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auffahren, die Furchen gründlich hacken wollen, denn bei schwerem Schweizer land muss man gründlich bis auf den Boden die Furche hacken, wenn ein zahm Gewächs gesund wachsen soll, sie ist zäh und schwerfällig, eben wahrhaft die Schweizer natur. Sie wird auch krank, tut, als ob sie am Sterben wäre, zu nichts mehr tauglich als zu Schling, und Schmarotzerpflanzen; aber dann kommt sie ein Winden und Drehen an, wilde Wehen rühren alles durcheinander wie die Köchin eine Krautsuppe, dann kriegt sie ein schrecklich Erbrechen, gibt von sich zum Grauen und Erstaunen ganze Knäuel Ungeziefer von allen Sorten, die wir nicht nennen mögen, kleines, grosses, und ist das mal aus dem leib und da, wo es hingehört, da stillen sich die Wehen, das Grimmen, Winden, Krümmen hört auf und frisch und gesund ist wieder die alte natur, den hohen Alpen gleich, wenn die wilden Stürme verrauscht sind, der holde Frühling, der immer junge Frühling vom Himmel wieder auf die hohen Alpen steigt.

Je nach der Länge der Furche steigt die Zahl der Hacker, steigt wohl auch auf grossen Gütern bis auf ein volles Dutzend an, vielleicht noch darüber. Jagt nun der liebe Gott die hackende truppe mit scharfem Geschütz vom Acker dem Bauer heim über den Hals, so muss der sehen, was er mit den Leuten anfängt. So ein hartölziger Bauer, mit Schweinsleder überzogen, macht es kurz, er schickt die Taglöhner nach haus, unbekümmert darum, haben sie dort was zu beissen und zu brechen, berechnet ihnen den Lohn nach den Stunden, welche sie gearbeitet, und da nicht er, sondern Gott das Wetter gemacht, so überlässt er auch diesem die allfällige Entschädigung. Warum nicht machen, was man kann, und dümmer sein als nötig? sorge der Vater im Himmel für die Tiere des Feldes und die Vögel des himmels, so werde er um so viel mehr für einen Taglöhner mit Weib und einem halben Dutzend Kinder sorgen, wenn der Bauer ihm statt zwölf Kreuzer Taglohn bloss die Hälfte oder ein Drittel gibt, und werde seinen Segen der Mahlzeit geben, welche eigentlich für die Kinder bereitet war, an welcher jetzt aber auch der Vater, der bei dem Bauer sich hungrig gearbeitet hat, teilnehmen will.

Nun, Andere machen es auch nicht so; wenn unser Herrgott die Leute heimschneit oder heimhagelt, überlassen sie ihm dieselben nicht, dass er sie jetzt auch speise und tränke, dieweil er sie angehagelt oder angeschneit, sondern tun dies selbst und geben ihnen was zu tun, bis der Tag ganz um ist. Es gibt zeiten, wo das geht, man sogar froh ist über einen wilden Nachmittag, um arbeiten zu verrichten, die man des schönen Wetters wegen immer verschoben hatte. Es gibt andere zeiten, wo man wirklich nicht recht weiss, was mit machen, und fürs Zähnetrocknen im Winde gibt man doch nicht gerne den Taglohn.

In solcher Zeit eben war Uli mit seinem volk nach haus gejagt worden; er sandte die Taglöhner nicht fort, wusste für sie aber auch nichts zu tun, welches viel abtrug, rechnete, wie manchen Batzen er ausgeben müsse um nichts und wieder nichts, und ging gegen das Haus, um Vreneli mit Brummen und Klönen zu unterhalten. Dort stunde Vreneli im Gespräch mit einem Mannli, der einen Hut auf dem kopf hatte. "Es ist gut, dass du kommst," sagte Vreneli, "da ist einer, er will mich zur Gotte, seine Frau ging mit mir in die Unterweisung, wir sassen neben einander und waren bsunderbar wohl für einander. Ich sagte ihm zu, doch behielt ich dich vor. Was sagst dazu?" "Ho," sagte Uli, "wenn du zugesagt hast, so wird wenig mehr zu sagen sein," und ging weiter.

Vreneli zuckte zusammen, aber mit angeborner adeliger Art begabt, fasste es sich alsbald, hiess das Mannli hinein, kommen, wartete ihm nach üblicher Sitte mit Speise und Trank auf. Eine schöne Sitte, die aber manchem ausgehungerten Kindbettmannli gefährlich wird, besonders wenn er dazu noch das Reden liebt. Man denke, was das kann, wenn so ein arm Mannli, der selten einmal im Tag sich satt isst, nun in einem Tage dreimal genötigt wird, zu essen und zu trinken, bis er genug hat. Das bringt Manchem die Beine in Verlegenheit, wenn er vom dritten Gevatter wegstolpert. Aber noch in viel grössere kommt schliesslich der Kopf, wenn er endlich zum Pfarrer stolpert und dort die Namen der Gevattersleute angeben soll. Da wird manchmal das Denken bedenklich, und je länger einer denkt, desto weniger kann er an einen Namen kommen, und doch hatte er ihn noch gewusst, als er zur tür hereingekommen, sagt er. Es ist bedenklich, wie Fleisch und Geist in die seltsamsten Kollisionen kommen bei den ernstaftesten Gelegenheiten. Wo Gott ein Zeichen seiner Huld gibt, legt der Teufel einen Stein des Anstosses.

Das Mannli war bereits am dritten Orte und glücklich innen und aussen. Er hatte nirgends eine Abfertigung erhalten, sondern guten Bescheid und tapfer zu essen und zu trinken. Solchen glücklichen Menschen wächst ein eigenes Redwerk im mund, und dieses liefert Lob, Ruhm und Preis für sich und seine Frau und all das Seine in einer Stunde mehr als manche St. Galler Baumwollenspinnerei Garn in einer Woche. Die St. Galler sollten, wären sie gescheut, mit dem Maul zu spinnen anfangen; in