bleiben und das Geld anderwärts gebrauchen und nutzen. Es treiben dieses schmähliche Spiel grosse Herren, und zwar mit armen Handwerkern und andern Arbeitern. Die arme Handwerksfrau muss oft das Schlechteste kaufen auf dem Markte, muss die günstigste Zeit zum Einkaufen unbenutzt vorüberlassen, weil das Geld rar ist bei ihr und die Batzen spärlich in ihrem Beutelchen. Den Koch oder die Köchin eines grossen Herrn sieht sie das Köstlichste kaufen an Fischen und Geflügel, Geld auswerfen, als ob es Kieselsteine wären, und das Geld gehört eigentlich dem armen Handwerksmann; der grosse Herr ist ihm schuldig, aber der Mann kann nichts vom Herrn kriegen als grobe Worte, muss darben, während jener schwelgt. Was das Weib denken muss, wenn es die hände voll Geld sieht und aus seinem Beutelchen den letzten Groschen drückt! Wenn es ein keck Weib ist, so vernimmt es der ganze Markt, wie ein grosser Herr am armen mann den Schelm macht. Wie muss es einem Schneider oder Schuster oder Bäcker zumute sein, der eine bedeutende Ausgabe machen sollte für das Gewerbe, sein Haus, seine Kinder, und die bedeutendsten Ausstände bekommt er nicht ein, denn die Herren spekulieren in Staatspapieren, gerade jetzt sind die zeiten günstig, wer Geld hat, ist glücklich, spekuliert jetzt, um seine Gläubiger kümmert er sich nicht, und um so weniger, je ärmer sie sind, je nötiger sie das Geld selbst hätten, denn je kleiner die Götter sind, desto weniger sehen sie die, welche niedrig gehen. Die armen Schelme alle können warten; gewinnt der vornehme, kriegen sie nichts, und verliert er, so kriegen sie noch nichtser, haben ihre Gesellen bezahlt, haben Zeit versäumt, Arbeit gehabt und können dem Herrn nachseufzen, der an der Sonne herumspaziert im Glanze ihres Geldes und ihres Schweisses. Und solch Pack schämt sich nicht, solch Pack tut vornehm, solch Pack begehrt auf, wenn man es an seine Schulden mahnt, ja solch Pack tut sogar auch fromm, aber wahrlich auf eigene Rechnung! Und wie viel Seligkeit wirft den armen Tröpfen die eigne Rechnung ab! Ach, das sind nicht die Unmündigen, denen Gott im geist sich geoffenbaret, sonst würden sie wahrlich die fasslichen Worte fassen: Was ihr einem von diesen tut, das habt ihr mir getan.
Doch Uli gehörte unter diese Schächerkinder nicht, er war zu jung und zu arm dazu. Wenn mit dem Gelde, welches Joggeli zu wenig erhielt, spekuliert wurde, taten es reifere Füchse. übrigens hatte Uli von diesem Mangel an Barschaft viel grösseren Schaden als Joggeli, er war ihm ein Hemmschuh in Handel und Wandel. Uli wusste eigentlich wohl, dass ein Bauer immer mit etwas Geld versehen sein muss, wenn es gut gehen soll. Behalten und kaufen können und immer zur gelegenen Zeit ist eine Hauptsache in bäuerischer Staatswirtschaft, aber es ging Uli wie Vielen: Wissen und Halten sind zwei, man kann die besten Grundsätze haben und doch ganz entgegengesetzte Wege gehen. Die sogenannten Grundsätze haben halt keine Kraft, die bewegende Kraft wird entweder durch eigne Triebe regiert oder durch fremde Personen. Uli sollte seinen Kuhstall instand stellen, er hatte den Winter durch weniger Kühe gehabt als sonst, weil er das Heu sparen musste. Zweihundert Gulden bedurfte er zu gehöriger Ergänzung, zu verkaufen hatte er nichts Erkleckliches; Korn und Hafer hatte er wohl noch, aber er hielt ratsam, bis nach glücklich eingebrachter Ernte nicht zu verkaufen. Es war ihm, als seien hände und Füsse ihm gebunden, ja als liege er krummgeschlossen in einem Loche. Er ward sehr böser Laune, alle Welt sollte schuld daran sein, und wenn alle Welt an einer Sache schuld sein soll, so muss es das Weib entgelten. eigentlich billig und von Rechts wegen! Denn ist nicht durch das Weib die Sünde in die Welt gekommen und dadurch dieselbe so schlecht und miserabel geworden, dass ein Mann wie Uli nicht einmal zweihundert bare Gulden hat, um mit denselben den Kühen nachgehen zu können nach Herzenslust? Uli war oftmals in der Laune welche die Suppe kalt haben will, wenn sie heiss ist, und heiss, wenn sie kalt ist; da braucht es wirklich einer eignen und leider noch nicht erfundenen Kunst, wenn man es jemanden recht machen will. Diese Laune ist gewöhnlich der erstgeborne Sohn der Unzufriedenheit mit sich selbst, die man begreiflich nicht an sich selbst auslässt, das wäre ja dumm, sondern an allen, welche einem über den Weg laufen.
Vreneli litt bitter; es war in der Aufklärung und Bildung weiter gekommen nicht bloss als mancher Schulmeister, sondern sogar als Professoren, es begriff, dass wenn man Missgeschick habe, mit bösen Launen und Zanken mit Leuten, die dessen sich nicht vermögen, man demselben nicht abhelfe, im Gegenteil neues schaffe. Wie bei unfreundlicher, nasskalter Witterung aller Wachstum stockt, so mehr oder weniger auch die Arbeit bei bösen Launen und launenhaftem Gezänke. Vreneli hatte voll, wie man zu sagen pflegt. Das ist ein eigentümlicher Zustand: das Herz ist voll, die Seele ist voll, der Kopf ist voll, es will zu den Augen aus, man fühlt es im Halse, man fährt mit der Hand bald an die Stirne, bald auf die Brust, als ob man was halten wolle, was zerspringen möchte.
Es war an einem wüsten Apriltage, sie hatten akkern wollen, aber Sturm, Schnee und Regen hatten sie heimgejagt, denn draussen war es nicht zum Aushalten. Sie hatten alten Grasboden