Wenn es mit dem Schelmen davongelaufen sein müsse, so sei er in alle Wege der Letzte von ihnen Dreien, welcher laufe, sagte er. "Zuletzt," sagte der Tochtermann, "ist das ein abgeredet Spiel, sie stecken Beide unter einer Decke. Es war schon lange der Gebrauch hier, die Kinder zu betrügen zum Besten von Lumpenpack, welches uns unsere Sache abstiehlt. Lass sehen, du Hagels Lehenmannli, jetzt gib Bescheid, kurz, Ja oder Nein. Hast bezahlt oder nicht bezahlt, Wir wollen wissen, woran wir sind." Uli stutzte, sagte aber bald, mit ihnen hätte er nichts zu tun; ob er bezahlt habe oder nicht, gehe sie nichts an, sie sollten ihre Wege gehen, ihn ruhig lassen, die Sache mit ihrem Alten ausmachen Johannes hätte beinahe an Uli seine Kraft versucht, denn von einem Fremden lasse er sich aus seinem haus weder stellen noch weisen, sagte er. Aber Uli sagte, er gedenke weder das Eine noch das Andere zu tun, aber plagen um etwas, welches sie nichts anginge, lasse er sich ebenso wenig, und wenn sie nicht gingen, so ginge er. Da sagte der Tochtermann: "Zanken mit dir wollen wir nicht lange, aber zähl darauf, innerhalb einer Stunde wissen wir, woran wir sind, und wollen dich dann in den Schraubstock spannen, dass du nach Gott schreien lernst. Du sollst es erfahren, wie es so einem vierschrötigen Kuhstrumpf ergeht, der sich einfallen lässt, Leute von unserm Schlage zum Besten haben zu wollen. Warte nur, Bürschli, du wirst froh sein, andere saiten aufzuziehen." Darauf ging er ab, husch Johannes ihm nach.
Das Horchen ist auf dem land nicht halb so verpönt als in den Städten. Man hat meist vergebene Mühe, wenn man Mägden das Schmähliche, welches darin liegt, begreiflich machen will. Weiber behaupten förmlich das Recht dazu zu haben, so gut als zum Schlüssel zum Bureau, denn wo Zwei Eins sein sollen, wie sollte da ein Geheimnis zwischen ihnen sein können! So hatte auch Vreneli gehorcht, und als die beiden Unholde abgefahren waren, kam es mit der Frage auf Uli zu: "Du hast doch eine gesetzliche Quittung?" "Nein," sagte Uli, "Joggeli hatte nicht Stempelpapier, und seiter ging die Zeit herum, ich wusste nicht wie, und daran mahnen durfte ich ihn nicht." "Du bist doch ein Tropf, nimm es mir nicht übel! Aber gehst, sagst, du habest nicht bezahlt, hast keine Quittung in Händen, und Joggeli ist Joggeli, du solltest ihn doch kennen. Was die jetzt mit ihm anfangen und wozu sie ihn nötigen, das weiss Gott. Achtundert Taler ohne den Zins für die Schatzungssumme kannst du verklappert haben mit einem Worte." Da ward es Uli katzangst, sein Mund tat nichts als donnern, auf der Stelle wollte er hinüber. "Nein," sagte Vreneli, "jetzt gehst nicht, mache dich nicht selbst zuschanden! Ich gehe zur Base, dass sie aufpasse, was vorgeht; sie lässt uns nicht betrügen, und ist es nötig, kann sie dich rufen."
Als die Base hörte, worum es sich handle, entrannen ihr aber einige herzhafte Seufzer über das Mannevolk, wo Keiner was rechts, sondern wer nicht Esel, Schelm sei, und sagte: "Sei nur ruhig, denen will ich den Marsch machen, dass es eine Art hat. Aber sage Uli, ein Lümmel sei ein Lümmel, und wenn er einer bleibe, so könne er sich und Andere plagen mit Arbeit und Sparen und doch zuletzt im Winter barfuss laufen und ein schön Liedlein pfeifen, statt eine warme Suppe essen." Alsbald begab sich die Base auf die Lauer und vernahm an der tür, wie der Tochtermann vorbrachte: Sie müssten allerdings glauben, der Zins sei nicht bezahlt, ob mit Guteissen vom Schwäher oder nicht, sei ihm gleichgültig, er verlange bloss eine Anweisung auf Uli, er wolle dann sehen, ob er Geld kriege oder nicht, er kenne solche Geschäfte. Johannes ging plötzlich ein Licht auf, es war das erstemal, dass er eine Art Respekt vor dem Schwager kriegte. Er wolle auch eine, brüllte er, der Teufel solle ihn lotweise zerreissen, wenn er vom platz gehe, ehe er eine hätte. Erst weigerte sich Joggeli mit allerlei Ausflüchten, als aber die Andern immer heftiger in ihn drangen, ward sein Widerstand schwächer. Die Base an der tür dachte: Was Tüfels ist ihm aber in Sinn gekommen. Er ist Hunds genug, er tuts. Richtig, endlich ging Joggeli nach Tinte und Papier und suchte die bessere Brille, welche er seiter angeschafft hatte.
Da tat sich die tür auf, die Base trat ein. Es verzogen sich ärgerlich oder verlegen alle Gesichter, sie aber liess sich dies nicht anfechten, sondern sagte, es nehme sie wunder, was es gebe und was da geschrieben werden solle? Sie musste zweimal fragen, da munkelte Joggeli: "Nicht viel anders." Der Tochtermann aber sagte: "Der Vater sieht ein, was recht ist, und tut, was der Brauch ist. Es ist in allen vornehmen Häusern der Fall, dass die Eltern, wenn sie alt werden, nicht mehr kapitalisieren, sondern ihre Ersparnisse den Kindern austeilen, weil jüngere Leute das Geld besser zu nutzen verstehen. Da will der Vater so