gekommen, und wie es den Rest des Nachmittags zugebracht. Es konnte sich nicht innig genug ausdrucken, wie zufrieden es geworden mit seinem Schicksal, Uli nicht sattsam genug zu Gemüte führen, wie sie Ursache hätten, Gott zu loben und zu preisen für seine Güte an ihnen. Wenn sie nur genügsam wären, so hätten sie mehr als genug, brauchten sich nicht so zu kümmern ums – tägliche Brot und hätten doch immer noch was übrig, dem Dürftigen zu helfen in seiner Not.
Uli hatte die Not nicht selbst angesehen, hatte überhaupt nicht die Fertigkeit, sich in eine fremde Lage hineinzudenken, als ob es die eigene wäre, er nahm daher die Sache kaltblütiger und widerredete; er war fast anzuhören wie ein alter Bauernaristokrat oder Dorfmagnat und stunde doch so nahe in jeglicher Beziehung der Grenze, innerhalb welcher die Menschen wohnen, von denen er so über die Achsel hin sprach. Man müsse das nicht so nehmen, sagte er, das komme ihnen nicht halb so streng vor als andern Leuten, sie seien daran gewöhnt und kennten es nicht besser. Sei der Verdienst auch nicht gross, so hülfen sie mit Bettelei nach und Stehlen, und je mehr Kinder sie hätten, desto mehr trügen sie ein, wie die Bienenstöcke auch den meisten Honig hätten, in welchen die grössten Schwärme wohnten. übrigens müsse man sich hüten, ihnen alles zu glauben, zumeist sei es schon an der Hälfte zu viel. Betteln sei halt ihr Handwerk, je nötlicher sie zu tun wüssten, desto mehr trüge es ihnen ab, und je mehr sie gewahreten, dass man ihnen höre und glaube, desto dicker lögen sie, das sei halt nicht anders. Es gebe Leute, sie wüssten einem nicht bloss das Geld aus der tasche, sondern fast die Augen aus dem kopf zu schwatzen; wahrscheinlich gehöre das Mensch, bei welchem Vreneli so viel Mitleid und Rührung aufgelesen hatte, auch zu dieser Sorte. "Und was nicht zu vergessen, diese Leute haben gar viele Sorgen und Plagen nicht, welche wir haben. Haben sie gegessen, so sind sie fertig, legen sich schlafen, und wenn es wieder Zeit zum Essen ist, stehen sie auf, verlassen sich darauf, dass wieder was auf dem Tische sei. Unsereiner muss für alles sorgen, sorgen, wo er den Zins nehme, woher er Speise schaffe, am Ende noch grossen Lohn, und tut er obendrein nicht jedem alles, woran er sonst noch denkt, muss er ein wüster Hund sein. Hat man endlich dieses alles überstanden und gemeint, man sei mit jedem fertig, so kommt einem unerwartet was zwischendrein, ob welchem man aus der Haut fahren möchte."
"Mein Gott, was ist, hat es einem kind was gegeben?" fragte Vreneli erschreckt. "Das nicht," sagte Uli, "sie sind alle wohl, haben nur nicht viel nach dir geweint (ein schlechter Beruhigungsgrund), aber da kam einer wegen der Kuh, welche ich letztin verkauft, sagt mir wüst, droht mir mit einem Prozess, oder ich soll die Kuh zurücknehmen, Kosten zahlen und der Teufel weiss was alles. Ich habe ihn unsauber vom haus weggejagt, aber die Sache ist mir doch nicht am rechten Ort. Geht er zu einem Agenten, so habe ich einen Handel am Halse, und wie recht ich auch habe, so weiss man wohl, wie es geht, wenn mal die Hagle die Finger darin haben." "Was klagt er, was ist ?" fragte Vreneli. Nun trug Uli die geschichte vor, soviel er aus des Mannlis Gestürm hätte klug werden können, wie er sagte. Er selbst trug aber auch nicht zu der Verdeutlichung der geschichte bei, denn es war einer von den zahllosen Händeln, welche sittlich und christlich schlecht sind, wo bloss das formelle Recht in Frage gestellt werden konnte, welches in der Schweiz nach Ordnung verzwickt werden kann, da bei den engen Grenzen der Kantone, wo täglich hinüber und herüber gehandelt wird, gezankt werden kann, nach welchen Gesetzen der Handel geschlossen worden oder nach welchen er entschieden werden solle. Vreneli begriff die Sachlage alsbald und sagte: "Aber Uli, wie kannst du so handeln! Wie oft habe ich dir doch angehalten, du möchtest ehrlich sein und niemand anführen (betrügen soll man ja nicht sagen), auch den fremdesten Menschen nicht! Das bringt nicht Segen, macht einen schlechten Namen, und wie wenig oder nichts trägt es dir ab!"
"Oh," sagte Uli, "es machte mir wenigstens zehn Taler Unterschied, und zehn Taler sind nicht zu verachten, besonders wenn man sie so nötig hat wie ich, zehn Taler findet man nicht auf der Gasse." "Aber Uli, was sind zehn Taler, wenn du nun allgemeinverbrüllet wirst, wie du einen angeschmiert!" "He," sagte Uli, "es macht jeder, was er kann. Warum ist er ein Narr und glaubt mir? Ich bin nicht der Erste und werde nicht der Letzte sein, der zu lösen sucht, so viel er kann, da, gegen wird wohl kein vernünftiger Mensch viel haben können."
"He ja," sagte Vreneli, "das ist so; rühmst du den Handel in einem wirtshaus, so wird dir jedermann beipflichten, sagen, gerade so müsse man es machen, und jeder wird zu er, zählen wissen, wie er diesen oder jenen noch zehnmal ärger