wirklich genommen und nicht bloss gefunden, so hat man das Nachsehen und kann die Kosten bezahlen." "Ist das jetzt mein Dank?" begehrte Mädi auf. "Wenn es dir Ernst ist, den Schelmen an Tag zu bringen, so frage nur den Melker, der kennt ihn wohl, hat ihn vielleicht in seinen eigenen Hosen." Potz Himmel, da gab es Spektakel! Der Melker war dabei, als Mädi so sprach, und husch, hatte es eine Ohrfeige weg, ehe jemand es hindern konnte, und hätte auch die Haare lassen müssen, wenn Uli nicht mit starkem arme Halt gemacht.
Mit der Ohrfeige hatte aber der Melker dem Mädi den Zapfen aus dem Redefass geschlagen, und heraus sprudelte eine Zornesflut, in welcher der Melker sicherlich zuschanden gegangen, wäre er nicht ein hölzernes Kamel und an solche Fluten längst gewohnt gewesen. Alles, was die Eierfrau gesagt und nicht gesagt von seinem Mensch und seinem Leben, das warf Mädi dem Melker an den Kopf. Der brüllte wie ein angestochener Urochs und begehrte auf von wegen seiner Unschuld, schrecklich, und schlug mit seinen Zeugnissen alle Anschuldigungen tot. Da könne man sehen, was er sei und was er nicht sei, und zwar auf Stempelpapier. Aber der Teufel sei Meister in der Welt und Menschen gebe es, welche kein einzig Zeugnis hätten und wollten Andere zu Schelmen machen, die verfluchten Luder. Denen wolle er es zeigen, sie müssten erfahren, wer er sei, und selbst den Namen tragen, den sie ihm gerne angehängt hätten. Der Melker tat schrecklich, wie zu Olims zeiten der Gouverneur von Magdeburg, der sich vermass, Hundsleder zu fressen, ehe er die Festung übergebe, war aber kuraschierter als derselbe Gouverneur und sass nicht allsogleich auf den Nachtstuhl, als der Feind stand, hielt und sogar näherrückte. Der Melker wusste, dass schlechter die Welt wird, das Recht immer mehr dem zufallt, der am meisten aufbegehrt, am wüstesten tun kann, alles von wegen der Unschuld. Aber Mädi war eine Batterie, welche nicht so bald zum Schweigen zu bringen war, sondern immer schärfer schoss, je wilder die andere feuerte. Scheltungen waren hin- und hergeflogen wie Hagelsteine, wenn es recht ha, gelt, dass ein gewöhnlicher Richter acht Tage gebraucht hätte, sie auseinanderzulesen und ordentlich zu sortieren.
Endlich, lange hatte er es umsonst versucht, kam Uli zu Worten, hob alles Gesagte auf von Amtes wegen, jagte Mädi in die Küche, den Melker in den Stall, machte so den Feindseligkeiten einstweilen ein Ende, jedoch nicht der Feindschaft. Dem Melker grollte es im kopf wie einem Vulkan im Bauche, den Ausbruch fand er jedoch nicht rätlich, speite Rauch und Flammen bloss, wenn der Meister und die Meisterfrau es nicht hörten, redete alle Tage, morgen mache er die An, zeige beim Richter, und machte sie doch nicht. Er war ein alter Praktikus und wusste, dass wenn man mal was einem Richter oder Advokaten zur Hand gegeben, man nicht mehr Meister sei zu sagen: bis hierher und nicht weiter, sondern das Ding mit einem durchgehe wie wilde Rosse mit einem sturmen Kutscher und ein Ende nehme mit Schrecken. Es ist gar schlimm, in mürbes, blödes Tuch einen kleinen Riss machen zu wollen; wie leise man macht, husch, reisst es durch, und die Stücke bleiben einem in der Hand.
Mädi glich einer lebendigen Schlüsselbüchse, pfupfte den ganzen Tag, tat aber niemand weh als ihm selbst. Auf seiner Heldentat hielt ihm niemand viel als Vreneli, welches aber doch oft über das ewige Pfupfen sich beklagte und Mädi schweigen hiess, was Mädi begreiflich sehr übel nahm, über unsern guten Herrgott böse ward, dass er die Welt so schlecht werden liesse und keine Dankbarkeit mehr sei auf Erden. Es wollte den Leuten zeigen, wer Mädi sei und was es könne, legte sich nun dem Melker an die Fersen und lauerte ihm auf Tag und Nacht. Aber das gute Mädi fing nichts mehr, der fisch war fort. Es trug ihm nichts ein als einige Kübel verdammt kalten Wassers, mit welchen es auf seinen nächtlichen Gängen begossen wurde, es wusste nicht woher und von wem. Der Melker habe es getan, winselte es. Es wolle keine gesunde Stunde mehr haben, wenn es nicht so sei, darum solle Uli ihn fortjagen, er treffe sicher den Rechten, und wenn auch nicht der Milch oder der Eier wegen, so habe derselbe es doch ob ihm verdient. "Wärst im Bette geblieben," antwortete Uli endlich unwillig, "es hiess dich niemand herumstreichen. Wenn es gemacht sein muss, so lass es an die, denen es zukömmt, willst aber den Haushund machen, so musst auch nehmen, was ein Hund." Uli hatte das nicht böse gemeint, sondern es im bittern Unmute ausgestossen. Von Mädis Entdeckung hatte er keinen Nutzen gehabt, aber ein andauernder Verdruss schien ihm daraus erwachsen zu wollen. Mädi aber gingen diese Worte tief und eiterten. Das ist das schlimmste aller Übel, wenn Worte eitern, und doch wissen so viele Menschen nichts von dieser Krankheit. Mädi hatte einen Schwung genommen, es hatte sich ihm der Himmel aufgetan zu einer grossen Tat, aber nur von ferne hatte es das gelobte Land gesehen; als es über die Schwelle wollte, entschwand die ganze Herrlichkeit gleich der Fata Morgana in den Wüsten Afrikas, es sollte bloss das wüste, böse Mädi sein,