der Alten, wurde elend und krank und da gab ich sie in die Stadt zurück.
Daran tatet Ihr am besten, und ich versichere Euch, Fränz Heunisch ist gewiss eine tugendhafte Putzmacherin, die allen ihren Kameradinnen als Muster aufgestellt werden kann.
Sind die so –?
Ich verspreche Euch, Heunisch, mich nach ihr zu erkundigen, und seid gewiss, ich brauche nur zu horchen, was sie für Umgang und allenfalls was für einen Liebhaber sie hat, so weiss man schon ...
Keinen Liebhaber! Ich versichere Sie, Herr! Keinen Liebhaber!
Warum nicht, Heunisch? Wenn's der rechte ist? Es gibt tugendhafte Putzmacherinnen, die sich die Männer erst ansehen, ehe sie mit ihnen Landpartien machen. Verlasst Euch darauf! Ihr verdient es, eine brave Nichte zu haben. Auf Wiedersehen, Förster! Eilt jetzt, dass Ihr zur Ursula kommt!
Der Jäger, Dankmarn freundlich die Hand schüttelnd, wandte sich um und ging mit beschleunigten Schritten vorwärts, seinem haus zu. Dankmar aber blieb eine Weile stehen. Er hätte schwören mögen, diese Rechnung beträfe nur ihn, Hackerten und das Ross des Pelikanwirts. Die speisen waren nicht genau angegeben, sondern in Bausch und Bogen die ganze Zehrung genommen .... Der nächtliche Waldbesucher war doch wohl nur Hackert, dessen Spur ihm so ganz entschwunden war .... Unter dem Ebereschenbaum hatte er geschlafen .... Wie kam er zu diesen Kugeln? Wie war es möglich, dass ihn diese Ursula als das verjüngte Ebenbild ihres Bruders erkannte? Als einen Verwandten, den sie mit Höflichkeit wie etwas Vornehmes auszeichnete? ... Alle diese Betrachtungen liefen darauf hinaus, dass ihm, wenn Hakkert in diesem Augenblicke plötzlich aus dem Gebüsch getreten wäre, das Wiederfinden einen nicht eben sehr erfreulichen Eindruck gemacht hätte. Dazu die verworrenen Reden über jene Ursula Zeck ... über das Unglück, vielleicht ... den gewaltsamen Tod zweier jungen Mädchen .... Die Stille des Waldes weckte Dankmar's Phantasie und die unheimlichsten Gestalten umgaukelten den einsamen Wanderer. Erst als er endlich den Weg sich am äussersten Ende lichten sah, wurde ihm freier zu Gemüt, und vollends erlöst atmete die Brust erst auf, als er, die ihm jetzt doppelt widerwärtige Schmiede vermeidend, durch die Gärten von Plessen über den Mühlbacharm der Ulla in das Wirtshaus zur Krone zurückkehrte und überall wieder Sorglosigkeit, wieder Unschuld, wieder ergebene Ruhe aus den Augen der arbeitenden Männer in den Gärten und der beschäftigten Frauen und spielenden Kinder ihm entgegenlachte. Es war ihm nach der Waldscene wie dem an Kohlendunst fast Erstickenden, der im Nebel und Dampf eines Zimmers nur noch soviel Kraft besitzt, das Fenster aufzureissen und die Frische der reinen Luft in die sich gewaltsam hebenden Lungen einzuatmen ....
Die überraschenden Einladungen, die er in der Krone nun vorfand, konnte er nicht ahnen. Es waren deren zwei. Eine ins Schloss und eine zweite, merkwürdig genug ... in den Turm, an dessen fuss er gestern im Grase träumend gelegen hatte.
Viertes Capitel
Der Turm
Als sich Dankmar der Krone näherte, war es ihm auffallend, dass ihm schon in der Ferne die Wirtsleute winkten und ihm anzudeuten schienen, er möchte sein Kommen beschleunigen.
Bello sprang so gut er konnte voraus und nicht wenig erstaunt war Dankmar, schon das Tierchen vom Wirt, der Frau Wirtin, allen Hausknechten und Mägden mit einer Art von Feierlichkeit begrüsst zu sehen. Wie stieg aber sein Befremden, als man endlich vor ihm selbst die Mütze zog und sich wie vor einem grossen Herrn verneigte! Man zeigte ihm nämlich im sonderbarsten Durcheinander zu gleicher Zeit an, dass er aufs Schloss – nein! riefen Andere, die sich neugierig dazu gesellten, in den Turm! ... Was in den Turm? sagten Jene wieder, ins Schloss – geladen sei.
In den Turm? Aufs Schloss? wiederholte Dankmar befremdet.
Einer suchte dem Andern den Rang abzulaufen und ihm zu erzählen, wer ihn zu sprechen wünsche. Man konnte dabei kaum begreifen, wie ihm die Erläuterung seiner Einladung in den Turm weit wünschenswerter war, und immer wieder fingen sie von einem kleinen sehr wichtigen Herrn an, der eigens vom schloss heruntergekommen wäre, sich mit der grössten Artigkeit nach ihm erkundigt hätte und ihn bäte, heute Mittag mit den gnädigen Herrschaften oben zu speisen. Das war der Inhalt der klaren Rede, die sich die Frau Kronenwirtin durch all das Geschwirre endlich angebahnt hatte.
Viel gespannter aber sah Dankmar dabei auf die inzwischen stummen Gruppen der Umstehenden, die ihm von einem auf dem schloss gefangenen Taugenichts erzählten, der in seiner Todesangst bäte, man möchte den jungen fremden Herrn im Reitrock aus der Krone zu sich ins gefängnis führen ... ehe er baumeln müsse, sagten die Leute lachend.
Dankmar hatte noch keine Veranlassung gefunden, in der Krone seinen Namen zu nennen; aber die Beschreibungen sowohl von Seiten der Schlossbewohner, wie von Seiten des Turmgefangenen, trafen so vollkommen auf ihn zu, dass es gar keiner Frage, ob man sich auch nicht in seiner person irre, bedurfte, sondern seine eigene Neugier nur zu erwarten hatte, wie sich ein so vielfach begehrter Herr in diesen auf ihn gerichteten Ansprüchen benehmen würde ...
Dankmar fand zunächst in der Einladung, auf dem schloss zu speisen, nichts als eine freundliche Aufmerksamkeit gegen einen Fremden, von dem man vielleicht – so dachte er – erfahren hatte, dass ihm der