wie ein Matrose, der drei Jahre hintereinander ununterbrochen zur See gewesen. Uli stellte ihn zur Rede, er möchte doch wissen, was das zu bedeuten hätte. Da begann der Karrer gar wehlich zu wimmern, wie er einer grausamen Krankheit unterworfen sei, Magenkrämpfe sage man ihr. Es sei akkurat die gleiche, an welcher der Bonaparte gestorben. Er hätte gemeint, er müsse sich totkrümmen, kein Doktor habe ihm helfen können. Da sei einmal einer zu ihm gekommen, ganz ungefähr, und habe gesehen, wie er tun müsse, wenn die Krämpfe ihn ankämen. Der habe gesagt, er wolle ihm schon helfen, das seien eben akkurat die gleichen Krämpfe, welche der Bonaparte gehabt, Magenkrebs sage man ihnen. Hätte er es zu rechter Zeit vernommen, so hätte er Ross und Wägeli genommen und wäre zu ihm gefahren; dem hätte er helfen wollen, da wäre er ein reicher Mann geworden. Als er es vernommen, sei er schon tot gewesen, da hätte er begreiflich nichts mehr machen können. "Aber wenn er jemanden helfen könne, so helfe er, und wenn ich wolle, so wolle er mir auch helfen. Was habe ich anders wollen? Wenn ein Mann wie der Bonaparte dran hat sterben müssen, was hatte ich zu er, warten? Ihr, Meister, Wisst nicht, was solche Krämpfe bedeuten, wo es einem ist, als hätten zwei Wäschweiber den Magen in den Händen und drehten ihn und drehten ihn, und wenn sie mit den Händen nicht mehr mögen, mit Stöcken, dass man meint, die Seele fahre zum Hirn aus. Ich nahm also das Mittel, es ist starkes Zeug, es gleicht dem Wacholderbranntwein; wenn ich davon nehmen muss, weiss ich oft lange nicht, stehe ich auf dem kopf oder auf den Füssen. Aber was sein muss, muss sein, und Ihr werdet es mir nicht verbieten wollen, so unvernünftig war noch kein Meister, bei welchem ich gewesen." Was sollte Uli machen? Sollte er so unvernünftig sein, wie der Karrer noch Keinen getroffen Er konnte unter Angst und Bangen Tag und Nacht nachsehen, damit kein Unglück geschehe und er eine gelegenheit finde, den Kerl fortzujagen, ohne ihm den ganzen Jahrlohn bezahlen zu müssen.
Während Uli mit dem Karrer seine Nöten hatte und sie seiner Frau nicht merken lassen durfte in zusammenhängen, der Rede, höchstens in einzelnen Ausrufungen, stunde Vreneli andere Qualen aus und mochte sie Uli auch nicht klagen; es fürchtete, nicht Glauben zu finden, weil es nicht Beweise hatte. Es suchte welche. Vreneli merkte nämlich, dass etwas geschehen müsse im Stalle mit der Milch. Es schien ihm, es werde nicht gemolken wie sonst. Es wollten ferner im angehenden Frühjahr die Hühner nicht legen, wie man es sonst gewohnt war. Es konnte nicht recht glauben, dass sie ihre natur geändert und zu dem Korps sich geschlagen, welches nur fressen will und nichts dafür tun.
Vreneli war eine von den Hausfrauen, welche nicht miss, trauisch sind, aber es im Gefühl haben, wenn etwas nebenausgeht. Sie haben die zweite Art von Instinkt, welcher nicht sowohl angeboren als von Jugend auf angewöhnt wird, eben wenn man von Jugend auf bei einer Sache ist. Es warf natürlich sein Auge auf den Melker, Mädi, seine Adjutantin, unterstützte es getreulich, aber sie konnten nichts erkunden. Der Melker war eine bequeme natur, machte nicht mehr, als er müsste, und tat so liederlich er durfte, ohne ausgescholten zu werden. Aber er war nicht undienstfertig, brauchte gute Worte, kurz er hatte etwas, welches namentlich dem Weibervolk gar nicht unangenehm ist. Er war oft nachts nicht da, heim, doch am Morgen zumeist zu rechter Zeit da, so dass weiter nicht viel gesagt werden konnte. Man musste es als eine Unart betrachten, welche leider noch Viele haben. Da der Melker unschuldig schien, die Hühner aber wie verhexet, begann Vreneli Verdacht auf Marder oder auf Katzen, welche zuweilen auch Eierliebhaber sind, zu werfen, obschon man keine Schalen fand. Es war stark die Rede von Beizen, Fallenstellen usw. Da solche Massregeln zumeist lange in Rede stehen, ehe sie zur Ausführung kommen, werden sie oft durch etwas Unvorhergesehenes ganz überflüssig gemacht.
Wie gewohnt, kam einmal die Eierfrau und hätte gerne eine mächtige Ladung Eier gekauft für einen Bäcker, welche; das Backwerk zu einer grossen Hochzeit zu liefern hatte. Vreneli konnte wenige geben und klagte seine Not. Wenn es an Hexen glaubte und eine in der Nähe wüsste, so müsste es jetzt glauben, dass man es den Hühnern antun und das Legen verhalten könnte. Da meinte die Eierfrau: Vielleicht dass sie ihm über den Marder, welcher seine Eier fresse, kommen könne, oder über die Hexe, welche das Legen verhalte. Sie hätte einen Ton gehört, wenn was dran sei, so würde der Marder sich bald finden. Vielleicht dass sie ihm schon das nächste Mal Bericht geben könne. Mehreres wollte sie durchaus nicht sagen. Gar lange ging es nicht, so kam sie wider und zwar mit einem Gesicht, welchem man es von ferne ansah, hinter dem stecke eine wichtige Botschaft. "Hör" sagte sie zu Vreneli, "ich kann dir drauf helfen, aber bei Leib und Leben verrat mich nicht." Nachdem das Versprechen in bestmöglicher Form abgelegt war, rückte sie aus: Drüben im Mühlengraben stehe ein Häuschen am wald,