angeschmiert, und der sei froh gewesen, sich stillzuhalten und zu schweigen, denn machen hätte er nichts können und das Auslachen gefürchtet. kommt dann der Handel vor Gericht und verlierst du ihn, so wird es allgemein heissen, es geschehe dir ganz recht, man hätte dir das vorher sagen können. Man hätte aber nicht geglaubt, dass du so schlecht seiest, vor so einem müsse man sich in acht nehmen; werdest aber das Geld nötig haben, es hätte ihnen schon lange geschienen, es gehe nicht am besten. So werden sie reden, Uli, darum mach aus, ich bitte dich um Gottswillen; leide Schaden, er wird nicht gross sein, und wie gross er ist, weisst du. Wie gross er aber werden kann, wenn du prozedierst, das weisst du nicht und davor graut mir."
"Ho," sagte Uli, "gesagt ist nicht, dass es einen Handel gebe, er wird sich wohl bedenken, ehe er angreift. Dumm wäre es ja von mir, wenn ich gleich nachsagen wollte, was man mir vorsagt, dafür bin ich doch endlich nicht auf der Welt. Aber das Gescheuteste wäre, man würde von solchen Dingen den Weibern nichts sagen, sie verstehen nichts davon, meinen es doch und haken es gewöhnlich mit allen andern Menschen, nur nicht mit dem mann."
"Rede doch nicht so!" sagte Vreneli, "es tut mir sonst weh, und ich verdiene es gewisslich nicht. Mit wem wollte ich es halten als mit dir, denn wen habe ich auf der Welt als dich Wenn es dir gut geht, geht es mir gut, und geht es dir übel, wer muss zuerst aushalten als ich? Aber ich bitte dich, sei doch nicht wie die andern Menschen mit ihrem Gestürm von Mit, halten und nicht Mitalten, das hat mich schon oft fast die Wände aufgetrieben. Der hält es mit mir und der hält es nicht mit mir, hört man alle Tage, und wenn ich es höre, möchte ich allemal beten: Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Wer einem Menschen, der über Vater und Mutter schimpft, über die Meisterleute flucht, die Obrigkeit lästert, schimpfen, fluchen, lästern hilft, ihm den Zorn noch heisser anbläst, den Kopf noch grösser macht, von dem heisst es: Das ist ein braver Mensch, hat Verstand, der hält mit mir; oh, wenn die Leute alle so wären, dann wäre es noch zu leben in der Welt! Wenn ich aber einem verirrten kind, einer erbosten Magd, einem Taugenichts zuspreche in wahren Treu, en, weil ich Erbarmen mit ihnen habe und mit unverblendeten Augen den Ungrund ihres Geschreis sehe und den Ausgang, wenn sie so fortfahren, so schreien sie, ich sei wider sie, halte es mit den Andern, begehren schrecklich auf gegen mich, und grossen Verdruss habe ich von meinem Zuspruch. So haben es die Menschen mit dem Mitalten. Wer akkurat ins gleiche Horn bläst, in welches sie blasen, und akkurat in der gleichen Tonart, in welcher sie blasen, von dem sagen sie der sei ein Guter, halte es mit ihnen, und wer das nicht tut, sondern redet der Sache gemäss, über den erzürnen sie sich, schimpfen; nach einigen Tagen und einigen Jahren sehen sie, wer es eigentlich gut mit ihnen gemeint, das heisst es mit ihnen gehalten. Denn mit einem halten, meine ich, heisse nicht mit einem dumm tun, ihn noch dümmer machen, sondern seinen Vorteil im Auge haben, oder wie es heisst im Eid: Schaden wenden, Nutzen fördern. Nun, lieber Uli, halte ich es fort und fort, in Freud und Leid, in gesunden und kranken Tagen mit dir, wie ich es dir verheissen habe, des sollst du überzeugt sein, aber ich möchte eben auch Schaden wenden und Nutzen fördern, und wo meine Augen anders sehen als deine, da sage ich es dir, und das nimm mir ja nicht übel, vier Augen sehen ja, wie das Sprüchwort sagt, mehr als zwei, und deswegen auch wird der liebe Gott den Ehestand eingesetzt haben."
"Oh," meinte Uli, "wegen selbem wird es ihm wohl nicht gewesen sein. Ich weiss eigentlich wohl, dass du es gut meinst, aber gut Meinen und Verstehen sind zwei, und nebendem regieren die Weiber gerne; jedes will den bessern Daumen haben von wegen der Ehre, und die grösste Kunst ist das, Meister sein und alles zwängen und doch die Gute sein und vor den Leuten als eine Demutsvolle gelten."
"Sei nicht böse," sagte Vreneli, "lass deinen Verdruss mich nicht entgelten, ich meine es so gut. Es ist schlimm, wo über die Meisterschaft geredet wird, denn da ist Streit. Ich meine, das Beste solle immer geschehen, da solle man nicht fragen, welche von den vier Augen, welche Gott zusammengefügt, es gesehen, sondern eben alles prüfen und das Beste erwählen. Und mit dem Verstehen ist es so, wie unser Heiland sagt: oft begreift ein Unmündiger, was den Weisen der Welt verborgen bleibt. So weiss sicher oft ein dumm Weib besser, was schlicht und recht ist, als so ein Kabinettskopf und Rechtsfresser in all seiner gestudierten Weisheit."
"Ho," sagte Uli, "das kann zuweilen der Fall sein zur