von Rechnung könne man ja stellen, wie man wolle, einige Wochen vorwärts oder rück, wärts, wie man wolle, darauf komme es nicht an, wenn es ihm so recht sei. Akkurat wie er mit dem Zeiger seiner Uhr auf zehn oder zwölf fahren könne, je nach seinem Belieben, weil es ja seine Uhr sei und niemand weiters angehe. Aber solch Rechnen war ihm zuwider, solch Rechnen, nicht alles Rechnen, denn er rechnete eigentlich, wo er ging und stand, wir hätten fast sagen mögen, alle seine Gedanken hätten sich ins Rechnen aufgelöst; aber er rechnete im Kopf, was dieses ihm eintragen, jenes kosten würde, wie viele Malter er aus jenem Acker machen, wieviel Flachs, wieviel Reps usw., was er davon beiseitelegen und was er brauchen müsse, das ging ihm fort und fort im Kopf herum akkurat wie ein Mühlrad, kam ihm im Traum vor, machte ihn zuweilen glücklich, zumeist aber steinunglücklich. Er wollte halt reich werden, viel gewinnen, stellte daher alle seine Rechnungen auf Gewinn, dachte hauptsächlich bloss an die Einnahmen, Ausgaben sah er nicht und dachte nicht daran. Die Einnahmen sieht der Landmann vor sich in Äckern und Wiesen, die Ausgaben kommen ungesinnet; zerbrochene Wagen, abgesprengte Rosseisen fallen nicht zum voraus ein, und an eine Masse von Haushaltungsausgaben denkt ein Mann, namentlich ein junger, nicht. Alle diese ungesitteten Ausgaben verdarben immer die Rechnung, er musste immer von vornen anfangen, verdarb damit alle andern Gedanken und kam doch nicht zu Ende. Aber auf dem Papier rechnen, zusammenziehen alles, was man gemacht hat, und zwar so, dass es sich treffen soll, ja, das ist was anders, Uli hatte es erfahren, und obendrein noch so viel Geld zählen, und zwar so, dass man allemal gleichviel hat, das ist noch was viel anderes, und Uli hatte es ebenfalls erfahren. Nachdem er einen halben Tag gezählt hatte und zweimal endlich die gleiche Summe herausgebracht, fand Uli, dass er mehr Geld hatte, als der Pachtzins betrug, doch ziemlich weniger als im vergangenen Jahre. Es blieben ihm, wenn er die Schuld abgetragen, noch ungefähr hundert Taler übrig, dagegen hatte er mit Wirt und Müller bedeutend zu rechnen. Der Wirt namentlich war ihm zwei fette Kühe, von denen jede über sechzig Taler wert gewesen, und vier Schweine, welche zusammen wohl zwölf Zentner gewogen schuldig, dagegen hatte er was genommen, aber eben viel nicht; eben darum stunden sie in Rechnung, und Uli hatte das Geld nicht. Der Müller stand ebenfalls mit Uli in Rechnung für eine ganze Menge von allerlei. Uli hatte auch was genommen, aber von ferne glich es sich nicht aus; da hatte er sicherlich sehr viel zu fordern, aber wie viel, wusste er doch nicht bestimmt.
Bei solchen Rechnungen, namentlich wo sie en détail gehen und lange nicht bereinigt werden, hat es eine ganz verfluchte Bewandtnis; sie sind imstande zu wachsen, während man sie macht, zu einer ganz unglaublichen Grösse, ungefähr wie Blutegel, welche ganz schmächtig sind, wenn man sie anlegt, und fast faustdick, wenn sie abfallen. Wer mit einem Müller oder einem Wirte in Rechnung steht, der hat ein ganz verflucht Zeug am Halse. Kriegt er endlich den Müller zwischen die Knie, um mit ihm zu rechnen, so hat er eine grosse Reihe voll Semmelmehl, Kuchenmehl, Kleien, Spreuer, Taubengrütze, Hühnerfutter, von welchem allem der Bauer nichts weiss. Sagt er dem Müller in hohem Zorn: "Donner, von dem allem weiss ich nichts, wird auch nicht sein!", so sagt der Müller: "Wirst doch nicht glauben, ich hätte falsch aufgesetzt ? Sieh, mache mich nicht böse, das ist mein Gebrauch nicht. Das hat deine Magd geholt, welche letzte Weihnacht fort ist, und dies das arme Mädchen, welches du im vorigen Jahr von der Gemeinde hattest, und dies der Knecht, welchen du vor vier Wochen fortjagtest; das Eine kam von deiner Frau gesandt, und ein Anderer sagte, er habe von dir den Befehl, und da schicket es sich doch unsereinem nicht, solches alles schriftlich zu wollen oder gar auf Stempelpapier. Was meinst, was würde deine Frau sagen, wenn die Magd zurückkäme und sagte, der Müller gebe nichts, wenn er es nicht schriftlich von dir hätte?" Wer will sich nun an alles erinnern, Und wenn gar die Rechnung sich hinauszieht, bis Knecht, Kind, Magd fort sind, wer Teufel will alles erforschen? Und wenn man es zu erforschen versucht, was gewinnt man? Uneinigkeit, Misstrauen usw., und am Ende bleibt die Rechnung Rechnung; so lang sie war, so lang bleibt sie. Ja, es ist ein kurios Ding mit solchen Rechnungen, gar Mancher hat sich mit solchen um Hab und Gut verrechnet; doch das wusste Uli nicht, und wenn es ihm schon jemand gesagt hätte, er hätte den Glauben nicht gehabt, dass es so sein könnte, er hielt, was er an Wirt und Müller zu fordern zu haben glaubte, wie bar Geld.
Wenn er Geld, Vorräte, Rechnungen überschlug, hatte er wieder ein gut Jahr gehabt und mehr gemacht als im vorigen Jahr. Bös hätte er gehabt, sagte Uli, ein Jahr verlebt, er möchte es keinem Hund gönnen, aber es sei doch was dabei her, ausgekommen, die geringern Dienstbotenlöhne