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, der dir zum Land sieht, die sache in Ehren hält und zinset auf den Tag." Es seien viele Leute auf der Welt, sagte Joggeli. Aber rechte zu finden, selb sei schwer, antwortete die Alte, schenkte Kaffee ein und schwieg, während Joggeli allerlei brummte. Noch hatte Joggeli sein erstes Kacheli nicht ausgetrunken, als er sagte: "Geh sieh, ob der Kolder noch daheim ist, er soll hinüberkommen! Dem will ich sagen, was Manier ist und was gekoldert." "Ich kann gehen, aber ich will mich dann nicht dareingemischt haben, hörst, will nicht schuld sein, wenn es doch Lärm gibt," sagte die Frau. "Und wer sollte dann daran schuld sein," sagte Joggeli, "etwa ich?" Darauf gab die Frau keine Antwort, sondern ging, Joggeli aber ärgerte sich ingrimmiglich über die verfluchten Weiber, welche alles zwängen wollten und doch an nichts schuld sein. Das komme auch immer ärger, dachte er. Seine Mütter hätte es dem Vater so machen sollen, wohl der würde er die Faxen vertrieben haben!

Es ging eine Zeitlang, ehe Uli kam. Seine erste Antwort war gewesen, Joggeli hätte so weit zu Uli als Uli zu Joggeli, und wenn der etwas von ihm wolle, so könne er herkommen. Dem setzte aber die Alte den Kopf zurecht und wusch ihm denselben mit scharfer Lauge, dass Uli begriff, was Waschen heisst. Er hatte vor der Alten Respekt und wusste, dass sie es gut meinte, wenn er auch wohl darüber klagte, sie hielte es immer mit seiner Frau und gebe ihr alle Listen und Ränke an, welche je von Weibern gegen ihre Männer ersinnet worden seien.

Als die beiden Männer wieder zusammengebracht waren ging es gegen alles Vermuten sehr ruhig zu. Joggeli sagte: Es sei dann nicht halb so bös gemeint gewesen, und ehe man so zornig werde, sollte man doch erst recht sehen, ob es Ernst oder Spass sei oder halb Ernst und halb Spass, besonders wenn man schon so lange beisammen gewesen. Uli entschuldigte sich nun auch: Kurz zuvor hätte er etwas nachgerechnet und sei erschrocken, wie böse das Jahr gewesen; er wisse nicht, ob er den Zins aufbringe oder nicht, allweg habe er umsonst sich halbtot gearbeitet. Und jetzt noch mehr Zins! Das sei ihm zu Haupt gefahren, von wegen wenn man sich solche Gedanken mache wie er, so denke man nicht an Spass, sondern nehme die Sache ernstaft. So gab ein Wort das andere. Joggeli liess eine Flasche Wein holen, sagte, wie er dran sei mit dem Gelde und es ihn dünke, Uli könnte in bessern Jahren wohl etwas mehr tun, doch begehre er ihn nicht zu drücken und sehe wohl, dass das vergangene Jahr nicht das beste gewesen, aber Uli solle an die zwei frühern denken, dass Uli zugab, er begehre nicht weiter, es sei ihm hier recht, und wenn wieder gute Jahre kommen, so wolle er sehen, was etwa billig und recht sei. Jetzt wüsste er wirklich nicht wie machen, um den Zins zu geben, er habe ihn noch nicht vorrätig. "Wirst aber einzuziehen haben", sagte Joggeli, dem es angst zu werden anfing. "Das wohl," antwortete Uli, "und ziemlich viel. Aber es sind gute Leute, welche mir schuldig sind, plagen mag ich sie nicht; wenn ich was zu verkaufen habe, gibt mir niemand darum was sie, und dazu ohne Markten, und wenn es abgeliefert ist, sind sie zufrieden damit und klagen nicht noch sieben Jahre hinterher, wie sie an der Sache verspielt, auch wenn sie das Halbe daran gewonnen, wie es Andere zu treiben pflegen." "Weiss wohl, wen du meinst," sagte Joggeli, "sind gute Leute, stark im Handel, kehren ihr Geld; ich muss sagen, anständiger als der Wirt ist mir nicht bald einer, und wenn dir der schuldig ist, so kann ich dies, mal vielleicht etwas warten, es ist mir vielleicht sicherer in seinen Händen, als wenn ich es selbst hätte, daneben sieh was du bekommen kannst, die Welt ist schlimm, man weiss fast nicht mehr, wem trauen." So kamen sie in die schönste Einigkeit, gaben sich die besten Worte, kurz kamen in die friedseligsten Stimmungen hinein, in welchen man sich das Himmelreich nicht bloss verspricht, sondern verschreibt und nicht daran denkt, was für Stimmungen eintreten könnten, wenn es ans Halten käme.

Achtundert Taler sind ein schönes Geld, und im raum eines Jahres muss gar mancher Batzen zum andern gelegt wer, den, bis man es beisammen hat. Uli hatte es nicht beisammen, bei weitem nicht, aber allerdings bei Müller, Wirt usw. bedeutende Summen einzuziehen, das heisst nach seiner Rechnung. Wunder nahm es ihn, ob die andern Rechnungen mit seiner übereinstimmten. Er setzte durchaus keinen Zweifel in ihre Ehrlichkeit, aber er hatte die Erfahrung, dass er im Aufmachen noch kein Hexenmeister sei, dass es sich ihm in den eigenen Rechnungen nie so recht treffen wollte. Darum nahm es ihn wunder, wie seine Rechnung zu den Rechnungen der Andern passte: er hoffte, da werde es besser gehen. Aber der gute Uli kam einstweilen nicht aus dem Gwunder. "Ja freilich," sagte ein jeder, "wann du willst, es ist alles aufgemacht, punktum, habe