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seien doch wirksam. "Weiss nicht," sagte Vreneli, "ob der Gewinn daher kommt und ob wirklich ein Gewinn da ist." "He," sagte Uli, "wenn du weisst, was zweimal zwei ist, so sieh, was da ist: so viel bar und noch so viel in Rechnung." "Ja," sagte Vreneli, "das Geld sehe ich, und wenn ich auch das sehen könnte, was noch in Rechnung ist, wäre es mir noch lieber." Da fuhr Uli auf, gab einen bösen blick von sich und ging hinaus. "Haben es ihm die Ketzer schon so weit angetan," sagte Vreneli, "dass er blind ist und man ihm über sie weniger sagen darf als einem Christen über seinen Herrgott?"

Diesmal konnte Joggeli mit Behagen sein Geld zählen und hatte grosse Freude daran. Uli hatte darauf gehalten, schönes Silber zu geben, was Kindern und andern Leuten den Wert desselben bedeutend erhöht, jedenfalls immer ein Zeichen von achtung und dem Wunsche ist, in Huld zu bleiben. Als Joggeli es genug gezählt hatte, ging die sorge für das Verbergen an, welche nicht grösser hätte sein können, wenn er fremdes Volk, kosacken, Italiener, eine Nation, welche sich im Krieg auf das Mausen versteht, erwartet hätte. Wie einen Feldherrn, auch wenn er mit dem grössten Vorbedacht seine Dispositionen gemacht hat, immer ein kleines Herzklopfen anwandelt, wenn die Stunde naht, wo der Feind kommen soll, so hatte es auch Joggeli, und zwar schon am Verfalltag selbst, am Vorabend grosser Ereignisse, wie er dachte.

Aber es war der Ereignisse selbst nicht der Vorabend, sondern der wirkliche Tag. Dem Johannes fiel es ein, wenn er einen Tag früher käme als das letztemal, kriegte er vielleicht das Ganze. Dem Tochtermann fiel akkurat das Gleiche ein, denn sie hatten innerlich ungeheure Ähnlichkeit und äusserlich auffallend gleiche Sympatien, wenn sie auch körperlich kein Haar von einander hatten. Der Baumwollenhändler glich einem halbverkohlten Schwefelholz, Johannes einem fünf Fuss zehn Zoll langen Kürbis. Beide kamen gleich nach, mittags angefahren, und nicht nur die Rosse schnauften entsetzlich, sondern auch beide Aspiranten, Prätendenten oder wie man sie sonst nennen will. Jetzt hätte Joggeli gern das Hasenpanier ergriffen. "Ware ich nur gegangen," murmelte er für sich, als es dahergefahren kam wie das Donnerwetter, noch viel ärger, als an einem englischen Wettrennen die langbeinigen Lords daherrennen. Joggeli hatte es wie ein Renommist, und zwar hatte er es siebenzig Jahre lang so gehabt und kannte doch diese Schwäche nicht. Er war ein Held weit vom Geschütz oder wenn er hinter seiner Frau stunde, kam er aber auf die Mensur, so kriegte er den Schotter, und stunde nicht seine Frau, sondern ein Mann vor ihm, so drückte er sich gerne beiseite. Springen hätte jetzt Joggeli wenig geholfen, er musste warten. Eben freundlich empfing er die beiden Herren wirklich nicht, und wenn sie eine Haut gehabt hätten, welche empfindliche Redensarten nicht hätte ertragen mögen, sie wären Beide alsbald wieder abgefahren. Aber Beider Häute waren sattsam gegerbt, nicht bloss in solches Wetter, sondern wenn man Stiefel daraus gemacht hatte, sie wären ohne besondere Salbe wasserdicht geblieben bis zum letzten Fetzen.

Es ging nicht lange, so musste er ihnen sagen, er habe den Zins noch nicht empfangen und werde ihn einstweilen auch nicht empfangen; der Pächter sei nicht bei Gelde, er habe ihm Stündigung gestattet. Sie sollten doch nicht tun wie Hunger, leider, welche den Lohn immer zum voraus einzögen. Wenn sie Hungerleider wären, so sei niemand anders schuld als er, weil er sie Hunger leiden lasse, und wenn da was zu schämen sei, so komme es an ihn, sagte der Tochtermann und ging hinaus. Nun setzte Johannes mit Ungestüm auf den Vater ein, brach aber plötzlich ab und fuhr auch zur tür hinaus. Er hatte durch das Fenster den Schwager hinüber zu Uli gehen sehen und fasste alsbald, was der drüben wollte, und machte sich ihm nach. Joggeli lächelte ihm nach, kriegte aber alsbald Angst, Uli möchte vielleicht mit der Wahrheit ausrükken. Gut sei es, dass er ihm die Quittung noch nicht gegeben, dachte er, er könne es allweg nicht beweisen, und da wüssten die Blutsauger nicht, woran sie seien und wem sie glauben sollten.

Drüben ging ein tapferer Lärm an. Erst biss der Baumwollenhändler nach dem Schwager, was er ihm nachzulaufen habe, darauf fertigte Johannes den Schwager grob genug ab. Darauf manöverierten Beide gegen Uli. Erst kamen sie mit Manier und wünschten auf Abschlag so viel Geld, als er im haus hätte, es sei des Vaters Wille und Begehr, dass er gebe. Da komme er schön in die Klemme, dachte Uli, der Alte stelle ihm zum Ausessen die Suppe dar, welche er selbst nicht möge. Uli entschuldigte sich, er habe nur das nötigste Geld für die Hauskosten bei der Hand, am Zins könne er nichts machen; er habe ein böses Jahr gehabt, Mehreres ausstehen, Anderes nicht verkaufen können, so sei es ihm unmöglich, ihnen mit Geld an die Hand zu gehen. Nun redeten die Beiden erst von Lumpenware und Hudelbuben, so komme man dran, wenn man Leute von der Gasse nehme, da hätte man keine Sicherheit, die machten sich nichts daraus, mit dem Schelmen davonzugehen. Das kam Uli über den Magen.