weit, in ein paar Jahren bist ein Mann, und wenn du nicht noch Ammann wirst, so verstehe ich mich auf nichts mehr. Ja Uli, so ist es! Frau, hol eine Flasche vom Bessern." Von Geld war keine Rede mehr, denn Uli lebte wohl an den Worten und dachte an den Ammann.
Aber übel steht es doch in dem Gemüte, in welchem ein Wirt und ein Müller und ein Rosshandel Sonne, Mond und Sterne vorstellen, und wie viel tausend Menschen haben kein ander Licht in ihren Gemütern als das, welches von solchen Lichtern kommt oder noch viel schlechtern! Man muss sich immer wundern, dass die Menschen, deren eine so grosse Zahl nur von solchen Talglichtern und stinkenden Öllämpchen erleuchtet werden, nicht noch unendlich schlechter sind und mit rasender Schnelligkeit noch schlechter werden, wie Krebse auch um so schneller gesotten werden, je heisser das wasser wird und je schneller man es zum Sieden bringt. Aber eben daraus sieht man, dass Gott die Welt regiert und nicht der Teufel, noch viel weniger ein Seminardirektor, sie wäre sonst seit vielen Jahren schon unheilbar verpfuscht. Doch muss man sich durchaus nicht vorstellen, Uli sei, was man zu sagen pflegt, gottlos geworden. Die Menschen machen das Kreuz vor dem Worte gottlos, und doch ist kein Mensch, der nicht gottlos ist. Bei jeglicher Sünde und namentlich, wenn jemand sein Handeln nicht durch Gott und sein Wort bestimmen lässt, sondern durch sein eigen Fleisch und Blut oder andere Kreaturen, ist der Mensch immer gottlos, und in dem Sinn war es Uli auch oft, und je länger je öfter. Aber Uli merkte es nicht, sein Entfernen von Gott merkte er nicht, und von einem Lossagen von Gott war keine Rede. Der eigentliche Gottlose ist eben ganz los von Gott, sowohl im erkennen als Bekennen, sowohl in Worten als Taten, der eigentliche Gottlose wird ein Rekrut des Teufels und versucht zu lernen den Kampf gegen Gott und sein Reich, den unseligen Kampf, wo nichts zu lernen ist als Gottes Macht und des Teufels Ohnmacht und nichts zu gewinnen als der eigene Untergang und die Überzeugung, dass Gott der Wahrhaftige sei und des Reiches Feinde zu des Herrn Fussen lege, wie er es verheissen hat.
Dass es so ist, zeigte Gott. Es war gegen Herbst, als man mitten in der Nacht ein mörderlich Geschrei vernahm, das durch das ganze Haus drang und selbst die Kinder weckte. Uli fuhr auf, zündete alsbald, wie es einem guten Hausvater ziemt, die Laterne an, um zu sehen, was es für ein Unglück gegeben. Uli hielt dafür, es seien Kiltbuben aneinandergekommen und einer schwer getroffen oder gestochen worden. Als er vor das Haus kam, war es stille draussen. Von den Knechten, welche herbeikamen, wollte der eine es dort vernommen haben, ein anderer in entgegengesetzter Richtung. Man suchte hier, man suchte dort und allerwärts umsonst, Man horchte in die stille Nacht hinein, man vernahm weder Fusstritte Fliehender noch Seufzen oder Röcheln eines Verwundeten. Das Ding ward unheimlich, den Meisten rieselte es kalt den rücken auf, doch nur einer sprach es aus und sagte: Er möchte zu Bette gehen, das Ding gefalle ihm nicht, es sei nicht ein Schrei gewesen wie ein anderer, und wer zu neugierig sei, lese leicht eine geschwollene Nase auf oder gar ein böses Bein sein Lebtag. Man habe der Beispiele viele und man sollte sich ihrer achten, was nützen sie sonst Die Worte fanden Anklang. Sie müssten doch noch einmal sehen und etwas weiter gehen, der Schrei sei gar zu nötlich gewesen; der, welcher ihn getan, sei nicht weit mehr gelaufen, und dass es ein Gespenst sei oder sonst der Art was, könne er nicht glauben, man hätte sonst wohl schon was gehört, sagte Uli. "Das erstemal ist eins, hat Hamglaus gesagt", sagte einer. Er möchte doch nachsehen, sagte Uli, wer sich fürchte, solle ins Bett. Uli ging und alle kamen nach, Einer dicht am Andern, aber nicht wegen Heldenmut und Nächstenliebe, sondern weil Keiner alleine heim ins Bett durfte. Sie gingen und fanden in einer wilden Ecke hinten bei einem Schopf einen Menschen bewusstlos liegen. Als man zündete, war es der Melker, dessen Abwesenheit aufgefallen war. Er schlafe gar hart, hatte darauf der Karrer gesagt, und sei nicht zu erwecken. Neben ihm lag eine nagelneue blecherne Flasche, und zerbrochene Eierschalen knatterten unter den Füllen. "Da wäre also doch der Dieb, hat es ihn einmal! So wäre es recht, so wüsste man doch bestimmt, ob ein gerechter Gott im Himmel sei oder gar keiner", hiess es von allen Seiten. Der Melker war hinaufgestiegen gewesen unters Dach in sein Versteck, im Herabsteigen hatte ihm ein Tritt gefehlt, er stürzte hinab, brach ein Bein, beschädigte sich sonst übel, blieb sein Lebtag ein Krüppel.
Einige Tage lang war auf der Glungge stark die Rede vom Melker und von Gott, man ging sogar in die Kirche, die Einen, weil sie wirklich dachten, es könne nicht schaden, und wenn ein gerechter Gott im Himmel sei, so möchten sie es wirklich nötig haben, Andere in der Hoffnung, der Pfarrer ziehe den Melker in der Predigt an, und wenn er schon nicht alle nenne, welche ihn gesucht und gefunden, könnten sie doch hintendrein sagen: "War auch dabei! So