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gut sein und uns Anweisungen auf den rückständigen Pachtzins geben." "Welch rückständigen Pachtzins?" fragte die Base. "Geh, Frau," sagte Joggeli, "lass uns machen, die Sache ist bald richtig, mach dass wir dann was zu essen und zu trinken haben." "Essen und Trinken ist da und die Sache ist richtig, denn du schreibst die Anweisungen nicht," sagte die Base. Joggeli wollte ihr zublinzen, der Tochtermann sagte: "Aber Mutter, wollt Ihr denn wüster gegen uns sein als der Vater? Ihr waret sonst Eurer Kinder Stütze, und jetzt redet Ihr wider sie. Warum wollt Ihr uns z'böst sein? Was haben wir Euch zuwider getan?" "Warum? Darum," sagte die Base, "weil der Zins bereits bezahlt ist, ihr ein Hudel- und Schelmenpack seid, Alt und Jung, und ich nicht zugeben will, dass unter meinem dach solche Schelmenstücke verübt werden." "Mutter, das sind Flausen", sagte der Tochtermann, "der Pächter hat selbst gesagt, er habe den Zins nicht bezahlt, und so was sagt man sonst nicht, wenn es nicht wahr ist. Er zeige uns die Quittung, wenn wir es glauben sollen; der Vater würde auch nicht Anweisungen schreiben, wenn der Zins bezahlt wäre, so schlecht ist der Vater nicht." "Was er ist, das weiss ich nicht," sagte die Base, "aber der Sache will ich ein kurzes Ende machen, schreibt dann meinetalben Anweisungen ein ganz Fuder voll."

Rasch ging sie zum Bette, warf den untern teil auf den obern zurück, zog aus dem Strohsack einen schweren, klingenden Beutel, den sie kaum heben mochte, sagte, das sei die rechte Quittung, und wenn die sei, wo sie hingehöre, so werde die Sache sich schon machen. Ehe die Andern recht wussten, was geschah, war sie zur tür hinaus. Unter der Haustüre sah sie Vreneli, welches aufgepasst hatte, stellte den Beutel ab und winkte. Rasch war es drüben. "Nimm, lauf, der Atem fehlt", sagte die Base. Vreneli nahm, lief und war in ihrem haus, ehe die Andern sich gefasst hatten und nach, gestolpert kamen. Nun, das Ende vom lied war, dass Joggeli wieder um den grössten teil des Geldes kam.

"Aber Base," sagte Vreneli, "ist der Vetter wirklich so schlecht, dass er begehrte, arme Leute um Hab und Cut zu bringen, ihr Eigentum ihnen abzuleugnen?" "Nein, so schlecht ist er nicht," sagte die Base, "aber so ist er, dass er alles macht, um das Unangenehme von sich ab und auf Andere zu walzen, und wenn dann was Schlechtes daraus entstünde, so würde er sagen, er vermöge sich dessen nicht, sondern der oder jener sei schuld daran. Warum habe zum Beispiel Uli selbst gesagt, er hätte den Zins nicht bezahlt? Dazu habe ihn niemand gezwungen, ihm hätte es in Sinn kommen sollen, was daraus entstehen könne; er mische sich nicht darein, die Andern, wo was mit einander hätten, könnten es ausmachen." "Aber Base, ist das recht?" fragte Vreneli. "He, das weisst," antwortete dieselbe, "aber ist es gescheut von Uli, keine Quittung zu haben und zu sagen, er habe nicht bezahlt gefälligkeit hin, gefälligkeit her, Wahrheit ist Wahrheit; er sollte sich doch nicht in Sachen einlassen, welche er nicht versteht und von denen er nicht weiss, wie weit sie gehen. Mit solchen Lumpensachen kann man nicht bloss um Hab und Gut, sondern auch um den ehrlichen Namen kommen.." "Base, Ihr habt recht und mir macht solches Kummer; Uli möchte gerne der Gute sein, lässt sich gerne zum Grossen machen, und je schneller er reich wäre, desto lieber hätte er es. Es scheint mir oft, der Teufel habe eine Angelschnur mit drei Haken nach ihm ausgehängt, an welcher noch hängen bleibt, weiss Gott. Base, ich habe einen Kaffee gemacht, bleibt bei mir; drüben habt Ihr doch böse Gesichter, hier möchte ich Euch zu hunderttausend Malen danken, und Uli hätte auch Ursache dazu." "Nein, muss hinüber, gucken, was es gibt, schlimm wird es nicht gehen. Ich habe ein gut Gewissen, sie böse, ich mache ein keck Gesicht, und sie wissen nicht, welche sie schneiden sollen. Wenn ich komme, so werden sie lange schweigen, endlich viele Redensarten ins Feld führen, wie sie ja keinen Betrug im Sinne gehabt, und wenn ich das erstemal hinausgehe, kommt mir Johannes nach und sagt: Mutter, du bist immer die Beste, hättest mir nicht noch einen schönen Kram für Trients, das Pflaster ?"

Kaum hatte der Johannes gemacht, wie die Mutter es vorausgesagt, kam der Tochtermann, hätte die Mutter gerne gestreichelt und gehätschelt, wenn sie nicht drei Schritte rückwärts gegangen wäre, und sagte, ob sie ihm nicht was Gutes hätte für Elise: einen Schinken, eine Wurst, Käse, Butter usw.; Elise liebe derlei Dinge sehr und er gönne sie ihm von Herzen, zuweilen sei sie etwas wunderlich, aber er habe die Hoffnung, mit Ernst sei sie ganz zu kurieren. Ernst sei gut, sagte die Mutter, aber mit der Fünffingerkur