Sache eigentlich keinen rechten Namen zu geben, und es wäre in grosse Verlegenheit gekommen, wenn es hätte beschreiben sollen, was ihm nicht recht sei und wie es es eigentlich haben möchte.
Nur eines war es, was es bestimmt nennen konnte und um welches endlich alle seine Wehmut zusammenlief und sein Glaube, dass man sich versündige und das Kind es einst büssen müsse, sich klammerte, und zwar Folgendes. Als es später war und die Schmiedin von Aufbrechen sagte, was bekanntlich immer eine geraume Zeit vor dem wirklichen Aufbruch geschieht, sagte der muntere Wirt: Man solle noch warten, er hätte da noch was, das müsse man versuchen, dann wisse man erst, was Wein sei. Er zog nun Champagner, Haschen hervor, welche er unvermerkt herbeigeschmuggelt hatte. Nun wehrte man von allen Seiten, er solle doch nicht aufmachen, man hätte bereits zu viel getrunken und was er doch denke, so köstlichen Wein! Eben, sagte er, müsse man den trinken, wenn man vom andern genug hätte, der mache einem dann ganz wohl wieder und leicht, dass es einem dünke, man möchte fliegen. Und als man von den Kosten sagte und wie solcher Wein nicht in ein Bauernhaus gehöre, so sagte er: Darüber sollten sie sich keinen Kummer machen, allweg koste er sie nichts, ihn hätte er auch nichts gekostet oder doch nicht viel. Er hätte in Frankreich einen guten Freund, einen ganz charmanten Herrn, einen so freundlichen, der gemeinste Bauer könnte nicht so gemein sein mit allen Leuten. "Wenn er zu uns kommt, so isst er, ihr mögt es glauben oder nicht, mit uns an einem Tische, wo die Kinder essen und Knechte und Mägde. Dem komme ich manchmal kommod, er handelt mit Kühen, Rossen, Kirschgeist, kurz mit vielen Sachen. Es ist ein gar grausam vornehmer Herr" (die Base flüsterte Vreneli, der und der Tochtermann werden einander wohl kennen), "aber nicht ganz fest mit der Sprache, da muss man ihm zuweilen zurechtelfen. Die Leute sind gar unverschämt, man glaubt es nicht, und wenn sie ihn betrügen könnten, sie täten es, und noch dazu Leute, man glaubt es nicht. Aber das tue ich nicht und das sieht er wohl und erkennts auch. So schickt er mir alle Jahre was Gutes und dieses Jahr einen Korb Champagner. Man hat ihn in Körben, der Korb entält fünfzig Flaschen, und ihr mögt es mir glauben oder nicht, drinnen angenommen, kostet die Flasche geringsten zwei Gulden. Es ist aber auch Wein, der König in Frankreich wäre froh, wenn er solchen kriegte. Aber er kriegt ihn nicht, der wird heillos betrogen, der Herr hat es mir erzählt. Dieser Wein sei nur für gute Freunde, hat mir der Freund gesagt. Auf meine arme teure, wenn er zu uns kommt, er klopft mir den ganzen Tag auf die Achsel, und wie oft er mir 'mon ami', das ist auf deutsch 'mein guter Freund', sagt, könnte kein Mensch zählen." Beiläufig gesagt war an der ganzen geschichte nicht ein wahres Wort. Jedenfalls war der Wein nicht aus Frankreich, sondern aus dem Waadtlande, wo man auch Champagner fabriziert, aber Champagner, der so schwer im kopf liegt wie dreijähriges Sauerkraut im Magen. Nun aber war es gar schön, wie der Wirt mit der Flasche umging, mit welchem schmunzelnden Behagen er zeigte, wie die zugemacht sei. Und dann werden sie noch was hören, sagte er. Bedenklich ward sein Gesicht, als der Pfropf gelöst, es ans Knallen gehen sollte, aber es lange zweifelhaft blieb, ob es wirklich knallen werde oder ob es nur eine der vielen Waadtländer Flaschen sei, welche ein Gesicht machen, als ob sie knallen konnten, und am Ende doch nicht knallen. Doch endlich sprang der Pfropf, es knallte wirklich, ja, und mit glücklichem gesicht sah der Wirt rundum, stillschweigend fragend: "Habt ihr je so was gehört?" Und mit grossem Behagen führte er sich alle Verwunderung zu Gemüte, welche er auf den Gesichtern sammelte, und prägte sie tief in sein Gedächtnis, um gelegentlich sie hervorzunehmen und zu zeigen, wie die Verwunderung aussehe, welche man einmal in einem Bauernhause gemacht, als er Champagner habe springen lassen.
Das nun schmerzte Vreneli sehr, dass man am Tauftag seines armen Bubli solch köstlichen Wein trinke, zwei Gulden die Flasche, von dem man sagte, dass ihn der König von Frankreich nicht einmal so trinke. Das arme Kind vermöge sich dessen nichts, und doch werde es diesen gottlosen Aufwand mitbüssen müssen, denn Hochmut komme vor dem Falle. Sie hätten kein Vermögen, die Andern nicht viel mehr, und da könne man doch denken, ob das gut kommen könne, wenn solche Leute solchen Wein trinken wollten, wo sie ja nicht einmal den Verstand hätten, zu wissen, ob er gut sei oder nicht. "Wenn bei Leuten, wie wir sind, solch Aufwand getrieben wird, was sollen erst die Leute anfangen, welche tausendmal reicher als wir sind? Einer, der mit solchem Weine kommt, dem fehlt es entweder im Kopf oder es weiss der Teufel, was er im Sinn hat, allweg nichts Gutes, und wir können den verfluchten Wein vielleicht einmal noch ganz anders bezahlen als zu zwei Gulden die Flasche." Es fand auch den Wein bitter, ganz abscheulich, während die