's mir nicht an, gelt? Aber ich bin's. Und die Ursula Marzahn hustet und hustet und ächzt und stöhnt und ist jetzt dreiundsiebzig Jahre und sie ist bei mir geblieben und ... was die Leute reden ....
Was reden die Leute? fragte Dankmar den Jäger, der nun gehen wollte.
Ich sag' immer, der Mensch soll leben, als ging' er grade der Nase lang! sagte Heunisch und steckte die Pfeife ein, die ihm ausgegangen war.
Schlecht und recht, meint Ihr?
Das zuerst und dann nicht links, nicht rechts sehen und sich kümmern, was wohl Alles an Dem sein möchte ....
Die Wahrheit fliehen, Heunisch? Den Glauben teil' ich nicht .... Was sagen die Leute?
Es ist besser, Herr! Ich hab's auch der Fränz geschrieben, die mir einmal Etwas von dem seligen Fürsten klagte. Kind, schrieb ich ihr, lass die Nachforschung und tu' deine Arbeit ohne Nachdenken!
Dankmar mochte nicht weiter forschen, erstaunte aber über des Jägers plötzlich bleicher gewordenes Antlitz.
Ich halt' Euch auf ... sagte er.
Nein, nein, meinte Heunisch; ich plaudere mit Ihnen aus dem nämlichen Grund. Ich mag nämlich gar nicht in mein Haus, solange die Fremden da sind. Ich dränge mich nicht in die Heimlichkeiten der Ursula ....
Ihr habt viel Zartgefühl, Heunisch ....
nennen Sie Das so? Es könnte vielleicht auch anders heissen ....
Nichts Schlimmeres aber! Ihr seid die Rücksicht selbst.
Doch! doch! nennen Sie's nur Furcht ....
Furcht?
Furcht, Das zu wissen, was Eins besser nicht weiss ....
Wie Heunisch diese Worte sprach, stand er nachdenklich und blickte mit starrem Auge bei Seite.
Was ist Ihnen, Heunisch? fragte Dankmar, erschrocken über des Mannes nachdenklichen Zustand. Es steigen Ihnen unfreundliche Erinnerungen auf?
Ja! ja! Aber lassen Sie nur, bester Herr, sagte Heunisch, fast tonlos. Ich habe an meine erste Braut gedacht und an die zweite – ich kann's ja allein hier bedenken an dem alten Doppelbaum, der in zwei Stämmen aufschiessen wollte und in beiden verdorrt ist. Gehen Sie nur weiter! Ich mag nicht nach haus; ich setze mich so lange daher.
Dankmar legte dem bewegten Jäger die Hand auf die Schulter und sagte:
Ihr denkt Eurer beiden Verlobten! Beide starben! Beklagenswerter Mann! Und Ihr musstet ein Ungetüm neben Euch dulden, das Euch Eure einsamen Tage zu einer ewigen Folter machte. Habt Ihr Das ertragen können?
So nicht! So nicht! bester Herr! sagte der Jäger. Ihr hörtet's ja, der Brunnen ist verschüttet und der Sumpf ist ausgetrocknet. Die Ursula hat mich nie gequält, niemals, ich müsste lügen. Sie hatte einen heftigen, rohen Menschen geheiratet, meinen Vorgänger, den Marzahn. Der schlug sie und sie duldete das. Als er starb, es war ein noch junger Kerl, aber er hatte sich dem Trunk ergeben und ging vor der Zeit hin, als er starb, hätte sie sich erlöst fühlen sollen. Aber so verblendet war die Narrheit der Frau, die über zwanzig Jahre mehr zählte, als ihr Mann, dass sie ihn wie eine Verrückte beweinte und damit die Fürstin rührte, dass Die sie wohnen liess, bis ich kam. Von stunde' an hat sie sich auf eine kleine stube, die dunkelste, beschränkt, die ich gar nicht gemocht hätte, weil sie mir vorkommt, als müsst' es drinnen spuken. Sie hat mich gepflegt, wenn ich krank war, die Ursula, mich bedient wie eine Magd, die Ursula, sie hat – sollten Sie's glauben, Herr ....
Es ist zum lachen? Warum lacht Ihr, Heunisch?
Ich kann's gar nicht sagen ....
Wetter, Ihr seid ja verschämt wie ein Mädchen ....
Ich möchte nur wissen, ob die Ursula dahintersteckte ....
Hinter welchem Busch denn?
Dass ich sie heiraten sollte, Herr!
Dankmar wollte lachen und konnte nicht.
Mein Seel! Kein Spass! Der Blinde, der sich nach Marzahn's tod in Plessen angesiedelt hatte, sprach mich darum an, ich sollte die Schwester doch heiraten ....
Hm! Und beide Bräute starben Euch – vor oder nachher?
Vorher! Ich lachte bloss und schlug's aus. Seitdem sprach der Bruder kein langes Wort mehr mit mir, so oft ich in der Schmiede vorsprach. Heute seit Jahren gönnt' er mir einmal wieder die erste Anrede. Aber die Ursula ... nein! nein! die konnte von dem tollen Antrag nichts wissen oder sie hat sich damals ihrer sechszig Jahre geschämt. Sie ist freundlich und gut mit mir geblieben, ob ich sie gleich manchmal recht fürchte und ein Grauen vor ihr habe ....
Dankmar voll Teilnahme meinte:
Geht denn doch lieber ins Jägerhaus! Wenn Ihr wie andere Menschen seid, freut Ihr Euch gewiss, wenn um Euch her Alles heiter und glücklich ist. Ursula's Besuch wird sie überraschen und wenn sie keine Geheimnisse vor Euch hat, teilt sie Euch mit, was sie Frohes erlebt hat, und erfreut Euch selbst.
Nein, nein, ich bleibe noch fort! sagte der Jäger, der