solle er nicht mehr probieren, in St. Gallen oder wo er daheim sei, die Menschen noch halb wild seien, da sei sie vielleicht gut, aber im Bernbiet schlage sie schlecht an, man nehme sie von der Regierung nicht an, geschweige denn so von einem halbbaumwollenen Mannli. Probiere sie eine Regierung, so könne sie darauf zählen, ehe ein Jahr umgehe, liege sie im Graben. Aber das gutmütige Wesen tat ihr doch wohl, der Tochtermann ging auch bei ihr nicht leer aus. In Gottes Namen, dachte sie, Elisi hats desto besser, und dass ich an nichts schuld sei, will ich nicht sagen. Wir möchten einen hohen Preis auf die Beantwortung der Frage setzen, wie arm eine Mutter sein müsse, dass sie für das Kind, welches ihr oder für welches man ihr ans Herz klopfe, nichts mehr zu geben habe.
Vreneli suchte den Zuspruch der Base Uli beizubringen, aber er war nicht mehr empfänglich dafür; er sah den Fehler selten mehr auf seiner Seite, war in einen Widerspruchsgeist hineingeraten, der schwer zu bekämpfen ist, wo er sich einmal eingebürgert hat. Es sei böse, wenn man nicht mehr den nächsten trauen könne, sagte er, übrigens sei die geschichte lange nicht so gefährlich gewesen, wie sie ausgesehen. Joggeli habe nur die Beiden vom Halse schaffen, Ruhe haben wollen, wenn sie fortgewesen, hätte er ihm die Quittung gegeben; wenn auch das nicht, so wäre die Sache, wenn sie zum Prozess erwachsen, bald aus gewesen, so viel kenne er von der Sache. "Uli, das glaube doch nie," sagte Vreneli, "die Prozesse kriegen eigene Köpfe, laufen meist ganz anders, als der Mensch in seinem kopf gehabt. Was man sich ganz kurz gedacht, wird lang, lang, länger als ein Bandwurm, und nimmt kein Ende. Vor den Prozessen muss man sich hüten, wahr sein, lauter, in keine Kniffe und Anschläge sich einlassen, alles rund abmachen. Ist man einmal darin, ist man auch nicht mehr Meister." "Man kann nicht vor allem sein," sagte Uli, "ungesinnt wird man in einen Prozess verflochten, und wenn man zu allem Ja sagen wollte, was Andere vor, sagen, käme man lustig weg." "Ja," sagte Vreneli, "vor allem kann man nicht sein, aber vor dem hättest sein können, und gerade das war so eine geschichte, welcher man hätte eine Nase drehen können, wie man sie haben wollte. Wenn die Beiden geschworen hätten, du hättest selbst gesagt, du seiest den Zins noch schuldig, was meinst dann?" "Ah bah, das verstehst du nicht," sagte Uli und ging weiter.
Zwölftes Kapitel
Dienstbotenelend
Anfangs war Uli mit seinem Dienstbotenpersonal so übel nicht zufrieden gewesen. Er glaube, er habe es getroffen, es gehe besser als im letzten Jahre, sagte er zu Vreneli. "Rühme nicht zu früh," sagte Vreneli, "neue Besen kehren gut." natürlich plumpst so ein neuer Knecht oder eine neue Magd, welche zur zweiten Abteilung der dritten Klasse gehören, nicht so mit allen Lastern zur tür herein. Der Knecht macht ein Sonntagsgesicht und stellt sich gut nach Vermögen, teils will er ein gutes Vorurteil für sich erwerben, teils muss er doch erst die gelegenheit erkundschaften, die Faden suchen, sein alt Leben am neuen Orte anzuknüpfen. Zudem mag in Manchem wirklich der Sinn sich regen, anders tun wäre besser, so komme es am Ende doch nicht gut. An einem neuen Orte, wo die alten gefährten, die alten Gelegenheiten fehlten, er das Auslachen nicht zu fürchten hätte, liesse es sich schon tun. Er nimmt sich zusammen, tut gut einige Wochen, bis der Teufel ihm nachgeschlichen ist, ihn wieder gefunden, neue gelegenheit bereitet hat, die Begierden im leib recht gierig und hungrig geworden sind; da geht es wieder los, und der neue Besen ist handkehrum zum alten geworden.
Das erfuhr Uli allgemach. Uli hasste das Rauchen in der Scheuer und bei der Arbeit. Auf die Mahnung des Bodenbauers hatte er es sich nach und nach abgewöhnt und sich sehr wohl dabei befunden; jetzt, da er Meister war, begriff er erst recht, wie lästig und unangenehm dasselbe einem Meister ist. Wenn man alle hände voll zu tun hat, jeder versäumte Schritt von so grossem Nachteil ist, und gelassen klopfen Knechte und Tagelöhner die Pfeifen aus, stopfen ein, reichen sich gegenseitig den Tabak, versuchen Feuer zu machen, erst mit Zündhölzchen, welche sie in offener tasche tragen, endlich, wenn das nicht gehen will, mit abgenutztem Feuerzeug, und wenn endlich alle Feuer erhalten, einer wieder spricht: "Du, gib mir wieder Feuer, es ist mir erloschen," und wenn der endlich hat, ein Zweiter, ein Dritter sagt: "Du, gib mir Feuer, es ist mir erloschen," was da für angenehme Empfindungen dem Meister in alle Glieder fahren, erfuhr er. Wenn er dazu rauchen sieht um das Heu herum, ins Stroh die Pfeifen ausklopfen, die Zündhölzchen hinwerfen sieht, wo es sich eben trifft, da kommt zum Ärger die Angst, was aus solchem Leichtsinn werden solle. Wie unendlich viele Häuser sind durch diese Ursachen abgebrannt, von denen man hintendrein sagte, sie seien angezündet worden! Bei einer allfälligen Untersuchung ergeben sich keine Ursachen des Brandes, man