, und endlich geht es ans Prozedieren.
Nun, auf solch wandelbarem Fundamente ruhte Ulis Akkord nicht, aber nicht durch seine Schuld, sondern der Bodenbauer hatte Vorsehung getan. Einen Punkt hatte er jedoch nicht umgehen können, den Joggeli ausdrücklich begehrte und wider den Uli nichts hatte, weil er ihn für sich selbst vorteilhaft erachtete. Der Akkord war auf sechs Jahre gestellt, aber im dritten Jahre hatten beide Teile das Recht, aufzusagen, wenn es ihnen nicht mehr anständig sei. Joggeli dachte, wenn er sehe, dass es Uli zu gut gehe oder zu schlecht, so könne er zu rechter Zeit das Heft wieder zur Hand nehmen. Uli dachte, wenn es ihm übel gehe, er sein Auskommen nicht hätte, könnte er das Joch abschütteln, ehe er ganz zugrunde gerichtet sei.
Nun ward Joggeli von seinen beiden Kindern gerupft, viel ärger als eine Gans von ihrer Meisterfrau. Eine Frau rupft ihre Gans doch selten mehr als zweimal im Jahre, wartet, bis Flaum und Federn einigermassen nachgewachsen sind. Der arme Joggeli konnte kaum zählen, wie oft des Jahres an ihm gerupft wurde. Man rupfte und fragte nicht, wie gross Flaum und Federn seien, wenn sich nur irgend was rupfen liess. In einem so gerupften Menschen entsteht der Trieb, den Schaden einzuholen und wieder zu rupfen. Wenn einer einen Verlust erleidet, sei es im Handel, im Spiel oder durch Nachlässigkeit irgendwie, so entstehen augenblicklich Gedanken, wie die Lücke auszufüllen sei, an wem man sich wieder er, holen könne. Da wird die Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit verdammt in Versuchung geführt. Solange es einem gut geht, da ist ehrlich sein leicht, aber wenn das Glück; umschlägt, wird der Teufel los. Dass der baumwollene Tochtermann beständig auf den Pachtakkord schimpfte, Joggeli vorwarf, wenn er gehörig aus seinem Gute zöge, hätte er auch mehr und bessere Federn, versteht sich von selbst. Nun war Joggeli dieser Punkt im Vertrage beigefallen. Er dachte, der liesse sich wohl zur Rupfmaschine machen, aber von diesen Gedanken sagte er seiner Frau wohlweislich nichts. Joggeli hatte auch ein Gewissen, aber es merkwürdigerweise nicht auf Gott, sondern auf seine Frau gestellt. Bei allen Kniffen und Schelmereien, welche ihm beifielen, schämte er sich nie vor Gott, sondern er sagte: "Musst machen, dass sie es nicht merkt; vernimmt sie es, muss ich wieder der wüsteste Hund, der grösste Unflat sein," oder: "Ja, wenn die nicht wäre, da liesse sich was machen, dem wollte ich es zeigen; aber wenn sie es vernehmen würde, weiss der Teufel, wie die täte, ich wäre niemals sicher. Es wird doch besser sein, ich lasse es unterwegs." Joggeli wird nicht der einzige Mann sein, der ein also gestelltes Gewissen hat, und wir denken, Gott wird nichts darwider haben, sondern hat eben deswegen einem solchen Züttel von mann eine solche Frau geordnet.
Er begann bei Uli sachte anzuklopfen, wie sie es mit einander hätten, er werde es wissen, dass es jetzt Zeit sei, zu oder abzusagen; wie er willens sei? Uli hatte allerdings diesen Punkt vergessen, und weil er ihm weiter keine Bedeutung gegeben, so sagte er: Er wisse nichts anders und sei gesinnet zu bleiben, wenn er Joggeli anständig sei und ihm nicht zuwider gedient. Reich werde er nicht dabei, aber wenn er zum land recht sehe, es verbessere, dass es mehr Sachen gebe, so gehe es in Zukunft besser und es sei auch Joggelis Nutzen. Klagen wegen Ausnutzen oder schlechter Arbeit oder sonst wolle er nicht, sagte Joggeli, aber Uli gebe schier zu wenig Zins, das dünke ihn und Andere auch. Uli hätte die Pacht um einen hellen Spott. Erst gestern habe ihm einer gesagt, zweihundert Taler mehr wolle er ihm Zins geben und bar vorauszahlen, wenn er wolle.
Da ward Uli zornig und sprach: "So macht es mit ihm," und ging in den Stall. Da stunde Joggeli wie Butter an der Sonne, denn es war nicht wahr, dass ihm jemand etwas geboten. Freilich war es möglich, diesen Augenblick so viel Pacht zu erhalten, aber vielleicht von einem Pächter, der sich mästete und das Gut ermagern liess. Einen Pächter wie Uli, der zahlte und zum Gut sah, als wäre es sein eigen, verlor Joggeli nicht gerne, so viel Verstand hatte er. Wie ein Kind, welches einen Topf mit Milch umgestossen und es der Mutter eröffnen will, ohne Schuld daran zu haben, steckelte er endlich heim, setzte sich auf den Ofentritt und sagte endlich: "Mit dem Uli ist es nicht mehr auszuhalten, er ist ganz kolderig und so brutal wie ein junger Landjäger." "Was hast mit ihm?" fragte die Mutter, "ihr werdet ja sonst so gut mit einander fertig." "Gesagt hat er mir," antwortete Joggeli, "ich könne seinetwegen einen andern Pächter suchen, er begehre das Gut nicht wieder." "Du wirst ihn böse gemacht haben," antwortete die Base, "so mir nichts dir nichts hat er dir das nicht gesagt, das weiss ich." "Nichts habe ich gesagt," antwortete Joggeli, "gar nichts. Ich habe ihn bloss daran erinnert, dass die drei Jahre da seien, wo wir einander aufsagen könnten, und es nehme mich wunder, was er denke." "