigen, dann nassen Wege in meinen Wagen nahm. Ist der Gefangene derselbe und beruft sich auf mich, so bin ich es meiner Pflicht als Jurist schuldig, ihn in seiner Haft zu besuchen und ihm meinen Rat und Beistand zu erteilen. Wenn die freundlichen Bewohner des Schlosses mir aber bis zum Abend ihre wohlwollenden Gesinnungen erhalten wollen und mich nicht noch anderweitige Gründe bis dahin zur Abreise bestimmen, so werde' ich nicht verfehlen, mich bei Ihnen zum Tee einzufinden. Haben Sie die Güte, Dies der Frau Justizrätin anzuzeigen.
Dankmar verbeugte sich leicht, brach rasch ab und ging in die Krone.
Bartusch stand verdutzt. Diese runde Abfertigung! Diese raschen, ihm eingelernt scheinenden Worte! Diese Namenangabe! Dankmar Wildungen! Referendar am königlichen Appellhofe .... Wildungen! Derselbe Name, der schon in des Justizrats Signalement genannt worden war! Woher kommt Das? dachte er. Wildungen? ... hat der Justizrat vielleicht ... der Justizrat hat ihm wohl selbst diese Ähnlichkeit auf dem Heidekruge angedeutet und nun benutzt sie der Prinz ... denn er ist es, jedes Wort ein Fürst! ... und nennt sich Dankmar Wildungen. Diese kurze, fast brüske Art, dieses bestimmte, sozusagen grobe Wesen, diese Betroffenheit über die Verhaftung eines mindestens sehr neugierigen Eindringlings in die inneren Räume des Schlosses! ... Bartusch blieb bei der Voraussetzung, dass, wenn einmal der Prinz Egon im Incognito das Schloss Hohenberg zu besuchen sich aufgemacht hätte – wofür Schlurck ohne Zweifel die sichersten Beweise hatte – der Prinz Niemand anders sein könne als dieser Fremde, der sich nach Mitteilungen, die Schlurck wahrscheinlich schon im Heidekrug selbst erzählt hatte, ein Geschäft mit einem verlorenen Frachtgute mache und sie Alle irreführen wolle. Sehr erbaut von seinem Scharfsinn, unzufrieden nur mit der Erklärung des Fremden, erst am Abend kommen zu wollen, stieg Bartusch, um der in brennender Ungeduld harrenden Melanie Bericht zu erstatten, schon heute zum zweiten male wieder zum Schloss empor.
Dankmar aber wartete jetzt nur noch das allmälige Verlaufen der Leute ab, um sich sogleich zum Justizdirector von Zeisel und von da zum Turm zu begeben.
Kaum konnte er sich fassen über den Gedanken, wie ein so unglückliches Begegniss auf den jungen hochgestellten Mann, der ihm sicher der Prinz Egon von Hohenberg war, hereinbrechen und auf ihn wirken musste. Überfallen, dachte er sich, vielleicht mishandelt, unter Zulauf der Menschen wie ein Verbrecher durch den Ort geführt!.. Diese Besorgniss milderte jedoch der Wirt, der erzählte, man hätte den Dieb sogleich auf dem kürzesten Wege, ohne alles aufsehen, hinter dem Ort in den Turm gebracht ...
Dankmar begab sich jetzt aufs Amtaus, wo ihm die Düfte der von Zeisel'schen Mittagstischvorbereitungen entgegenwallten und er erfuhr, dass der Justizdirector mit dem Schreiber bereits drüben im Turme wäre. Dort angelangt fand Dankmar noch ein Dutzend Neugieriger, die an der geöffneten Verliesstüre gafften, als wenn hier Jemand Pranger stehen sollte.
Geht nach haus, rief er ärgerlich; die Grütze wird Euch kalt!
Beim Eintritt in den Turm wusste sich Dankmar nicht gleich zurechtzufinden. Das alte Gebäude sah von aussen kleiner aus, als sich die innere Räumlichkeit darstellte. Der Boden war der reine blosse Sand; unterirdisch schien es also hier keinen Gewahrsam zu geben. Das durch die Tür hereinfallende Licht liess zur Rechten eine schmale hölzerne Treppe erkennen, die empor führte. Dankmar bestieg sie und entdeckte sogleich einen der wahrscheinlich Herrn von Harder angehörenden Bedienten; wenigstens war dieser von Bartusch ausgesprochene Name Schuld, dass er beim Anblick des Bedienten sich sogleich der bekannten Uniform jener vielvermögenden Familie der Harder's entsann, deren Haupt der alte neunzigjährige Chef der ausübenden Justiz des ganzen Landes war. ...
Wir haben Sie schon kommen sehen, sagte der Bediente kurz und ziemlich impertinent, treten Sie nur hier ein!
Eine kleine niedrige Tür öffnete sich und in einem grösseren Gemache, das die ganze Rundung des Turmes begriff, von einem Fenster aber nur spärlich erhellt war, fand er den Justizdirector, einen Schreiber und den neben dem Turm wohnenden Wächter, der eine alte abgeschabte fürstlich Hohenberg'sche Livree, hellblau mit rot, und ein gelbes Schild auf der Brust trug ....
Dankmar erfuhr hier, was er schon über den Schlossvorfall wusste und wiederholte über den Gefangenen Dasselbe, was er zu Bartusch gesagt hatte. Die Absicht des Gefangenen, im Schloss