nimmt also einfach Brandstiftung an, das ist wirklich das Simpelste. Ein Knecht wird natürlich nicht sagen, er habe beim Heurüsten geraucht, habe Zündhölzchen verloren, er wisse nicht wo, habe die Laterne mit den Fingern geputzt und den glimmenden Docht in den Mist geworfen, der möglicher, weise trocken habe sein können. Das alles und noch viel anderes, woraus ein Brand entstehen kann, vernimmt man nicht. Da nun die dickköpfigen Juristen dieses nicht begreifen, auf der andern Seite an keine Wunder glauben, so finden sie, in Erwägung, dass sie sonst nichts wissen, sich veranlasst, Brandstiftung anzunehmen. Uli hasste also jetzt das Rauchen mehr, als er es früher geliebt, fragte die Knechte, wenn es ums Dingen zu tun war, ob sie rauchten. Wenn einer sagte: Ja, aber nicht dass es ihn zwinge und er meine, es müsse sein; so am Feierabend habe er gerne sein Pfeifchen oder am Sonntage statt eines Schoppens, so sagte Uli: Dawider könne er nichts haben, lieber wärs ihm freilich, es würde gar nicht geschehen. Aber bei der Arbeit und in der Scheune wolle er es durchaus nicht haben, das sage er rundweg. Begreiflich, sagte der Knecht, das verstehe sich von selbst, hatte aber natürlich keinen Augenblick im Sinn, auch also zu tun.
So hatte er es auch mit dem Karrer gehabt und der auch gesagt: "Das versteht sich von selbst." Nun aber merkte Uli, dass derselbe sein Wort nicht hielt, sondern mehr und mehr bei der Arbeit rauchte, und starken Verdacht hatte er, er rauche auch abends oder morgens, wenn er glaube, der Meister komme nicht dazu, im Stalle. Wenn Uli kam unversehens, sah er natürlich keine Pfeife mehr, und wenn er fragte, wer geraucht habe, er rieche Tabak, so erhielt er zur Antwort, man wisse es nicht, es sei vielleicht jemand rauchend vorübergegangen. Sah er ihn rauchen und mahnte, es wäre ihm lieber, es geschehe nicht, so steckte der Karrer anfangs schweigend die Pfeife in die tasche, später sagte er, sie sei bald ausgebrannt, endlich meinte er: Oh, ein Pfeifchen werde doch wohl erlaubt sein, er hätte noch keinen Meister angetroffen, der so unvernünftig in der Sache gewesen. Der gute Karrer war durchaus ungebildet, aber er kannte aus Instinkt die Art und Weise, wie man in Gesetz und Ordnung einbricht und am Ende sie mit Füssen tritt. In Friesland dem Meere nach, im Emmental der Emme nach sind Deiche oder Dämme; lässt man in einem solchen Damm ein Mauseloch unverstopft und unverstampft, so kann man darauf zählen, es geht nicht lange, so bricht durch das kleine Löchlein die gewaltige Flut, reisst es auf zu weitem Bruch, bringt Graus und Zerstörung über das dahinter liegende Land.
Es ist wirklich sehr schön, wie es zugeht in der Welt! Erst kommen Mörder, Diebe und sonstige Spitzbuben von allen Sorten und machen in Gesetz und Ordnung die Mauselöcher, dann kommen Richter mir blöden Augen, blödem Verstand und blödem Gewissen und übersehen die Mauselöcher, und hintendrein kommt die Springflut sturmköpfiger Juristen, reisst Gesetz und Ordnung ein, beweist aus der Vernunft, klar wie eine Wurstsuppe, dass Gesetz und Ordnung unvernünftig seien, Hemmschuhe der Humanität und des entschiedenen Fortschrittes, und machen Platz der aufgewühlten Grundsuppe des menschlichen Herzens, der tierischen Begehrlichkeit, welche dem reinen Lichte, welches in schwarzen Wolken den Regenbogen bildet und in der trüben Welt ein tausendfältig Farbenspiel, ähnlich ist. Denn das Tierische im Menschen ist überall im Herzen das gleiche, während es die Welt berührend in hundert und abermal hundert Brechungen schillert, eine schmutziger als die andere. Von der allerschmutzigsten jedoch würde so ein rechter Jurist von der wahren Sorte aus der reinen Vernunft auf das Klarste beweisen, dass sie der reinste Ausdruck des wahren Menschlichen sei, rein wie das reinste ungebrochene Sonnenlicht. Es ist merkwürdig, wie die Resultate der hochgebildetsten Juristen mit dem einfältigen Instinkt eines ungebildeten, rohen Karrers zusammentreffen. Die Extreme berühren sich, sagt ein Sprüchwort; könnte man vielleicht nicht auch sagen, sie fielen in eins zusammen und deckten sich wie gleichschenklige Dreiecke?
Uli verstund das Ding noch nicht so recht, was ihm nicht zu verübeln ist, verstehen es doch dato mancher König und manches Volk nicht. Er wollte nicht der Wüstest sein, nicht noch mehr verbrüllet werden, als er bereits war; er hielt den Karrer nicht einfach an seinem Versprechen, sprach nicht: "Entweder oder, folg oder marsch;" er fürchtete, das könnte inhuman, illiberal geheissen werden. Er verschluckte schrecklichen Zorn, drückte nur hie und da und noch dazu halb verbissen ein zornig Wort hervor, kriegte dazu noch Angst und Bangen. Uli merkte nach und nach auch, dass der Karrer ein förmlicher Trinker war. Im wirtshaus sass er nicht viel, die Glungge stunde abhanden, und die gnädige Obrigkeit war noch nicht so ungnädig gewesen, dem Glunggenbauer gegen seinen Willen eine obrigkeitliche Zersittlichungsanstalt vor die Fenster zu setzen. Freilich, wenn er mit dem Zug auf der Strasse war, kam er selten nüchtern heim. Merk, würdig war, wie er allemal, wenn er einen Stich hatte, mit der Peitsche ganz eigen knallte, so dass Uli von weitem hörte, was Trumpf war, und nachsehen konnte. Aber besonders daheim war er angestochen, roch nach Branntenwein auf Schussesweite, setzte die Beine auseinander und verstellte zu beiden Seiten