Sie leeren wohl Spycher und Scheuren, aber dafür füllen die Herzen sich wieder mit Demut und die Augen gewöhnen sich wieder, nach oben zu sehen und das Gedeihen von Gott zu erwarten.
Uli wuchs sein Glück fast über das Haupt, dass er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sah, das heisst vor lauter Hoffnungen und Erwartungen sein Glück nicht mehr berechnen konnte, weil es seine Rechenkunst zu übersteigen anfing; wie aber Manchem über dem Essen der Appetit kommt und das Begehren nach immer Mehrerem, so ging es auch Uli. Uli hatte Ställe voll Pferde und Kühe übernommen um eine sehr billige Schatzung. Bei allfälligem Abgeben der Pacht musste er wieder für die gleiche Summe Ware einliefern oder den Abgang ersetzen oder hatte den Mehrbetrag zu fordern. Er konnte also mit der übernommenen Ware ganz schalten und walten nach seinem Belieben; was bei seinem Abgang in den Ställen stunde, wurde wieder geschätzt, und je nachdem es sich fand, fanden Vergütungen von der einen oder andern Seite statt.
Joggeli hatte auf dem Handeln nicht viel gehalten und selten zu rechter Zeit abstossen können. Uli kalkulierte anders; er hatte namentlich zwei Pferde und drei Kühe übernommen, welche auf dem höchsten Punkte ihrer Reife stunden; behielt man sie länger, fielen sie stetig im Preise, verkaufte er sie, kaufte dagegen junge Tiere, so stiegen diese im Preise, bezahlten neben der Nutzung noch ihre Fütterung. Uli entschloss sich alsbald zu diesem Handel, Vreneli wehrte: "Recht hast," sagte es, "aber merkt es Joggeli, so gibt es böses Blut, das muss man verhüten so lange als möglich; übrigens sind die Tiere so geschätzt, dass sie nach einem Jahre noch die Schatzung gelten, du also jedenfalls dazumal noch nichts daran verlierst." Geld hätten sie eben auch noch nicht so nötig, und im Fall es gegen Herbst rarer werden sollte, so konnte man immer noch verkaufen, nur nicht jetzt gleich, wo Joggeli es als eine absichtliche Prellerei ansehen könnte, wenn Uli vielleicht hundert Taler in Sack mache oder doch fünfzig. Uli hatte recht, aber Vreneli noch rechter, und wie es geht in der Welt, das Beste geschieht am seltensten. Uli gewann ein Erkleckliches und meinte, Joggeli vernehme es nicht.
Aber die Leute, welche früher Joggeli alles zugetragen hatten, lebten noch, und wären sie gestorben gewesen, so wären aus ihrem grab herauf alsbald neue aufgewachsen, von wegen diese Sorte stirbt nie aus. Joggeli wusste richtig alsbald bei heller und Pfennig, was Uli gelöst, das gab böses Blut. Die Base und Vreneli mussten viel leiden deretwegen. Uli hätte das nicht tun und den Frieden auch für etwas rechnen sollen, da Gott es so gut mit ihm meinte und er es so wenig nötig hatte.
Das Frühjahr ist für den Landmann, welcher nicht Vorräte hat, sonst eine Zeit, welche Geld frisst oder zu Schulden nötigt; das war bei Uli nicht der Fall, seinen Handel nicht gerechnet. Vreneli löste aus Butter und Milch viel Geld, so dass nicht bloss die Hauskosten bestritten wurden, sondern hie und da noch ein grosses Silberstück beiseitewanderte, um bei der Hand zu sein, wenn der Pachtzins gezahlt werden musste. Ferner wurde er mit einigen Prachtkälbern beschenkt. Diese mästete er, bis sie nahe an zwei Zentner wogen, half zuweilen sogar mit Eiern nach, welche er entbehrlich glaubte. Solche Kälber sind rar, gehen in die Bäder, nach Basel usw. und werden schwer bezahlt, so dass Uli wirklich Glück in allen Ecken hatte, das Geld nicht von ihm wollte, sondern immer vermehrt zurückrann, einer guten Taube gleich, welche nie ausfliegt, ohne mit einem neuen verlockten Tauber zurückzukehren.
Drittes Kapitel
Das Erntefest oder die Sichelten
Dennoch setzte sich Uli ein Wurm ans Herz, von wegen was er einnahm, das gehörte ihm, versteht sich, was er ausgeben musste, das verstand sich nicht von selbst; er kehrte es sieben mal um, bis er sicher war, dass er es schuldig sei. Es ist eine eigene geschichte, wenn ein grosses Bauernhaus sich umwandelt in ein blosses Pächterhaus. Ein grosses Bauernhaus, welches seit hundert und mehr Jahren im Besitz der gleichen Familie war und absonderlich, wenn gute Bäurinnen darinnen wohnten, ist in einer Gegend fast was das Herz im leib; drein und draus strömt das Blut, trägt Leben und Wärme in alle Glieder, ist, was auf hoher Weide eine vielhundertjährige Schirmtanne den Kühen, unter welche sie sich flüchten, wenn es draussen nicht gut ist, wenn die Sonne zu heiss scheinet, wenn es hageln will oder sonst was im Anzuge ist, was die Kühe nicht lieben; ist der grosse, unerschöpfliche Krug, welcher nicht bloss einer Witwe und ihrem Söhnelein das nötige Öl spendet, sondern Hunderten und abermal Hunderten Trost und Rat, Speise und Trank, Herberge und manch warmes Kleid jahraus jahrein. Ein solches Haus ist das Bild der grössten Freigebigkeit und der sorglichsten Sparsamkeit. Da liest man die Strohhalme zusammen und zählt die Almosen nicht, da findet man die hände, welche nie lässig sind im Schaffen und im geben, denen zur Arbeit nie die Kraft ausgeht und nie die Gabe für den Bedrängten. So ein Haus ist ein wunderbar Haus, aber darum ist es auch eine Art heiliger Wallfahrtsort, wohin wandert, wer bedrängten Herzens ist, Not leidet am leib oder an der Seele. Zieht aber nun aus einem solchen haus die Seele, das heisst die Bäurin oder