diesem Gliede sind sie stark, ganz verflucht, ja brauchen nicht einmal Most, geschweige Wein, um ganze Ballen Eigenlob, -ruhm, -preis tschuren zu lassen in die Welt hinaus, siehe Tagsatzungsprotokolle. Vom schmählichsten Renommage wollen wir nicht einmal reden. Das Männlein war nun freilich kein St. Galler, aber es konnte doch nicht fertig werden mit Rühmen, wer er sei und was sein Fraueli sei und wie er Kinder habe und was sie täten und wie sie sich erzeigen wollten in der Welt, dass man weit und breit von ihnen reden müsse, man möge wollen oder nicht.
Vreneli ward wind und bange, aber es konnte nicht von ihm kommen, und gehen heissen mochte es ihn auch nicht. So viel Mitgefühl hatte es, dass es niemand einen Kübel kalt wasser über den Kopf goss, wenn er in süssen Träumen befangen lag. Solch Glück ist gar zu selten in der Welt, und wer ein gut Herz hat, jagt sicherlich niemanden, der in solcher Wonne liegt, süsser als in einem warmen Bette, daraus auf.
Vreneli wusste, dass ihm ein Gewitter wartete, und je länger eine schwarze Wolke stocket, das heisst mit Elektrizität sich auf bläht, desto härter kracht es, wenn es mal losbricht. Der Mann ass nicht mehr, dann trank er auch nicht mehr, endlich gab er selbst das Sitzen auf und stunde, so gut er konnte, aber das Reden wollte kein Ende finden; es war akkurat, als ob er auch so ein auf ein Pfäfflein gepfropfter St. Galler Diplomat sei, und doch war er nur ein ganz gemein Knechtlein, schwatzte nicht einmal um den Taglohn, nicht einmal, um dann daheim sagen zu können: "Dunder, denen hab ichs gesagt, habt ihrs gelesen?", sondern wirklich von Herzen, und schwatzte und stunde, und ging und stunde und schwatzte, dass es Vreneli den Schweiss austrieb und es ihm, als es endlich dessen rücken sah, leichtete, als hätte es wenigstens eine halbe Kindbetti glücklich überstanden.
Nun musste es ans Zweite hin, musste die geschwollene Wolke sich entladen lassen. Das Ding ging aber nicht halb so leicht als eine andere elektrische Flasche, welche man nur mit einem Finger zu berühren braucht, um sie in allen Gliedern zu fühlen. Uli schmollte eine Weile, indessen endlich brachs doch los und wüst. Es habe sich alles gegen ihn verschworen, um ihn zu Boden zu machen, polterte er, sogar den Herrn des Regens und des Sonnenscheins rechnete er darunter. Der heutige Tag koste ihn wenigstens drei Gulden, nicht gerechnet, was die verspätete Arbeit schade. Wenn er genug hätte bis obenaus, so stehe noch so ein Hagel vor dem haus und bitte zu Gevatter. Das sei sonst nicht erhört gewesen, dass man fremde Leute, welche ihr Brot mit Mühe verdienen müssten, zu Gevatter genommen, sondern reiche Leute, welche es hätten und vermöchten. Das käme aber nur daher weil Vreneli die vornehme Frau spiele; da meinten die Leute, was dahinterstecke, und wüssten nicht, dass sie bald fertig seien. Das sei wieder so ein Spass von zehn Gulden, nicht gerechnet, was später ausgerichtet werden müsse. Er hätte geglaubt, Vreneli hätte so viel Verstand, den Lümmel mit ein paar Batzen und einer langen Nase weiterzuschicken. Aber nein, da müsse das Gebettel angenommen sein; die vornehme Frau habe es gemacht, werde gedacht haben, welche schöne Gotte es vorstellen werde. Nun könne es aber sehen, wie es es mache, er gebe keinen Kreuzer dazu, es wisse dann ein andermal, ob es zusagen solle oder nicht. Er hätte nie geglaubt, dass es es ihm so machen würde, aber wenn es nicht gute, so wolle er stossen, wo es ziehe; je eher der Karren über Bord fahre, desto lieber sei es ihm.
Vreneli kam diese Rede über den Magen, die Augen blitzten, doch vergass es die Manieren nicht. "Weisst du, wie die Base dem Vetter sagt, wenn er so wüst tut wie du jetzt?" fragte Vreneli. "Er sei der wüsteste Unflat unter der Sonne, und gute Lust hätte ich, dir auch so zu sagen. Ganz unbegründet fährst du über mich aus, und wenn was geht, das dir nicht recht ist, dreschest du es auf meinem rücken aus. Dass du kein Geld hast, dafür kann ich nichts, ich habe weder Wirt noch Müller was verkauft, und wenn du mit ihnen zur Rechnung kämest, so würdest du sehen, wo dein Vermögen steckt. Heute habe ich weder hageln noch schneien lassen, und dass ich zu Gevatter gebeten wurde, ist nicht meine Schuld, und wenn du wieder bei dir selbst bist, so wirst du einsehen, wie wüst es gewesen wäre, wenn ich es ausgeschlagen hätte. Du weisst, wie es einem ist, wenn man zu Gevatter bitten muss, aber erfahren hast noch nicht, wie es einem tut, wenn man grob abgefertigt wird, und was meinst, wie hätte es dem armen Fraueli getan, wenn der Mann ihr den abschlägigen Bescheid heimgebracht Da hätte es geheissen, ich sei vornehm geworden und schäme mich seiner, und es hätte geweint, weil seine letzte Freundin ihm untreu geworden; denn je weniger Leute man hat auf der Welt, desto weher tut es einem, wenn diese abfallen, und wenn man endlich niemanden mehr hat, dann sollte einem das Herz