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"Ich sehe, die Glunggebäuerin kann das Predigen auch, und wenn unser Pfarrer abgeht, so brauchts keinen Pfarrer mehr, eine von euch oder abwechselnd könnt ihrs auch machen, und vielleicht macht ihrs besser und wohlfeiler als der jetzige. Es will niemand rühmen, dass er ein sehr Geschickter sei, daneben frage ich dem nicht viel nach; lieb ist es mir allweg, dass meine Frau auf das Predigen sich nicht so versteht, es könnte mir missfallen! Nun so dann, so wollen wir," schloss der Wirt, der jetzt zum Aufbruch sehr bereitwillig sich zeigte, den Predigten wollte er entrinnen und sein Champagner war zu Ende. "Die Flaschen nehme ich wieder mit," sagte er, "oder braucht ihr sie zu was?" Seine Freigebigkeit hatte ihre Grenzen, wie man sieht.

Elftes Kapitel

Von einer Falle, welche Uli abtrappet, aber diesmal

noch ohne Schaden

Joggeli hatte das ganze Jahr hindurch Verdruss gehabt mit seinen Kindern; der Tochtermann betrachtete sein Elisi wie ein Schröpfhörnchen, wenn er Geld nötig hatte, setzte er es dem Vater auf den Hals. Der Johannes dagegen kam selbst angefahren mit Gepolter und Schnauben und holte seinen teil unter Donner und Blitz. Jedesmal, wenn eine solche Operation vornüber war, Joggeli in Schmerzen lag und Lust zu einer Ohnmacht hatte, verschwor er sich hoch und teuer, das müsse die letzte sein, möge es gehen wie es wolle, bei Lebzeiten gebe er keinen Kreuzer mehr. Und wenn sie wieder kamen, so ging es doch wieder und Joggeli musste sich am Geldseckel operieren lassen, er mochte sich winden und drehen, wie er wollte. Als nun die Verfallzeit des Lehnzinses heranrückte, welche Sohn und Tochtermann kannten so gut als er, war er in grosser Verlegenheit, was machen. Sollte er an Uli wachsen und versuchen, ob derselbe nicht eine Woche oder zwei früher zahlen wolle, oder aber dass er warten solle, bis der Sturm abgeschlagen sei mit dem Vorwande, der Pächter habe nicht bezahlt und könne nicht bezahlen? Beides hatte seine zwei Seiten; kriegte er den Zins früher, so hatte er ihn also, und das ist immer schön, wenn man einmal was hat, aber was dann machen? Im haus durfte er das Geld nicht behalten, und brachte er es unter, so musste er angeben, wo es sei. Sage er das, so ruhten die Hagle, Gott verzeih mir meine Sünde, nicht, bis sie es haben. "Das ist ein Elend," jammerte er. Sage er Uli, er solle nicht bezahlen auf den Termin, so sei das wohl gut, aber dann habe Uli das Geld und nicht er, könnte es ihm weiss Gott wann geben und vielleicht gar ein Recht daraus machen und alle Jahre später kommen mit dem Zins, bis er ihm zuletzt gar keinen gebe. Darauf könne er es also nicht ankommen lassen, kalkulierte er.

Endlich schoss ihm ein Blitzgedanke durch das Haupt, er rieb mit vergnüglichem gesicht die hände und dachte: Für solche Gedanken zu kriegen, muss man Joggeli in der Glungge sein. Man könnte manches Dorf aus laufen, ehe man einen fände, dem beifiele, was ihm. Der gute Joggeli war noch nicht zu der Erfahrung gekommen, was Einfälle, auf die man sich am meisten zugute tut, für Schwänze haben! Er dachte, er wolle Uli sagen, derselbe solle ihm den Zins acht Tage zum voraus geben, denselben wolle er gehörig in Sicherheit bringen, und wenn dann seine Blutsauger kämen, sagen, im Einverständnis mit Uli, Uli habe noch nicht bezahlt, er werde den Zins einstweilen nicht geben können. Er trug seinen Gedanken alsbald seiner Frau vor. "Was Tüfels ersinnest du aber Dummes," sagte ihm diese, "das kommt nicht gut, zähle darauf." "Ich wüsste eigentlich auch nicht, wann du etwas gut gefunden hättest, was mir beigefallen, es war von Anfang so und wird so bleiben bis ans Ende." So sprach Joggeli in zornigem Brummen, drehte sich und ging ab, ging zu Uli und trug ihm den Handel vor. Uli war das sehr zuwider. Er glaube, sagte er, das Geld könne er geben, aber mit dem Verleugnen wollte er lieber nichts zu tun haben. Man könne am Ende nicht wissen, was das für Folgen haben könne, jeden, falls begehre er keinen Streit mit den Beiden, denn wenn sie ihm etwa auf den Hals steigen und wüst sagen würden, so nehme er dies nicht gelassen hin. "Habe nicht Kummer," sagte Joggeli, "ich will das schon machen, und Folgen hat es keine, gebe dir eine gesetzliche Quittung und schreibe es als, bald ein. Es ist ein blosser Gefallen, dich kostet es nichts und mir ist es ein grosser Dienst, und etwas wirst mir doch auch tun wollen, oder meinst etwa, es wäre nicht recht?" Uli fügte sich, Vreneli hatte nichts dawider, begehrte bloss über den Alten auf, der immer was erlisteln wolle und Andere hineinstossen und doch nichts ausrichte, weil er keinen Mut hätte, sondern allezeit das Herz in den Hosen.

Uli musste ans Rechnen gehen vor der Zeit, und das war ihm sehr zuwider, nicht deswegen, weil er dachte, es könnte der Pünktlichkeit schaden, wenn er acht oder vierzehn Tage vor der Zeit die Rechnung schliesse. Nein, daran dachte er gar nicht; so einen Ketzer