in die Welt. Plötzlich kehrt es sich um, streckt die Händchen auf nach dem Halse des gefährten, birgt das Gesichtchen an seiner Brust, segelt mit allen Kräften heimwärts. Ein fremd Gesicht hat es gesehen, etwas Ungewohntes hat seine Sinne berührt, es fühlt plötzlich sich fremd in der weiten Welt; das Heimweh taucht auf in seinem kleinen Herzen, es beruhigt sich nicht, bis dass die Heimat es wieder umfängt. Zu klein waren noch die Flügel für die weite, grosse Welt.
So waren Mädeli und Vreneli trappelnd und jauchzend auf Reisen gegangen, waren nach vielen Irrfahrten endlich hinter einen alten Holzschopf gekommen, um welchen allerlei Gräbel lag und namentlich altes sogenanntes Zäuneholz, mit welchem man im Herbst beim Weidgang provisorische Zäune herzustellen pflegt. Der alte Schopf stunde tagelang einsam und verlassen, und hätte er ein Gesicht gehabt, er würde ein sehr verwundertes gemacht haben, dass zwei Menschen auf einmal durch seine stille Einsamkeit trappelten und jauchzten.
Indessen gab es doch ein verwundert Gesicht. Vreneli hatte plötzlich eine Erscheinung. In den alten Zaunstecken raschelte es, ein prächtig gelbes Huhn trat majestätisch aus denselben und verkündete der Welt mit hellem Geschrei seine eigene Heldentat, es habe nämlich ein Ei gelegt. "Ja so, du Ketzers Täsche, legst du da? Das wäre mir nicht beigefallen," sagte Mädi, "so geht es in der Welt immer anders und schlechter. Hier zu legen fiel noch keinem Huhn ein, aber es ist alles gleich, Menschen und Hühner, es muss alles verstohlen und verschleppt sein, da ist niemand mehr zu trauen." Vreneli, welches am gackelnden Huhn seine Freude hatte, ward ins Gras gesetzt, und Mädi kroch dem entdeckten Schatze nach ins alte Holz hinein. "Tüfel! Tüfel!" rief es plötzlich aus dem Holze. Doch sah Mädi nicht wirklich den Teufel, sondern was anderes. Es fand nicht so viel Eier hier, als es gehofft, nur etwa vier oder fünfe. Das Nest fiel ihm auf, es schien nicht von einem Huhn, sondern von einem Menschen gemacht, zudem war ein altes Nestei darin. Mädi war Expertin im Hühnerfach, es wäre gut, es würden in keinem Fache schlechtere Experte gebraucht. Mädi schloss alsbald, das sei nicht bloss eine einfache Hühnerverlegete, wo einfach ein Huhn sein Naturrecht geltend macht, seine Eier legt, wohin es will, und nicht wo die Frau Prinzipalin will, um brüten zu können, wenn es ihm ankömmt, ohne es der Willkür der Frau Prinzipalin zu unterstellen, welche imstande ist, ihm zum Dank für seine Bereitwilligkeit das Nest mit Nesseln zu reiben. Mädi schloss alsbald auf eine menschliche Schelmerei welche den Hühnern hier, an dem abgelegenen Orte, ein Nest gemacht und sie durch bekannte Mittel verführt, ihre Eier an den Ort zu legen, an den kein ehrlicher Mensch dachte. Als Mädi sich kundig umsah nach allen Merkmalen, welche zu einem sichern Schlusse führen konnten, sah es nebenbei im alten schwarzen Holz was Weisses, und als es dasselbe hervorzog, war es eine grosse Milchflasche von weissem Bleche und voll Milch. Das trieb ihm den "Tüfel" ins Maul, und triumphierend kroch es hervor, die Eier in der Schürze, die Flasche in der Hand, und im Triumph ging es dem haus zu. Endlich hatte es ihn erwischt, hatte auch ein Heldenstücklein vollbracht wie noch keines, von dem die Leute reden würden als wie vom Tellenschuss, so lange nämlich, als die Schweizerberge stehen. Noch viel lauter als das gelbe Huhn gackelte Mädi, dass alles, was im haus war, herausschoss und Mädi nach, dem Vreneli zu. Da ward alles besichtigt um und um, endlich fragte Uli, den Mädi auch herbeigegackelt hatte: "Jetzt möchte ich doch wissen, wer der Spitzbube ist. sehe, wem ist die Flasche?" Da blieb es stille ringsum, kein Eigentümer meldete sich, niemand wollte die Flasche gesehen haben, niemand um das Einest wissen hinterm alten Holzschopf. Uli mochte fragen, drohen, wie er wollte, Keiner wollte sagen: "Meister, ich bin der Schelm!"
Es gibt auf der Welt nichts Fatalers, frage man nur jeden Knaben, als wenn man am seichten Bache stunde, einen grossen fisch unter einen alten Weidstock fahren sah, rasch sich niederlegte, mit der Hand nachfuhr, Lebendiges in die Hand kriegte, rausfuhr, und man hat eine Kröte in der Hand, nicht den fisch, und wenn man die Hand wieder nachstreckt, ist kein fisch mehr da, man hat nichts mehr als das Gramseln in der Hand von der Kröte her und den Ärger über den falschen Griff. Mädi hatte gemeint, was es habe an Flasche und Eiern aber den fisch hatte es doch nicht, der fisch war fort. Als nun der fisch sich gar nicht finden wollte, sagte Uli unwillig: "Du bist immer das gleiche dumme Mädi, wirst dein Lebtag nicht gescheut, warum musste nicht jemand anders die Sachen finden! Wenn man Vögel fangen will, brüllt man nicht die Haut voll. Hättest alles am Orte gelassen, wo du es gefunden, und mir es gesagt, dann wäre ich auf der Lauer gestanden, hätte den Dieb mit den Sachen in der Hand erwischt und der Handel hätte eine Nase gehabt. Jetzt ist es aus, denn wenn man einen Dieb nicht kriegt, wenn er die Sache genommen hat, und sieben Zeugen, welche gesehen haben, dass er sie