und doch sei nicht einer gefallen. Der arme Joggeli bedachte nicht, dass säen und wässern der Mensch kann, aber nicht das Gedeihen geben. Ob dicht oder dünn das Korn auf dem Acker steht, ob aufrecht oder ob es auf dem Boden liegt, das ist Gottes Sache. Wer es zu treffen wüsste allezeit, wüsste, ob viel oder wenig säen gut sei, ein kalter Winter käme oder ein milder, der wäre eben ein Hexenmeister, aber solchen gibt es nicht; es ist ein Einziger, der dieses weiss, und der ist eben der, der kalte oder milde Winter macht, und der ist Gott.
Bei allem Segen hatte Vreneli das Herz voll Angst. Niemand besser als es wusste, was jene Opfermahlzeit, Sichelten genannt, verzehrt hatte unter Joggelis Regiment. Im ersten Teile vom Uli steht auch was darüber zu lesen. Dass sie dieselbe nicht nach dem gleichen Masse auszurichten vermöchten, das wusste Vreneli wohl, aber wieviel Uli abbrechen wolle und wieweit es das Verlästert werden zu fürchten hätte, das wusste es nicht. Vreneli war tapfer, das wissen wir, aber es fürchtete sich doch vor böser Weiber bösen Zungen; es wusste, dass weiter, als die Blitze fahren, weiter, als die Winde wehen, böser Weiber böse Töne tönen. Einige Wochen vorher hatte Vreneli Uli Milchgeld eingehändigt mit dem Bemerken, es werde eine Zeitlang nicht mehr viel geben; was es immer erübrigen könne an Milch, müsse zu Butter gemacht werden für die Sichelten. Darauf hatte Uli gesagt: "Allweg wird es was brauchen, aber den Narren wirst nicht machen wollen, ich bin nicht Joggeli und du einstweilen keine Bäuerin." "Weiss wohl", sagte Vreneli. "Zu tun wie sie, kommt mir nicht in Sinn, aber wenn man es nur gering macht, so wird es dir grauen. Du weisst gar nicht, was es braucht an solchen Tagen." "He", sagte Uli, "so macht man es noch geringer, bis es einem nicht mehr darüber graut. Gesetz darüber, wieviel einer ausrichten müsse, wird keines sein." Dieses Gespräch hatte Vreneli nicht vergessen, darum war ihm so bange. Es sah voraus, dass Verdruss kommen müsse. Uli wollte es nicht gerne böse machen, abbrechen ganz und gar brachte es nicht übers Herz, auszuhausen im ersten Jahre begehrte es auch nicht, da war es fast noch böser als anderwärts, die rechte Mitte zu treffen. Es suchte mit Sparen abzuhelfen, brach sich die Milch am mund ab, und doch ward ihm fast schwarz vor den Augen, wenn es seine Vorräte musterte und dann dachte, wie manchen Kübel voll geschmolzener Butter ehedem an diesem Tage die Base verbacken hatte.
Eines Tages nun, als Vreneli im Schweisse seines Angesichts haushaltete und eben dachte, kommod wäre es ihm, wenn es vier hände hätte, mit zweien könne es kaum alles beschicken zu rechter Zeit, kam die Base, setzte sich aufs Bänklein und fragte: "Kann dir was helfen, so sags. Die leute werden hungerig, wollen lieber früher essen als später, und eine alleine kommt fast nicht zurecht, habs oft erfahren." "Wahrhaftig. Base." sagte Vreneli. "Ihr kommt mir akkurat wie ein Engel vom Himmel; wenn ich Euch nicht hätte, ich wüsste wahrhaftig nicht, wie ich es machen sollte. Will die Erdäpfel vom Brunnen holen, Ihr seid dann so gut und beschneidet mir diese." Flugs war Vreneli wieder da, stellte das Körbchen der Base dar samt einem Kessel mit wasser, in welchen die zerschnittenen und gerüsteten Kartoffeln zu werfen waren, und half ab- und zugehend der Base. "Habt ihr es abgeredet mit der Sichelten, wie ihr es machen wollt?" fragte diese. "Nein," sagte Vreneli, "aber sie macht mir grossen Kummer. Es ist Gottlob ein gesegnetes Jahr, und wir können Gott nicht genug danken, dass wir einen solchen Anfang haben, aber Uli ist doch ängstlich wegem Zins, und ich kann es ihm nicht verargen. Es ging ihm gar schwer, bis er hatte, was er hat, und dass er nicht gerne plötzlich darum kommt, ist begreiflich. Ich fürchte daher, er werde nicht Geld brauchen wollen, sagen, es trage nichts ab, und schuldig sei man niemand was; man solle zufrieden sein, wenn man am Ende des Jahres alles ausgerichtet habe, was man schuldig sei. Aber es käme mir schrecklich vor, wenn wir im Trockenen sitzen, an Käs und Brot kauen müssten und dies noch an einem solchen Orte." "Selb nicht, daran wird er nicht denken", sagte die Base. "Ich dachte auch daran, die Sache mache euch Ungelegenheit. Dass ihr es nicht haben könnt wie wir, versteht sich; es machte mir manchmal fast übel, wenn ich zwei Tage lang küchelte und unter den Händen gingen mir die Küchli an den Türen weg, dass mir für uns keine bleiben wollten. Aber ungerne hätte ich es doch, wenn auf einmal alles aufhörte, alle Leute umsonst kämen und z'leerem fortgewiesen würden. Du weisst, wie Meiner ist, sonst könnte ich im Stöcklein küchlen und den Armen ausrichten, was üblich und bräuchlich. Darum will ich dir was an die Kosten steuern, viel nicht; seit uns der Tochtermann, Gott behüte uns davor, ausgeplündert hat, ist das Geld auch rarer geworden bei